Erstellt am 03. Januar 2019, 05:22

von Michaela Fleck

Ein Löffel in der Hand und ein Ritter am Teller. Für Kinder kochen heute wieder viele. Mit Kindern auch. Und wenn die Kinder lieber selber kochen wollen? Dann brauchen sie die Lilli. Die kocht in Heidi Strobls Kinderkochbuch wie eine Große. Und kann dabei noch manchem Erwachsenen was beibringen über Jahreszeiten, Zutaten und Zubereitung.

Ein paar Scheiben alten Striezel (oder Weißbrot), sieben bis acht Esslöffel Milch, ein Ei, Butter, Zimt und Zucker braucht Lilli für ihre „Armen Ritter“. Und: eine Pfanne und 15 Minuten Zeit. Warum die denn dann „arme Ritter“ heißen? Weil sich früher „die armen Leute wohl statt Schnitzel Brot herausgebacken haben“, schreibt Heidi Strobl.  |  Tyrolia-Verlag/Birgitta Heiskel

„Was man auf jeden Fall braucht? Ein Palatschinken-Rezept. Und meine Standard-Topfennockerln. Und gerade im Winter die Hühnersuppe. Und natürlich diese Rüben-Limo …“

Lieblingsrezept hat sie keines. Oder: nicht nur eines. Schließlich schreibt Heidi Strobl, Kulinarik-Journalistin vor allem im Freizeit-Kurier, schon seit mittlerweile 13 Jahren jede Woche ein Rezept. Oder eine Geschichte. Rund ums Essen und ums Trinken. 110 davon hat die in einem Wiener Wirtshaus aufgewachsene Autorin, die nebenbei noch die Äcker ihres Weinviertler Großvaters bewirtschaftet, in einem Kochbuch versammelt.

Einen Paradeiser-Hut mit Mayonnaise-Punkten haben die Neujahrs-Schwammerl (oben), die schon Heidi Strobls Mutter gemacht hat. Und die man locker auch noch nach Neujahr und erst recht im Fasching essen kann. Lilli hat sie in einer halben Stunde fertig.  |  Tyrolia-Verlag/Birgitta Heiskel

„Lilli kocht“ heißt das (wie die gleichnamige Zeitungsserie). Und beweist, dass Kochen im wahrsten Wortsinn kinderleicht ist. „Ich hab ja keine Tochter, sondern einen Sohn“, erzählt Heidi Strobl. Und der war damals sechs, „als die Lilli entstanden ist“.

„Nur wer weiß, wie man Erdäpfel kocht, weiß, wie sie schmecken.“ Heidi Strobl, Journalistin und Autorin mit Weinviertler Wurzeln

Seither hat sich viel getan. Aber: Kinderkochbücher gäbe es noch immer so gut wie keine. Dafür „ganz banale Fragen, von denen auch die Erwachsenen aus meinem Freundeskreis oft sagen, das wissen sie noch nicht“.

Für die Großen wie für die Kleinen erklärt die Wirtshaustochter also nicht nur, wie man Hühnersuppe macht, wie man Fische verpackt, wie man Waffeln bäckt, wie man Wiesenbrötchen schmiert, welche Blüten man essen kann oder wie man Sushireis kocht. Sondern auch, wie man Sprossen und Erdäpfel zieht, woher die Milch kommt, was Schweinsohren sind oder wie man aus Äpfeln ein Haus baut. Und eben wie man aus Rüben Limonade macht.

Noch weniger, nämlich nur 25 Minuten, braucht Lilli für ihre Blätterteig-Schnecken. Die sind mit Schinken und Käse gefüllt. Und kommen bei 200 Grad in den Ofen.  |  Tyrolia-Verlag/Birgitta Heiskel

Wer das einmal gemacht hat, der „hat auch gelernt, wo der Zucker herkommt“. Ist sich Heidi Strobl sicher. Und der hat auch „die Basis der Ernährung“ mitbekommen. Das war ihr am wichtigsten. „Mein Untertitel (auch in der Zeitung) ist ja schon seit Jahren: Vom Acker bis zum Kochtopf!“ Und bei ihr sei es selbst für ihren Sohn selbstverständlich, „dass die Äpfel vom eigenen Baum und die Eier von den eigenen Hühnern kommen“.

„Lilli kocht – Ein Jahreszeitenkochbuch für Kinder“, Heidi Strobl und Birgitta Heiskel, Tyrolia-Verlag, 138 Seiten, 17,95 Euro  |  Tyrolia-Verlag/Birgitta Heiskel

Für ihre „Lilli“, die im Kochbuch zwölf ist, in einem Haus mit Garten lebt, am liebsten fünf Portionen Topfennockerln isst und später einmal Gärtnerin werden will, ist das spätestens nach den ersten paar Rezepten klar. Die sind nicht nur schön und praktisch nach Jahreszeiten gegliedert und wissen auch, was man dem Osterhasen serviert und womit man das neue Jahr begrüßt. Die sind auch noch ganz einfach, ganz bunt und ganz liebevoll von Birgitta Heiskel illustriert.

Und wann kommt das zweite Kinderkochbuch? „Das ist tatsächlich schon in Planung“, verrät Heidi Strobl. Rezepte gäbe es auf jeden Fall genug. Und die sollen sich auch weiterhin mit Herkunft und Vielfalt beschäftigen. „Vielleicht wird es auch noch mehr um den Garten gehen und was man aus der Natur essen kann …“

Zum Buch:

„Lilli kocht – Ein Jahreszeitenkochbuch für Kinder“, Heidi Strobl und Birgitta Heiskel, Tyrolia-Verlag, 138 Seiten, 17,95 Euro