Schüsse auf Bundesheer-Soldaten: Niemand verletzt

Aktualisiert am 17. Januar 2022 | 15:41
Lesezeit: 3 Min
Milizsoldaten im Einsatz zur Grenzraumüberwachung (Archivbild)
Milizsoldaten im Einsatz zur Grenzraumüberwachung (Archivbild)
Foto: APA
Beim Versuch, ein mutmaßliches Schlepperfahrzeug anzuhalten, sind Montagfrüh bei einem kleinen Grenzübergang im Südburgenland Schüsse gefallen. Ein Schlepper schoss auf Soldaten des österreichischen Bundesheeres und flüchtete anschließend über die Grenze nach Ungarn, ein zweiter konnte festgenommen werden, berichteten das Verteidigungsministerium und das Landespolizeikommando Burgenland. Verletzt wurde niemand. Zwölf Männer aus Afghanistan suchten um Asyl an.

Soldaten wollten am Montag in der Früh den Kastenwagen mit ungarischem Kennzeichen beim Grenzübergang Bildein (Bezirk Güssing) kontrollieren, der Fahrer stieg jedoch aufs Gas. Der Wagen wurde auf einem Feldweg von Eberau in Richtung Bildein verfolgt, als er dann von der Straße abkam. Ein Verdächtiger lief daraufhin Richtung Ungarn davon und schoss von ungarischem Staatsgebiet aus zwei Mal auf die Bundesheerangehörigen. Sie blieben unverletzt, ebenso die zwölf Flüchtlinge, allesamt Männer aus Afghanistan, die im Anschluss um Asyl ansuchten, wie Polizeisprecher Helmut Marban gegenüber der APA erklärte.

Ein zweiter mutmaßlicher Schlepper wurde festgenommen, er stammt aus Moldawien und ist 22 Jahre alt. Die Herkunft des flüchtigen Schleppers wurde im Laufe des Nachmittags ebenso geklärt, die Fahndung nach dem 26-Jährigen Moldawier läuft, so Marban.

"Dieser heutige Vorfall verdeutlicht, dass die Maßnahmen der Schlepper und die damit verbundene Kriminalität neue Dimensionen erreicht haben. Ich bin froh, dass die eingesetzten Soldaten beim Schusswechsel unverletzt geblieben sind", sagte Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) in der Aussendung. Auch Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach in einem Statement von einem "dramatischen Vorfall", dieser zeige einmal mehr die Notwendigkeit des Außengrenzschutzes.

Bundeskriminalamts-Experte: "Modus der Schlepper geändert"

Im Gespräch mit der APA erklärte Bundeskriminalamts-Experte Gerald Tatzgern angesichts des neuen Vorfalls an der Grenze im Burgenland, dass sich der Modus der Schlepper in den vergangenen Wochen und Monate geändert habe: "Fahrer werden angewiesen, sich Anhaltungen durch die Polizei zu entziehen, das heißt, Straßensperren nicht zu beachten." Es erhärte sich auch der Verdacht, dass die Fahrer von Begleitfahrzeugen bewaffnet sind. Er warnte einmal mehr davor, wie skrupellos das "Geschäft" mit den Flüchtlingen sei.

Die Freiheitlichen sahen im jüngsten Vorfall einen "deutlichen Warnschuss" für die schwarz-grüne Bundesregierung, denn diese sei "nicht fähig, unser Land vor illegaler Migration zu schützen", kritisierte Wehrsprecher Reinhard Bösch.

LH Doskozil zeigt sich „schockiert und betroffen“

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zeigt sich schockiert und betroffen. „Dieser Angriff zeigt, wie menschenverachtend die internationale Schlepperkriminalität agiert und dass es dabei keine Tabus mehr gibt. Ich bin erleichtert, dass es keine Verletzten gab und die involvierten Soldaten wohlauf sind.“ 

Der Vorfall zeige, unter welchem Risiko die Grenzsicherung durch österreichische Soldaten und Polizisten mittlerweile erfolge. „Umso wichtiger ist es, das hervorragende Engagement unserer Einsatzkräfte wertzuschätzen. Das Burgenland ist sehr dankbar dafür“, so Doskozil.

Die Zuspitzung des internationalen Menschenschmuggels erfordere aber auch neue politische Lösungen. „Die Auslagerung von Asylverfahren zu Verfahrenszentren außerhalb Europas würde dem ‚Geschäftsmodell‘ dieser hochlukrativen Kriminalität den Boden entziehen. Dieses Thema darf nicht länger vernachlässigt werden. Wir haben heute immerhin den dritten schwerwiegenden Vorfall innerhalb von drei Monaten erlebt.“