Zwischenfälle wegen Hitze und nachlässiger Haltung. In den letzten Wochen haben sich in Österreich Zwischenfälle mit exotischen Schlangen gehäuft. Gründe dafür sind die aktuelle Hitze, die die Reptilien aktiver werden lässt, und die nachlässige Haltung der Tiere, meint Helga Happ, Leiterin des Reptilien-Zoos Happ in Klagenfurt.

Von APA / BVZ.at und APA / NÖN.at. Erstellt am 09. Juli 2021 (15:08)
Die Frau entdeckte die Schlange rechtzeitig und blieb unverletzt
Eine Frau entdeckte diese Schlange in ihrem WC.
APA/LPD WIEN

Es wäre deshalb wünschenswert, würden die Halter bewilligungspflichtiger Tierarten - dazu zählen Giftschlangen - in genauer unter die Lupe genommen werden, meinte Happ am Freitag gegenüber der APA.

Erst letzte Woche hatte sich eine Würgeschlange in einem WC verkrochen und einen Mann in Niederösterreich beim Niedersetzen gebissen. Das Tier war aus seinem Gehege entkommen. "Wahrscheinlich war es im Terrarium zu heiß und die Schlange hat sich eine Wasserquelle gesucht", mutmaßt Happ. "Der Biss war dann reine Verteidigung, denn Gefahr kommt für Schlangen meist von oben". Ein Biss einer ungiftigen Würgeschlange sei nicht tödlich, aber äußerst schmerzhaft, denn in einem Schlangenmaul steckten bis zu 400 Zähne in sechs Zahnreihen. "Es genügt die Wunde zu desinfizieren". Aufzwängen sollte man ihr Maul dennoch nicht: "Die Zähne brechen leicht ab und bleiben in der Wunde stecken".

Die Expertin empfiehlt, einer Würgeschlange, die zugebissen hat, Duftspray, Fensterputzmittel oder Zigarettenrauch in die Nase zu sprühen. "Sie sind sehr geruchsempflindlich. Man rollt sie von der Schwanzspitze auf, dort sind sie am schwächsten und sobald sie das Maul aufmachen, kann man sie entfernen", erklärte Happ. Anders ist es bei Giftschlangen. Ein Biss verlaufe zumeist tödlich. "Eine Giftschlange ist ähnlich wie eine Waffe. Wenn ich meine Schlange nicht sichere, kann sie eine Gefahr für andere sein", sagte Happ. Deshalb müsse bei der Vergabe von Bewilligungen für gefährliche Tierarten an private Haushalte auch ganz besonders genau hingesehen werden.

Dabei seien die aktuellen Sicherheitsauflagen bezüglich der Haltung von Schlangen ohnehin bereits sehr streng. "Für das Tier muss es einen Extra-Raum geben, der durch zwei Türen gesichert ist, die Fenster müssen hoch genug sein, damit die Schlange nicht raus kann." Dennoch wäre eine bundesweit einheitliche Gesetzgebung bezüglich der Haltung gefährlicher und giftiger Tiere erstrebenswert, sagte Happ.

Exotische Schlangen, die einmal ausgebüchst sind, könnten zumeist nur kurze Zeit überleben. "Gerade mal im Sommer, im Herbst wird es dann schon kritisch, im Winter können sie auf keinen Fall überleben", sagte Happ. Heimische Spezies versteckten sich 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche, um dem winterlichen Frost zu entgehen, Exoten aber blieben zumeist an der Oberfläche, wie sie es aus wärmeren Gegenden gewohnt sind, und erfrieren. Auch in der Kanalisation könnten die Reptilien nicht überleben, meinte Happ: "Schlangen sind wechselwarm und brauchen Wärme von außen, in der Kanalisation ist es in unseren Breitengraden zu kalt."

Anfängern empfiehlt die Expertin übrigens, sich mehrere Jahre mit ungiftigen Schlangen zu beschäftigen: "Auch mit aggressiven, bissigen, damit man lernt wie schnell die Tiere zubeißen können." Erst nach etwa fünf Jahre sollte man sich dann auch an Giftschlangen heranwagen.