Der anspruchsvolle Majoran

Erstellt am 31. März 2022 | 14:37
Lesezeit: 3 Min
Kolumne Max Stiegl "So schmeckt das Burgenland"
Foto: BVZ
Die Fotografin Inge Prader, der Koch Max Stiegl und der Autor Tobias Müller haben sich auf den Weg gemacht und Menschen von Norden bis Süden, besucht, haben mit den Kästnklaubern im Mittelburgenland Kastanien gesammelt und auf dem Leithagebirge Kirschen gebrockt. Sie haben mit den Menschen unterwegs gekocht und gegessen. Dabei ist das Koch- und Reisebuch „Wie schmeckt das Burgenland“ entstanden. Mehr dazu erfahren Sie in der wöchentlichen Kolumne „Schmeck’s mit Max Stiegl“:

Kaum etwas prägt den Geschmack des Burgenlands so sehr wie der Majoran. Sein unverwechselbares, ein wenig mediterranes Aroma würzt alles von Brat-, Leber-, Blut- oder Presswürsten bis hin zu Suppen, geschmorten Hühnern, Knödeln und Bohnen.
Neusiedl am See war einst der einzige Ort in Österreich, wo Majoran angebaut wurde. Auf den sogenannten Salatgründen im Schwemmland des Neusiedler Sees waren die Bedingungen für ihn ideal. Majoran ist nämlich ein anspruchsvolles Kraut. Er will es ständig feucht haben, gleichzeitig aber reichlich von der Sonne beschienen werden, und weil er erst nach sechs bis acht Wochen zart keimt, braucht es viel Geduld beim Unkrautjäten. Zu tief darf man ihn nicht säen, sonst schafft er es nicht aus der Erde, zu weit oben dürfen die Samen aber auch nicht liegen, sonst werden sie vom Wind verblasen oder von Vögeln gefressen.
Der Majoran wurde im Frühling zwischen den Häupteln ausgesät und im August geerntet – oder „g’rafft“, wie das beim Majoran hieß. Danach wurde er gebündelt zum Trocknen auf dem Boden ausgebreitet, mit den Füßen getreten und schließlich gesiebt.
Der Großteil der Ernte wurde von Händlern aus der Nachbargemeinde Parndorf aufgekauft. Diese zogen mit Säcken getrockneten Majorans durch die Dörfer und Wirtshäuser – bis in die Steiermark und nach Wien. Verkauft wurde der Neusiedler Majoran nicht nach Gewicht, sondern nach Hohlmaß.
Auf den Geschmack gekommen? Die BVZ verlost das neue Kochbuch von Max Stiegl „Wie schmeckt das Burgenland?“. 

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