Wie verändert Corona unserer Gesellschaft?

Abstand halten, Maske tragen und Kontakt vermeiden: Wie wirkt sich die Viruskrise auf unsere Gesellschaft aus? Wie verändert sich unser Zusammenleben? Was sind die sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Corona? „Die Pandemie erschwert die Jobsuche enorm“, so Studentin Fiona Dedei.

Erstellt am 13. Januar 2022 | 17:57
Lesezeit: 6 Min
Corona und Familie
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Familien und Partnerschaft

Schulen und Kitas sind geschlossen, Eltern haben Homeoffice– alle Familienmitglieder sind zu Hause. Die Corona Krise hat auch das Geschlechterverhältnis in der Pflegearbeit verändert. Ist der Vater in der Pandemie jetzt mehr in der Hausarbeit tätig? Oder wird es zu einer Re-Tradition der 

Geschlechterrollen und zur Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen führen?

Eine Studie der Universität Wien untersuchte die Arbeitsteilung zwischen Männer und Frauen in der Corona Krise in Österreich. Sie zeigte, dass meistens Väter und Mütter mit Kindern in ihren Familien unterschiedliche Aufgaben haben. Dabei übernehmen Väter oftmals die Rolle der Ernährung, indem sie Vollzeit arbeiten. Hingegen reduzieren Mütter ihre Erwerbstätigkeit meistens nach der Geburt auf Teilzeit. Der Großteil der Hausarbeit wird ebenfalls von Ihnen übernommen sowie die Kinderbetreuung. So zeigt Statistik Austria 2019, dass nur knapp die Hälfte der Paare mit Kindern unter 15 Jahren lebt nach dem Modell Mann Vollzeit/Frau Teilzeit (46%). Bei weiteren 28% der Paare ist nur der Mann erwerbstätig. Bei insgesamt drei Viertel der Familien ist die Rollenaufteilung daher (eher) traditionell geprägt. Eine wesentliche Frage hierbei jetzt ist, ob sich die Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung in der Corona-Krise verändert hat.  Die Studie zeigte, dass es einen Anstieg bei der Zeit, die für Hausarbeit aufgewendet wird, gab. Denn 16% der Frauen und 9% der Männer geben an, dass sie mehr Zeit für Hausarbeit aufwenden. Im Vergleich zur Hausarbeit hat sich der Zeitaufwand der Kinderbetreuung enorm erhöht.  Laut den Ergebnissen hat sich die geschlechtsspezifischen Zuständigkeiten für die Kinderbetreuung in der Corona Krise verstärkt. Die Schließung von Kindergärten und Schulen hat dazu geführt, dass 47% der Frauen und 29% der Männer wenden nun viel mehr Zeit für diese Tätigkeiten der Kinderbetreuung an. Auffällig ist, dass auch Väter mehr Zeit mit ihren Kindern in der Corona-Krise verbringen. Jedoch übernehmen Mütter trotzdem den Hauptteil.

Zu beachten ist auch, dass unter Eltern im Homeoffice die Kinderbetreuungszeit stärker angestiegen als unter jenen, die außer Haus arbeiten. Besonders Väter im Homeoffice schildern, dass sie zu 90% von einer Ausweitung der Kinderbetreuungszeit betroffen sind. Doch die Reduktion der Arbeitszeit betraf Mütter insgesamt stärker als Väter. Denn Mütter waren bereits vor der Krise in der Haushaltsführung tätig und es kann auch davon ausgegangen werden, dass sie auch schon vor der Krise viel Zeit mit Kinderbetreuung verbrachten. Bemerkenswert ist, dass Mütter, die in der Corona-Krise Vollzeit arbeiteten, doppelt so häufig (63%) viel mehr Zeit mit Kinderbetreuung verbringen als Väter (30%). Dies weist darauf hin, dass Mütter sich stärker an Familienerfordernisse anpassen, obwohl sie demselben hohen Erwerbsausmaß wie Väter ausgesetzt sind.  Zusammenfassend kann bestätigt werden, dass die Arbeitsteilung in Familien mit Kindern in der Corona-Krise noch traditioneller geworden ist.

Gewalt gegen Frauen? - so stark wie noch nie zuvor?

Doch die Kinderbetreuung ist nicht, dass einzige Problem, was die Corona Krise mit sich bringt. Laut einem Beitrag der tum.de hat die Coronavirus-Pandemie auch Auswirkungen auf die Sicherheit von Frauen und Kindern zu Hause.  Seit der ersten Phase der Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben sich die Vorfälle häuslicher Gewalt zugenommen. Die Dunkelziffer kann deutlich höher sein als die der Polizei bekannte Zahl. Die Noe Orf berichtet, dass im Jahr 2021 in Niederösterreich rund 2.100 Betretungs- und Annäherungsverbote verhängt wurden. Von Februar bis April ist die Zahl der Betretungs- und Annäherungsverbote um mehr als 20 Prozent gestiegen ist. Es wird im vierten Lockdown mit einem Anstieg dieser Zahlen gerechnet. „Die Zahlen zeigen eindeutig, dass die Corona Krise zu einer Häufung geführt hat und dass Lockdown Zeiten besonders kritische Zeiten sind“, sagte Christiane Teschl-Hofmeister. „Gerade jetzt müssen wir deutlich machen: Es gibt Hilfe in Niederösterreich und niemand muss in einer Gewaltbeziehung bleiben. Es kann jeder Hilfe anfordern und Hilfe finden.“ Die zuständige Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig rechnet, dass es erst nach Ende des Lockdowns mit erhöhtem Bedarf der Frauenhäuser geben wird: „Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown zeigen, dass die Zahlen erst steigen, wenn der Lockdown aus ist. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass man in besonders unsicheren Zeiten diesen Schritt nicht wagt.“ Derzeit sind 70 Prozent der Zimmer in den Frauenhäusern belegt. Frauen, die Schutz brauchen, werden ihn immer bekommen, betont Königsberger-Ludwig. Ein Bericht der Krone zeigte, dass oft Finanzielle Abhängigkeit der Grund sei, warum Frauen in der Gewaltbeziehung bleiben. Somit startet Niederösterreich mit Dezember ein Projekt: „Mit den “Geld-Heldinnen„ Mit diesem soll das Finanzwissen von Frauen nachhaltig verbessert werden, indem entsprechende Bildungsangebote umgesetzt werden.

