Eine Perlenkette zwischen Wüste & Meer . Abseits allgegenwärtiger Fragen nach dem Wasser bietet der Wüstenstaat die volle Palette zwischen (wahlweise Rotem und Totem) Meer, atemberaubender Landschaft, Spuren der Geschichte und der Felsenstadt Petra als weltberühmtem Superstar.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 09. Januar 2020 (04:27)

Vom Berg Nebo soll Moses einst hinabgesehen haben ins Gelobte Land, weit über das fruchtbare Tal des Jordanflusses und das Tote Meer ins heutige Israel bis Jerusalem und Bethlehem. „Hier“, sagt unser Guide Kifah, „liegt Jerusalem“.

Er deutet von dort, wo einst Moses gestanden war und heute ein würdiger Mix aus Gotteshaus und Ausstellungsraum steht, über das Tote Meer. Kifah hat uns vom pulsierenden Akaba im Süden Jordaniens durchs Wadi Rum, das betörende Tor zur Wüste, oder die Schlucht Siq zur Felsenstadt Pe-tra, eines der Sieben Neuen Weltwunder, gen Norden geführt. Wir glauben ihm.

Das Wasser wird knapp.

Heute können wir Jerusalem hinter Staubwolken nur erahnen. Der aus dem geschrumpften See Genezareth dürr gespeiste Jordan mündet nur noch als größeres Rinnsal in das Tote Meer, das als tiefster Punkt der Erdoberfläche immer weiter nach unten sackt. Das Wasser wird knapp in Jordanien, wo es im Sommer monatelang nicht regnet – und Regen im anderen Fall mitunter als gefährliche Sturzflut durchrasselt.

Der durchschnittliche Haushalt hat fünf Prozent des Wassers eines deutschen Haushaltes zur Verfügung, Wasser aus Leitungen ist maximal zweimal pro Woche zu haben, heißt es. Kifahs Geschichten zum Wasser begleiten unsere Reise durch das junge Königreich, das zum Großteil aus Wüste besteht, sich nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Israel, Palästina, Syrien, Irak und Saudi-Arabien erstaunlich stabil als Frieden wahrendes Land der Geflüchteten behauptete.

Freitag ist Amman-Tag!

Der Schmelztiegel Amman als Hauptstadt wurde in 120 Jahren vom 2.000-Einwohner-Nest zur Vier-Millionen-Metropolregion. Der Infrastrukturbau machte das Eiltempo weitgehend mit. Ein U- oder Schnellbahnsystem fehlt aber, Zweiräder sind Ausnahmen, die Busspur eine Vision für die Zukunft. Im Gehen sind wir immer noch schneller als der Kleinbus.

Der Spaziergang durch Downtown Amman mit endlos Läden, Autos und Leuten wird an einem Donnerstag aber zum lauten, staubigen, schmutzigen Tumult. Gut, das erlebt zu haben, aber merke fürs nächste Mal: Freitag ist Amman-Tag! Dann ist Feiertag, atmet die City auf, wollen Zeugen der ersten Hochblüte wie das Römische Theater mit 44 steil in den Hügel ragenden Stufen oder der Zitadellenhügel vis-à-vis erkundet werden.

Einfach außerirdisch.

Entspannter geht es außerhalb Ammans zu. Am Südzipfel des Landes sehen wir das lebendige Akaba – eine steuerfreie Zone mit schillernder Korallenwelt im klaren Wasser des Roten Meeres.

Über die Wüstenautobahn geht es tausend Meter hoch ins Ostjordanische Bergland, wo sich ein Großteil des Lebens abspielt – auch wenn es zunächst im Wadi Rum eher nach außerirdischem Leben aussieht: Das primär von Beduinen bewohnte Wüstental mit bizarren, bis zu 1.750 Meter hohen Sandsteingebilden ist Drehort für Marsfilme aller Art. Für Erdlinge lässt es sich auf dem Kamel oder via Jeep-Tour erkunden, ideal kombiniert mit einer Nacht in einem der Zeltdörfer, die sich in die Marslandschaft schmiegen und von Klimaanlagen bis zum eingebauten Sanitärraum alle Stückln spielen.

Kilometerlanges Staunen.

Es ist nicht weit nach Petra. Eine Million Besucher haben das auf bis zu 1.300 Metern gelegene Neue Weltwunder im Vorjahr bestaunt. Kifah erklärt ausgeklügelte Wege, über die hier schon vor mehr als zweitausend Jahren Wasser für die damals mächtige Nabatäer-Hauptstadt gespeichert und geliefert wurde.

Mehr noch stehen unsere Münder angesichts der schillernden Schönheit der Schlucht Siq und der unglaublichen Kunstfertigkeit der Handwerker in schwindelerregender Höhe offen. Etwa 800 Baudenkmäler und Opferplätze – oft in vorhandenen Stein gehauen – erstrecken sich auf einigen packenden Kilometern, etwa das weltbekannte Schatzhaus (40 mal 20 Meter), das Kloster (49 mal 47 Meter) oder die monumentale Königswand mit 13 über dem Tal thronenden Grabtempeln.

Mega-Mosaik und Schlammpackung.

Es geht weiter. Vorbei an Kreuzfahrerburgruinen und Naturschutzgebieten nach Madaba, wo im sechsten Jahrhundert für Pilger aus zwei Millionen Steinchen eine 21 mal sechs Meter große Mosaikkarte des Heiligen Landes mit gut 150 Orten gefertigt wurde.

Ein Katzensprung, aber mit dem Abstieg von 800 auf mehr als 400 Höhenmeter unter null, ist es zum Toten Meer – ein nasser Kontrapunkt zum staubigen Wüstenstaat. Ein Spa-Hotel reiht sich ans nächste: Das Salzwasser hat Heilkräfte. Klar, eine Packung des bereitgestellten Schlamms ist Pflicht – oft hat man nicht die Chance, die Optik einer Elefantenhaut zu bekommen und sich damit Gutes zu tun.

Der dreieinhalbstündige Heimflug von Amman naht. Ein Schlenker rauf nach Jerash (Gerasa) geht noch. Dieses Pompeji des Ostens ist ein Highlight aus längst vergangenen Tagen mit Triumphbogen, Hippodrom, Theater, Säulenstraßen mit einst mehr als tausend wuchtigen Säulen und 1.800 Jahre altem Kanalsystem, Artemis-Tempel oder dem Nymphäum, einer gewaltigen Brunnenanlage. Tausende Dokumente einer reichen Geschichte säumen das weite, vor Jahrhunderten verlassene Areal, in dem große Bereiche erst ihrer Freilegung harren.

Wie eine Perlenkette.

Raiffeisen Reisen lädt in Zusammenarbeit mit Royal Jordanian ab 31. Jänner zu Acht-Tages-Touren durch Jordanien in das Reich der Nabatäer. Das Besondere daran: Die Highlights zwischen Süd und Nord sind wie eine Perlenkette aneinandergereiht, lassen sich mit minimalen Abstechern oder als bequeme Runde zur beeindruckenden Reise verbinden.

Parallel zum Jordan als Quell des Lebens wartet vor schier endloser Wüste eine touristische Quelle, die mit wachsendem Erfolg sprudelt. Sie lässt uns reich an gewonnenen Eindrücken zurückkehren – und doch auch etwas dankbar dafür, dass der Regen zuhause wieder wie selbstverständlich vom Himmel prasselt.