Europas modernster Kaserne fehlt das Geld. Waffensysteme sind veraltet und auch die verfügbare Munition ist zu wenig.

Von Carina Fenz. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:06)
Bataillonskommandant Thomas Erkinger, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Militärkommandant Gernot Gasser und Landesvize Johann Tschürtz diskutierten am Traditionstag in der Montecuccoli Kaserne über die Budgetkrise des Heeres.
Carina Fenz

Die Montecuccoli Kaserne ist die Modernste ihrer Art, aber auch in Güssing fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. „Die Lage ist so ernst, wie es sich anhört“, erklärt Militärkommandant Gernot Gasser in einer Anspielung auf eine Aussage von Verteidigungsminister Thomas Starlinger, der meinte „wenn sich nichts ändert, ist das Bundesheer 2020 pleite“.

„Die Lage ist so ernst, wie es sich anhört“, meint auch Militärkommandant Gernot Gasser.
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Aktuell werden für die Landesverteidigung 0,58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgegeben (Anm: Der EU-Durchschnitt liegt zwischen 1,1 Prozent und 0,9 Prozent), „das ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig“, meint Gasser.

In Güssing ist die Infrastruktur optimal, Investitionen wären, so Gasser, vor allem in der Kaserne in Bruckneudorf notwendig, aufgrund der Budgetkrise liegt alles auf Eis.

„Unser Scharfschützengewehr ist heuer 50 Jahre im Dienst. Da gibt es Gebrauchsspuren und Abnützung"

Ebenso wie das Projekt Sicherheitsinsel, bei dem im Falle eines großflächigen Stromausfalls die Kaserne autark weiter funktionieren soll. Auch in Güssing gibt es keine eigene Energieversorgung, hier fehlt es aber vor allem an den nötigen Mitteln für Überstunden der Ausbildner. „Bei der Schießausbildung leiten wir den Bedarf nicht vom Beherrschen der Waffe ab, sondern von der verfügbaren Munition“, sagt Bataillonskommandant Thomas Erkinger. Auch die Waffensysteme in Güssing sind veraltet.

„Unser Scharfschützengewehr ist heuer 50 Jahre im Dienst. Da gibt es Gebrauchsspuren und Abnützung. Wir haben einen Riesenbedarf bei der Nachbeschaffung.“

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) plädiert dafür, „den Katastrophenschutz vom Innen- ins Verteidigungsressort zu verlegen.“ Veranstaltungen, wie die Airpower und die Leistungsschau seien zu hinterfragen und auch Auslandseinsätze könnten reduziert werden, „um in weiterer Folge den Katastrophenschutz und Assistenzeinsatz zu sichern“, so Doskozil.

Landesvize Johann Tschürtz (FPÖ) gibt sich trotz der tristen Lage zuversichtlich. „Unter Hans Peter Doskozil als Verteidigungsminister wurde begonnen das Heer zu reformieren, Minister Mario Kunasek ist diesen Weg weitergegangen“, so Tschürtz.

Kritik kommt von ÖVP-Sicherheitssprecher Rudolf Strommer: „Das Problem der Personalkosten ist durch die Aufnahme von zusätzlichem Personal ohne begleitende budgetäre Abdeckung unter Doskozil entstanden und hat sich dadurch verstärkt.“