Jobsuche in einer Pandemie? - Wirtschaftliche Folgen der Corona Krise 

Der Wirtschaftsbericht des Land Niederösterreich zeigte, dass im Jahr 2020 die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Eindämmungsmaßnahmen das Wirtschaftsgeschehen massiv beeinträchtigt haben, wodurch die internationale und nationale Konjunktur stark eingebrochen sind.  Jedoch hat sich durch die Corona-Krise aber ein Strukturwandel veranlasst. Dabei sind Digitalisierung, Homeoffice und Online-Handel stark in den Fokus gerückt. Das Land Niederösterreich hat Unternehmen in dieser fordernden Zeit unterstützt, indem sie digitale Lösungen forcierten und somit neue Innovations- und Zukunftsaussichten ermöglichen. Die Bruttowertschöpfung ging in den konsum- nahen Sektoren erneut zurück, weil Ausgangssperren, Reise- und Kontaktbeschränkungen eingeführt wurden. Die Erholung in weniger kontaktintensiven produzierenden Gewerbe setzte sich jedoch fort.  Der Bericht zeigt, dass die Wirtschaft im Gesamtjahr 2020 in Niederösterreich um 6,5 % zurückgegangen gegangen ist. Doch was bedeuten diese Schwankungen für den aktuellen niederösterreichischen Arbeitsmarkt? Die Noe.gv hat den Arbeitsmarkt Dezember 2021 analysiert und kam zu folgenden Ergebnissen. Ende Dezember 2021 waren insgesamt 55.003 Personen arbeitslos vorgemerkt waren. Niederösterreich hat somit die absolut größte Stagnation der Arbeitslosigkeit aller Bundesländer (-5.636). Die Ots berichtet, dass wenn man die Arbeitslosigkeit  nach Branchen betrachtet, gab es die stärksten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr aufgrund des zweiten Lockdowns im Handel (+2.308), in der Beherbergung und Gastronomie (+1.998), im Bereich Gebäudereinigung und der Arbeitskräfteüberlassung (insgesamt 1.126) sowie in der Warenherstellung (+1.054). 

Corona stellt große Herausforderungen für junge Menschen dar, nicht nur bei ihrer Ausbildung, sondern auch bei der Jobsuche. Laut einer Umfrage von Österreicher HochschülerInnenschaft und Arbeiterkammer waren mehr als ein Drittel der Studenten in der Pandemie entweder von Einkommensverlusten, Arbeitslosigkeit bzw. Jobverlust, Kurzarbeit oder einer anderweitigen Verringerung der Arbeitszeit betroffen. (bzw. mehreren dieser Faktoren gleichzeitig).  Insgesamt tut sich ein Fünftel der Studenten derzeit mit laufenden Ausgaben schwer. Ihre finanzielle Lage als "mittel“ bezeichneten 35 Prozent der Studenten. Von 30 Prozent der Studenten hat sich die Finanzsituation durch die Pandemie verschlechtert. Fiona Dedei 21 Jahre alt, berichtet von ihren eigenen Erfahrungen der Jobsuche in der Corona Pandemie:

 „Ich habe seit Beginn der Corona Pandemie diverse Jobs gemacht und in den verschiedensten Bereichen gearbeitet.  Die Pandemie erschwert die Suche nach Jobs enorm. Beginn der Pandemie war ich als Security tätig und habe zusätzlich noch in einem Call Center gearbeitet. Durch den Lockdown habe ich den Job als Security verloren und alle Mitarbeiter des Call Centers sind ins Homeoffice gekommen. Leider hatte ich technische Probleme beim Homeoffice und konnte den Job somit auch nicht weiterführen.  Danach habe ich versucht einen neuen Job zu finden. Erst nach dem Lockdown geling es mir einen Job zu finden. Ich begann bei einer Werbeagentur im Veranstaltungsbereich. Durch die steigenden Zahlen und einen erneuten Lockdown bin ich jetzt nur noch geringfügig angemeldet. Im Sommer 2021 habe einen zusätzlichen Job gesucht und habe angefangen in der Nacht Gastronomie zu arbeiten. Durch einen wiederholten Lockdown bin ich dort jetzt in Kurzarbeit angemeldet. Ich hoffe einfach, dass alles wieder aufsperren kann und dass wir wieder arbeiten können.“