Niederösterreich

Erstellt am 08. Februar 2019, 16:39

von NÖN Redaktion

Jäger bitten um Ruhe für das Wild. Der Landesjagdverband warnt davor das Wild aufzuschrecken. Flucht kann zum Erschöpfungstod führen. Vor allem im Flachland flüchten Wildtiere frühzeitig.

Werden Gämse durch Menschen beunruhigt, flüchten sie und gefährden so sich aber durch Lawinenabgänge auch Menschen.  |  Reiner Bernhardt

Obwohl der schwere Schneefall vorerst zu Ende ist, gibt es nach wie vor keine Entwarnung für die Wildtiere. Daher bittet der Niederösterreichische Landesjagdverband (NÖLJV) die Bevölkerung, jede Beunruhigung von Wildtieren zu vermeiden.

„Der tiefe Schnee sorgt für einen weiterhin hohen Energieverbrauch und enormen Stress. Jede Beunruhigung von Wildtieren kann daher aufgrund der Anstrengung tödlich sein“, so Josef Pröll, Landesjägermeister von Niederösterreich. „Werden wiederkäuende Wildtiere mehrmals oder anhaltend beunruhigt, können sie keine Energie aus der Nahrung ziehen und erleiden im schlimmsten Fall einen langsamen Erschöpfungstod.“ 

Die Tiere versuchen, im Winter ihre Bewegungen zu reduzieren sowie den Stoffwechsel und die Körpertemperatur abzusenken, um dadurch wertvolle Energie zu sparen. Werden sie beunruhigt, so verbrauchen sie mehr Energie, als ihnen zur Verfügung steht. Die Fettreserven der Wildtiere reichen dann nicht aus und sie verenden. 

Lebensraum der Wildtiere auch in Tieflagen respektieren

Aktuell ist der Boden aufgrund der kalten Temperaturen gefroren und auch der Schnee hart. Das verleitet viele Menschen dazu, Felder zu überqueren und querfeldein spazieren zu gehen. Da sie jedoch für Wildtiere aus großer Entfernung sichtbar sind, führt das zu einer Beunruhigung und zur Flucht der Tiere.

„Wir bitten die Bevölkerung, öffentliche Wege nicht zu verlassen, Wälder zu meiden und die Einstände der Wildtiere zu respektieren. Vor allem die Fütterungsstandorte sind wichtige Einstände für die Äsung und für ausreichend Ruhe, die die Tiere unbedingt brauchen“, unterstreicht Pröll. 

Beunruhigung in Gebirgslagen endet oft tödlich

In den letzten Tagen und Wochen wurde auch oft von Skifahrern und Tourengehern berichtet, die
abseits von Pisten in Bergnot gerieten oder Lawinen auslösten. Damit gefährden sie nicht nur Menschen, sondern auch Wildtiere. Insbesondere in höheren Lagen ist Fallwild oft auf Lawinenabgänge zurückzuführen. „Die Beunruhigung kann neben dem Tod der Tiere durch deren Flucht auch zu Lawinenabgängen führen. Der Appell an die Menschen ist daher ganz klar: Schildern und Markierungen folgen, Wildlebensräume und vor allem Ruhezonen großräumig umgehen und während der Dämmerungs- und Nachtzeit Wälder und Berge meiden“, so Pröll. „Dabei geht es um den Schutz des Menschen, der Wälder sowie der Wildtiere.“ 

Rotwild benötigt ausreichend Ruhe für die Äsungsaufnahme und die anschließende Umwandlung der Nahrung in Energie.  |  Karl-Heinz Volkmar