Erstellt am 15. Mai 2018, 04:50

von Christine Haiderer

Gesundheitssystem braucht alle Berufe. Für die Versorgung der Patienten sind Ärzte, Pflege und viele mehr in Zusammenarbeit gefragt.

Für ein funktionierendes Gesundheitssystem spielen viele Gesundheitsberufe eine Rolle. Nicht immer aber stehen genug Arbeitskräfte zur Verfügung.  |  Stokkete/Shutterstock.com

Bei einem Schlaganfall muss es schnell gehen. Nur viereinhalb Stunden bleiben Zeit. Von den ersten Symptomen bis zur Therapie. Da ist es wichtig, dass das Rettungspersonal gleich erkennt, ob es sich um einen Schlaganfall handeln kann – dann muss der Patient in eine Stroke Unit (eine Schlaganfall-Station) – oder nicht –, dann kommt er in ein regionales Krankenhaus.

Im Krankenhaus wird der Patient untersucht und behandelt. Bei der Lysetherapie soll das Gerinnsel durch ein Medikament aufgelöst werden. Sind die Symptome schwerer, wird zudem bei einer mechanischen Thrombektomie mittels Katheter der Thrombus entfernt. Kann das nicht im gleichen Spital gemacht werden, ist ein weiterer Transport nötig.

Und: Eine frühe Rehabilitation ist wichtig … „Unser Ziel muss es sein, in möglichst kurzer Zeit aktiv werden zu können“, erläutert Alexander Tinchon von der Neurologie am Uniklinikum St. Pölten beim 8. Tag der Gesundheitsberufe in St. Pölten. Wesentlich dabei sind ausreichend viele Thrombektomie-Zentren und die Zusammenarbeit von verschiedenen Berufsgruppen. Da reicht es nicht, wenn etwa bei der Untersuchung nur ein Arzt anwesend ist. Es braucht auch ein radiologisch-technisches Team.

„Auf der einen Seite gibt es eine große Nachfrage an Ärzten, Pflegekräften und 24-Stunden-Betreuern. Auf der anderen Seite wissen wir, dass es Engpässe gibt“, so Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Diese reichen von schwer nachzubesetzenden Landarztpraxen über offene Stellen in der Pflege bis hin zu fehlenden Bewerbern bei den Pflegeschulen.

Mehr Qualität und Qualifikation

Gerda Schilcher, Vizepräsidentin der AK Niederösterreich, glaubt, dass Bund und Länder an der Kostenschraube drehen wollen und versuchen, die Pflege billiger zu machen. Aber: „Eine alternde Gesellschaft braucht genau das Gegenteil: eine Qualitätsoffensive, eine bessere Personalausstattung und mehr qualifizierte Pflege- und Gesundheitsberufe.“

Ronald Gallob, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte der Ärztekammer für NÖ, betont: „Man kann sich die Medizin nicht ersparen!“ Aber die Frage ist, ob man sich das hoch entwickelte Versorgungs- und Betreuungssystem auch in Zukunft leisten will. „Es ist nicht ein Personalproblem. Es ist ein Finanzproblem.“ Die Arbeitgeber hätten Verständnis.

Laut Gesundheitssatellitenkonto sollte Gesundheit nicht nur als Kostenfaktor, sondern die Gesundheitswirtschaft als Wachstumsmotor gesehen werden. Der Studie von IHS und Wirtschaftskammer zufolge arbeitet jeder siebente Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft. Und: „11 Prozent der Wertschöpfung entstehen in diesem Bereich“, fasst Bernhard Rupp von der AK Niederösterreich zusammen. Der AMS Report 127 geht weiters davon aus, dass das Gesundheits- und Sozialwesen den größten Anteil am Beschäftigungswachstum bis 2020 haben wird. „Es werden Jobs geschaffen“, so Rupp, „was aber nicht bedeutet, dass sie attraktiv sind.“

"Wir müssen an einem Strang ziehen"

Woran das liegt? Unter anderem wird die Arbeit immer mehr. Und: „Das geringe Arbeitsverdichtungspotenzial ist bereits ausgeschöpft.“ Dann ist die Gefahr groß, dass die Arbeit auf andere Berufsgruppen abgewälzt wird. Daher: „Wir müssen an einem Strang ziehen“, so Schilcher. Gemeint ist, dass die verschiedenen Vertreter von Gesundheitsberufen, so wie es die Ärztekammer und die Arbeiterkammer beim Tag der Gesundheitsberufe tun, noch mehr zusammenarbeiten. Ziel ist es, bei den Entscheidungen von Bund, Ländern und Sozialversicherungen miteinbezogen zu werden.

Bei der Auswahl des Berufs ebenfalls wichtig ist die geänderte Vorstellung von Beruf und Familie bei jungen Ärzten wie auch Nichtärzten. Nachtdienste lassen sich mit der Work-Life-Balance schwer vereinbaren.

Dazu kommt, dass vielen oft lange nicht bewusst ist, was die Praxis wirklich bedeutet. „Nach dem Praktikum sind viele ernüchtert“, so Rupp. Weitere Probleme sind fehlende Karrieremodelle, das oft unklare Berufsprofil sowie verschiedene Miniqualifikationen.

Wer welche Ausbildung hat, das verrät in Zukunft das Register für Gesundheitsberufe. Ab 1. Juli können sich Diätologen, Ergotherapeuten, Radiologietechnologen und einige weitere Berufe bei Arbeiterkammer und Gesundheit Österreich GmbH eintragen, um weiterarbeiten zu dürfen. Patienten werden sich dann künftig online über Ausbildungen usw. informieren können.