Entscheiden, was sein soll. Viele Menschen wollen am Ende ihres Lebens nicht unter allen Umständen am Leben erhalten werden. Was man will, kann man mit einer Patientenverfügung festlegen.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 11. September 2019 (05:44)
: NÖN
Die Patientenverfügung bietet die Möglichkeit, Wünsche zu äußern, etwa dazu, welche Behandlungen man künftig ablehnt.

„Vorausschauend zu planen, für eine Zeit, in der man vielleicht nicht mehr entscheidungsfähig ist, sich nicht mehr ausdrücken kann, ist wichtig für Betroffene und Angehörige“, betont Waltraud Klasnic, Vorsitzende des Dachverbands Hospiz Österreich. Möglichkeiten dazu gibt es in Österreich mehrere. Wie etwa den Vorsorgedialog, die Vorsorgevollmacht oder aber auch die Patientenverfügung.

Im Rahmen einer Patientenverfügung kann man beschreiben, welche Behandlungen man später einmal nicht möchte. „Ich kann selbst bestimmen“, so Klasnic. Viele wollen etwa keine lebenserhaltenden Maßnahmen, keine künstliche Ernährung. Oft geht es darum, in Würde zu sterben und nicht länger leiden zu müssen, obwohl die Situation aussichtslos ist. Bei den Patientenverfügungen, die von der NÖ Patientenanwaltschaft 2017 errichtet wurden, waren das etwa die Hauptgründe.

Informationen rund um die Patientenverfügung bietet ein neuer Ratgeber von Dachverband Hospiz und den Patientenanwälten.

Zunächst braucht man eine Beratung bei einem Arzt. Zum Beispiel kann man sich an den Hausarzt wenden. Ein ärztliches Aufklärungsgespräch ist wichtig, um zu erfahren, welche Behandlungen überhaupt ein Problem werden könnten. Viele Menschen haben schon erlebt, wie Angehörige oder Freunde lange Zeit krank waren, in dieser Zeit etwa „an Schläuchen gehängt sind“. Eine Situation, die man selbst nicht will.

„Dahinter steht die Angst vor Schmerz, die Angst vor mangelnder Selbstbestimmung und vor mangelnder Autonomie“, so die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz. Vielleicht ist es aber so, dass man mit der eigenen Krankheit gar nicht in diese Situation kommen kann. Das kann nur ein Arzt sagen. Genauso kann es sein, dass man zwar eine künstliche Ernährung braucht, diese aber nur vorübergehend. Um solche Details nachzufragen, braucht es eine ärztliche Beratung.

Ein Formular für alle

Dann kann man sich entweder bei der Patientenanwaltschaft, einem Erwachsenenschutzverein, einem Notar oder einem Rechtsanwalt einen Termin für die Errichtung einer Patientenverfügung ausmachen. Tipp: Bei der NÖ Patientenanwaltschaft ist das kostenfrei. Hier wird das Formular unterzeichnet.

Apropos Formular: „Es ist uns gelungen, ein Formular zu entwickeln“, freut sich NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger. Und nicht mehrere, wie es in anderen Ländern der Fall ist. Und das trotz zahlreicher Partner, wie unter anderem Patientenanwälten, Apothekerkammer, Ärztekammer, Sozialministerium, Caritas, Diakonie, Hospiz Österreich, Notariatskammer, Rechtsanwaltskammer, NÖ Landesverein für Erwachsenenschutz und Rotes Kreuz.

Gültig für acht Jahre

Die Patientenverfügung gilt – das ist seit der Novelle 2018 neu – für acht Jahre. Danach kann man sie verlängern lassen. Dazu gibt es ein verkürztes Formular.

Die Patientenverfügungen können in verschiedenen Registern eingetragen werden. In der Geldbörse kann man eine Hinweiskarte mit sich tragen, auf der der Wunsch vermerkt ist.

Es ginge aber auch anders. Denn: Rechtlich wäre schon eine Applikation für die Patientenverfügung in der elektronischen Gesundheitsakte ELGA möglich. Allerdings gebe es weder ein Projekt noch eine Finanzierung, so Bachinger. Daher: „Ein dringender Wunsch der Hospiz und Patientenanwaltschaft ist es, das, was im Gesetz vorgesehen ist, auch umgesetzt wird.“

Das Formular, den Ratgeber, Infos und die Hinweiskarte gibt es online auf: www.patientenanwalt.com; 02742/9005-15575