Die Götterinsel: Echt himmlisch!. Zweimal jährlich Hochgenuss: Im Frühling und im Herbst präsentiert sich Zypern als Garten Eden – vor allem für Wanderer.

Von Udo Sagl. Erstellt am 03. April 2019 (02:05)

Wie das duftet. Einzigartig. Der zarte Wohlgeruch erfüllt den ganzen Hügel und den Olivenhain. „Es ist die Gespensterdolde, die mit diesem Aroma alle betört“, erklärt Wanderführerin Ismini. Und sie zeigt auf ein Gewächs, das den Weg säumt.

Einfach himmlisch, dieser Duft. Er führt – immer der Nase nach – zum „Bad der Aphrodite“. Hier, in einer von dichter Vegetation umgebenen Grotte samt Naturpool, soll sich die griechische Göttin der Liebe und der Schönheit täglich frisch gemacht haben.

Der mystische Ort liegt im Naturschutzgebiet der grünen Halbinsel Akamas im äußersten Westen von Zypern.

Ein dichtes Netz von Pfaden erschließt die idyllische, teilweise noch unberührte Landschaft. Immer mehr Wanderer wissen das zu schätzen.

Eine besonders eindrucksvolle Tour startet im abgelegenen Dorf Inia und bietet atemberaubende Blicke in die tief eingeschnittene Avgas-Schlucht. Sie erinnert ein bisschen an den Grand Canyon, gehört zu den eindrucksvollsten Naturdenkmälern der Insel und mündet in die Lara-Bucht.

Der kilometerlange, feinsandige Küstenstreifen ist fast menschenleer und ein ideales Brutgebiet der unechten Karettschildkröte. Dutzende Jungtiere kommen hier jährlich zur Welt.

Weiter südlich, zwischen Paphos und Limassol, befindet sich ein anderer, ein ganz besonderer Geburtsort. Der Felsen der Aphrodite, dort wo die schöne Göttin einst dem Schaum des Meeres entstiegen sein soll, ist ein klassisches Postkartenmotiv. Wirklich göttlich wirkt vor allem die bunte Blütenpracht der gesamten Umgebung. Anemonen in allen Farben, gelbe Margeriten und Ginster im Überfluss – das ist Zypern im Frühling. Da präsentiert sich die „Insel der Götter“ als Garten Eden.

Den schönsten Teil von diesem Paradies findet man im Hinterland, in den Bergen rund um den 1.951 Meter hohen Olympos. Er ist monatelang von Schnee bedeckt und eignet sich sogar zum Skifahren. Doch das Troodos-Gebirge hat auch sanfte Hügel, dichte Wälder und urige Dörfer zu bieten.

Oben Schnee und unten die bunte Blütenpracht

„Hier ist das eigentliche Herz der Insel, eine himmlische Gegend“, schwärmt Ismini, die ihre Gäste mit Begeisterung zu persönlichen Lieblingsplätzen geleitet. Dazu gehören die rauschenden Kaledonia-Wasserfälle, der leicht besteigbare Madari-Gipfel und zwei eigentümliche Scheunendachkirchen, die unter UNESCO-Schutz stehen.

Nach der Wanderung stärkt man sich mit einem Mezze-Essen in einer gemütlichen Taverne. Mezze, das heißt, es kommt alles auf den Tisch, was die heimische, sehr griechisch geprägte Küche auszeichnet. Dazu mundet der köstliche Verigo-Wein, der so heißt, weil ihn einst die Engländer für „very good“ befunden haben.

Im Herbst, wenn der Wein geerntet wird, ist die zweite Hochsaison für Wanderer. Dann kann man die herrlich süßen Trauben naschen. Und die zweite Blütenpracht des Jahres steht ins Haus: Ab Oktober schmückt die meterhohe weiße Meereszwiebel das ganze Land. Echt himmlisch!