Feuchtigkeit im Keller? Dauerlüften kann auch schaden. "Die Umweltberatung" empfiehlt, feuchte Kellerräume im Sommer nicht dauernd zu lüften.

Von Redaktion noen.at und Redaktion bvz.at. Erstellt am 13. September 2019 (04:36)
Sabine Vogel, Die Umweltberatung

Dass Schimmel auch in der warmen Sommerzeit wachsen kann, ist vielen nicht bewusst. Keller- und Souterrainräume, aber mitunter auch gut wärmegedämmte Gebäude können davon betroffen sein. Dauerlüften ist keine Lösung. Bei hoher Luftfeuchtigkeit draußen sollten die Fenster zu bleiben. Eine Lüftungsanlage verschafft Abhilfe. "Die Umweltberatung" gibt im aktualisierten Infoblatt Tipps zur Schimmelvorbeugung: www.umweltberatung.at/schimmel.

In unseren Köpfen ist fix verankert, dass Mauerschimmel im Winter wächst und lüften dagegen hilft. Umso überraschender ist es, wenn während der heißen Sommermonate in kühlen Keller-  und Souterrainräumen oder sogar in gut gedämmten Gebäuden plötzlich Schimmelbefall auftritt und sich durch Dauerlüftung noch verstärkt. Dass durchgehendes Lüften die Feuchte in Kellerräumen reduziert, ist ein Irrglaube. 

„Schimmelpilze benötigen zum Wachstum in erster Linie Feuchtigkeit. Dauerlüften des Kellers im Sommer ist kontraproduktiv, weil die feuchte, warme Außenluft an den kühlen Wänden oder Möbeln kondensiert und damit ideale Bedingungen für Schimmelpilz schafft“, erklärt Sabine Vogel, Energieberaterin von "Die Umweltberatung".

Feuchte Kellerräume im Sommer nicht lüften

An schwülwarmen Tagen und in Tropennächten gilt: nicht lüften! Am besten wird in der Übergangszeit gelüftet, wenn die absolute Luftfeuchte der Außenluft deutlich unter der absoluten Innenluftfeuchte liegt. Das ist meist nachts oder in den frühen Morgenstunden der Fall.

Den richtigen Zeitraum zum Lüften einzuschätzen ist schwierig, denn er ist von der absoluten Luftfeuchtigkeit abhängig. Die absolute Luftfeuchte kann nur mit speziellen Geräten und Sensoren bestimmt werden. Herkömmliche Hygrometer messen die relative Luftfeuchtigkeit, die zu wenig aussagekräftig für den richtigen Zeitpunkt zum Lüften ist. Die sicherste Lösung ist eine technische: Nach Behebung der Feuchteursache kann ein Lüftungssystem installiert werden, das über die absolute Luftfeuchtigkeit gesteuert wird. Auch ein Luftentfeuchter, im Idealfall mit Kanalanschluss, beugt Schimmel vor.

Zur Erklärung der Begriffe: Die absolute Luftfeuchtigkeit ist die Masse des Wasserdampfs in einem bestimmten Luftvolumen und wird in g/m³ angegeben. Verändert sich dieses Volumen durch Temperatur- oder Druckveränderung, ändert sich auch die absolute Menge an Wasserdampf. Die relative Luftfeuchtigkeit wird in Prozent (%) angegeben und gibt Auskunft über den Grad der Wasserdampf-Sättigung der Luft.

So entsteht Sommerkondensation

Die absolute Luftfeuchtigkeit ist im Sommer meist hoch. Bei offenen Fenstern tritt diese feuchtwarme Luft in die kühlen Räume ein. Die kühle Luft kann jedoch weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen als warme Luft, es kommt zur sogenannten Sommerkondensation: Wassertröpfchen bilden sich an den Wänden, Möbeln und gelagerten Gegenständen —  gerade richtig für das Schimmelwachstum. Es genügt eine relative Luftfeuchtigkeit von 70 - 80 Prozent an der Materialoberfläche, damit sich Schimmel bilden kann.

Neubau und Sanierung

Selbst bei gut wärmegedämmten Gebäuden kann im Sommer Schimmelbefall auftreten. Davon sind Wohnungen und Wohnungsteile betroffen, die sich an einem Gewässer, im Wald, in der Au oder in feuchten Tallagen befinden, nach Norden orientiert sind und im Erdgeschoß liegen. Diese ungünstige Kombination aus geringer Sonneneinstrahlung und hoher absoluter Luftfeuchtigkeit begünstigen an feuchtwarmen Sommertagen den Schimmelbefall. Darum sollte auch hier das Dauerlüften vermieden werden.

Vor einer Sanierung ist es wichtig, die Ursache festzustellen, um die passende Sanierungsmaßnahme zu wählen. Die Beurteilung und Umsetzung sollte von einem Fachbetrieb durchgeführt werden. Damit eine Sanierung korrekt umgesetzt wird, ist der Schimmel-Leitfaden des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus zu beachten.