Österreichische Bundesforste: Hüter des Waldes und der Seen 

Erstellt am 19. Juli 2022 | 06:25
Lesezeit: 5 Min
Symbolbild Bundesforste
Symbolbild Bundesforste
Foto: Lukeneder
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer in Österreich für die Wälder zuständig ist? Und worin besteht der Sinn vom Schutz unserer Wälder und der Bewirtschaftung dieser Waldflächen? Ist unser Wald durch den Klimawandel in Gefahr? Wissenschaftler Alexander Lukeneder liefert eine Erklärung… 

Die Österreichischen Bundesforste, kurz ÖBF, sind ein Naturunternehmen und betreuen jeden zehnten Quadratmeter des Landes. Als solches pflegen, schützen und bewirtschaften die Bundesforste natürliche Ressourcen Österreichs. Dazu zählen Wälder, Berge und auch Seen. Viele Leute wissen ja gar nicht, dass auch Seen wie Attersee, Mondsee oder Traunsee von den Österreichischen Bundesforsten betreut werden.

Im Sinne des Nachhaltigkeits-Prinzips wird dabei nur so viel entnommen, wie auch wieder nachwächst – sei es beim Baumbestand in den Wäldern oder beim Fischbestand in den unzähligen Seen. Wie steht es im österreichischen Forstgesetz in §1, Absatz 1 unter dem Titel „Nachhaltigkeit“ so schön geschrieben: Der Wald bildet eine wesentliche Grundlage für die ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung Österreichs.  

An die 1000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Österreichischen Bundesforste AG betreuen insgesamt 850 000 Hektar Fläche, wovon 510 000 Hektar auf Waldfläche entfallen. Dieses gewaltige Gebiet wird quer durch Österreich durch 15 Betriebe organisiert. 12 Forstbetrieben stehen dabei 2 Nationalparkbetriebe und 1 Forsttechnikbetrieb gegenüber. Auf diese Weise werden 120 Forstreviere und über 1000 Jagdgebiete mit einer Fläche von rund 840 000 Hektar betreut.

In den von den ÖBF verwalteten Seen finden sich circa 550 Fischereireviere. Für mich persönlich ist es im Übrigen amüsant, dass mich mein Weg in die Arbeit, also in das Naturhistorischen Museum in Wien, und nach Hause zweimal täglich an der Firmenzentrale der ÖBF in Purkersdof im wunderschönen Wienerwald vorbeiführt. 

Der Wald besticht ja generell durch seine unterschiedlichsten Funktionen, die alle dem Menschen zu Gute kommen: die Versorgung mit Holz (Nutzwirkung), der Schutz vor etwaigen Naturgefahren (Schutzwirkung), die Produktion von gesunder Luft und sauberem Wasser (Wohlfahrtswirkung) und natürlich seine Funktion als zugänglicher Raum für Freizeitgestaltung (Erholungswirkung). 

Die Bundesforste selbst sind wichtiger Förderer der Forschung in Österreich. In Kooperation mit kompetenten Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft werden hierbei praxisrelevante Forschungsaufgaben in klar definierten Themenbereichen behandelt. Meist handelt es sich naturgemäß um Themengebiete, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Unternehmensgegenstand stehen, wie eben Themen über Prozesse in unseren Wäldern und Seen. Dabei können die Bundesforste entweder als Auftraggeber oder als Projektpartner auftreten. 

Die ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Verantwortung der Bundesforste im Sinne der Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in den einzelnen Forschungsschwerpunkten wider. Derzeitige Themenschwerpunkte sind beispielsweise Biodiversität und Naturraummanagement, Fernerkundung, Holzbereitstellung und Vermarktung, Waldwachstum, Fische und Gewässer, Wildtier und Lebensraum, aber auch topaktuelle und brisante Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit. Koordiniert werden die bundesforstlichen Forschungsaktivitäten im Servicefeld Forschung und Entwicklung. 

Persönliche Zusammenarbeit und Wissenschaft 

Ich habe auf meinen paläontologischen Forschungsreisen und Grabungen ja immer wieder mit den Österreichischen Bundesforsten zu tun. Die Zusammenarbeit war immer hervorragend und ich bekam stets volle Unterstützung. Bei meinen Anliegen geht es zum einen um Fahrbewilligungen für Forststraßen, zum anderen um die Erlaubnis, weiterhin Untersuchungen und Grabungen auf Flächen der Bundesforste durchführen zu dürfen. Eines meiner Zielgebiete in den Österreichischen Alpen war beispielsweise das Gebiet zwischen Traunsee und Attersee in Oberösterreich.

Was sich auf den ersten Blick so malerisch anhört, ist in Wahrheit harte und schweißtreibende Arbeit im gebirgigen Gelände – nicht etwa schwimmen zu gehen und in der Sonne zu liegen! Von Letzterer hat man nach zwei Wochen Grabung wahrlich genug, Sonnenstich inbegriffen. In diesem Gebiet also hatte ich das Vergnügen, gleich mit mehreren Revierleitern der Bundesforste arbeiten zu dürfen.

Martin Wiesauer (Revierleiter Ebensee) und Lukas Pühringer (Revierleiter Neukirchen) waren zwei wichtige Ansprechpartner. Wahrscheinlich hatten die beiden anfänglich Bedenken, was ich denn da so alles machen wolle. Nach Jahren der Zusammenarbeit haben sie aber gesehen, was für tolle Erkenntnisse in Ihren Revieren bis dahin verborgen waren. Im Revier vom Martin gelang es mir, den ersten Pliosaurier-Nachweis in ganz Österreich zu erbringen. Aus dem Revier von Lukas habe ich erst kürzlich den jüngsten Ichthyosaurier Österreichs beschrieben.

Beide Funde wäre ohne die Unterstützung der beiden Revierleiter und somit der Österreichischen Bundesforste nicht möglich gewesen! Daran lässt sich ermessen, wie wichtig die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern wie mir, von BürgerInnen-Wissenschaftlern (Citizen Scientists) – beispielsweise privaten Fossiliensammlern – und öffentlichen Stellen wie den Österreichischen Bundesforsten für die Wissenschaft ist.

Durch meinen Freund und langjährigen Wegbegleiter, den Fossiliensammler Karl Bösendorfer (Pinsdorf), wurde ich auf manche Fundpunkte und Fossilien erst aufmerksam. Nicht zu vergessen bei all diesen Personen ist auch die gute Seele Heidelinde Moser (Sekretariat Forstbetrieb Traun-Innviertel) – stets freundlich und hilfsbereit! Ich danke ausdrücklich den Mitarbeitern des Österreichischen Bundesforste für die langjährige Unterstützung meiner Arbeit und der Forschung im Allgemeinen. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß und gute Erholung in unseren wunderbaren Wäldern und bleiben Sie neugierig. 

WebTipp

https://www.bundesforste.at/ 

https://doi.org/10.1016/j.cretres.2019.104248 

https://doi.org/10.1016/j.cretres.2022.105224