Edelweiß: Hautpflege und Medizinhoffnung. Früher war das Edelweiß Volksmedizin, seit einigen Jahren wird es in Kosmetika eingesetzt, jetzt testet die Forschung auch das Wirkungspotenzial der Inhaltsstoffe der „Arzneipflanze des Jahres“.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 30. April 2019 (01:05)
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Das Edelweiß ist streng geschützt. Wegen seiner Inhaltsstoffe ist es auch für die Kosmetik und Pharmazie interessant.
pixelio.de/ Otto Prost

Einst war das Edelweiß in der Volksmedizin als „Bauchweh-Bleaml“ beliebt. Die Sammlung gestaltete sich aber schwierig, denn sein ursprünglicher Lebensraum liegt im Hochgebirge auf 1.500 bis 3.000 Metern Seehöhe. Auch Bergsteiger bekommen es nur selten zu Gesicht. Die im Gebirge streng geschützte Pflanze gedeiht jedoch durchaus auch in niedrigeren Lagen (siehe unten).

Dort ist es mittlerweile beliebter Schmuck in Steingärten. Aber auch für die Medizin- und Kosmetikbranche ist es als Forschungsobjekt interessant geworden. Von der Herbal Medicinal Products Platform Austria wurde das Edelweiß heuer zur „Arzneipflanze des Jahres“ gekürt.

Antibakteriell, entzündungshemmend, antioxidativ

60 Substanzen isolierten Wissenschaftler in den letzten Jahren. Diese wirken zum Beispiel antibakteriell, entzündungshemmend oder antioxidativ. Ein vielversprechender Stoff aus den Wurzeln des Edelweiß ist Leoligin. „Es wirkt massiv gegen Arterienverkalkung, senkt aber auch den Cholesterinspiegel und verhindert das Ansteigen des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten“, erläutert Pharmazeutin und Wahl-Annabergerin Brigitte Kopp vom Department für Pharmakognosie an der Uni Wien.

Mit den Einsatzmöglichkeiten bei Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße befasst sich David Bernhard von der Medizinischen Fakultät der Kepler-Universität Linz. Er testet die Eignung eines Leoligin-Derivats für eine „Spritze gegen Herzinfarkt“. Beim Edelweiß-Kongress stellte er gerade erste Ergebnisse aus Versuchen mit Ratten vor: Wurde das Derivat bei einem Herzinfarkt eingesetzt, blieb über 20 Prozent mehr Pump- Effizienz des Herzens erhalten.

„Es wirkt gegen Arterienver kalkung, senkt aber auch den Cholesterinspiegel.“ Brigitte Kopp, Uni Wien, über das Edelweiß

„Fünf Jahre wird es wohl noch dauern, bis diese Substanzen eingesetzt werden dürfen“, schätzt Bernhard. Auch erste Hinweise für ein neues Antibiotikum gibt es. Martina Oberhofer (Uni Wien) präsentierte beim Kongress eine Substanz, die gegen Pilze und Bakterien wirksam ist.

In der Kosmetik dürfen einzelne Wirkstoffe schon angewendet werden. Studien bestätigen den Anti-Aging-Effekt und Effekte auf hornbildende Zellen der Haut. Die Firma Styx Naturcosmetic aus Ober- Grafendorf hat seit über zwei Jahren die Linie Alpin Derm im Programm. „In unserem Forschungslabor haben wir den alpinen Heilkräuterkomplex mit Edelweiß, Enzian, Heublume, Steinklee und Schafgarbe kreiert, um trockene und hypersensible Haut zu pflegen“, erklärt Unternehmer Wolfgang Stix. Warum es wirkt? Michaela Stix: „Das Edelweiß hat gelernt, sich gegen die Sonne zu schützen, und produziert reparierende Wirkstoffe, die die Haut robust gegen Umwelteinflüsse machen.“