Tanz auf dem Vulkan oder zu `ebener Erd´?. Ob zukünftig auf der Burg oder im Kulturzentrum Güssing getanzt, gelacht und musiziert wird, hat die Bevölkerung in der Hand.

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 15. April 2021 (04:53)

Im Jahr 2023 soll ein neues Zeitalter für Kulturschaffende und Kulturbegeisterte in der Burgstadt eingeläutet werden. Denn da steht der Ausbau einer bereits bestehenden Kulturstätte - der Burg oder des Kulturzentrums - im Raum.

Bevölkerung ist im Juni am Zug

Im „Zukunftsplan Burgenland“ hat sich die Burgenländische Landesregierung die Schaffung eines modernen Kulturzentrums in jedem Bezirk auf die „To do - Liste“ gesetzt. Für den Bezirk Güssing soll das Kulturzentrum oder die Burg zu einem exzeptionellen Treffpunkt für Konzertbegeisterte oder Theaterliebhaber avancieren. Die Entscheidung darüber, in welchen Standort die finanziellen Mittel fließen, haben die Menschen im Bezirk selbst in der Hand. „Wir möchten eine neue Form der Regionalpolitik etablieren. Es soll ein neuer Weg des Miteinanders zwischen dem Land und den Regionen beschritten werden, es ist ein demokratiepolitischer Vorstoß“, heißt es dazu aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Deshalb werden rund 23.000 Wahlberechtigte im Bezirk Güssing am 27. Juni mittels Volksbefragung über die zukunftsweisende Kulturinvestition entscheiden. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil lädt die Bevölkerung ein, aktiv an der Zukunft in Güssing mitzuarbeiten: „Die Landesregierung bekennt sich damit klar zur – neben der Sanierung der Burg Schlaining - größten Kulturinvestition seit Jahrzehnten im Südburgenland. Je nach Standort werden wir zwischen 20 und 50 Millionen Euro investieren, um Güssing weit über die Grenzen des Landes hinaus als Kulturstandort zu stärken. Ich lade alle Bürgerinnen und Bürger des Bezirks Güssing ein, an dieser Befragung teilzunehmen. Güssing kann nur gewinnen!“

 „Die Landesregierung bekennt sich damit klar zur – neben der Sanierung der Burg Schlaining - größten Kulturinvestition seit Jahrzehnten im Südburgenland.“ Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ)

 Stimmen gehen weit auseinander

Die Stimmen aus der Burgstadt gehen derzeit in beide Richtungen. Güssings Bürgermeister Vinzenz Knor ist schon gespannt auf die kommenden Informationen: „Wir warten auf die näheren Beschreibungen der beiden Projekte. Die Menschen werden diese in guter Form präsentiert bekommen, können sie in Ruhe betrachten und sich so ein gutes Bild machen.“

Pro und Contra und ganz viele Wünsche

Einige Kulturschaffende haben sich bereits Gedanken über die geplanten Investitionen gemacht und haben auch schon Vorstellungen, welcher Standort zum Zuge kommen soll. Frank Hoffmann, Intendant des Güssinger Kultursommers, hat seine Entscheidung bereits getroffen: „Ich denke, dass die Burg der bessere Standort wäre, weil die Burg eine `Landmark´ ist. Bevor man in diesen maroden Kulturzentrumsbau noch etwas investiert, sollte man das sinnvollerweise so machen, dass man in ein Gebäude investiert, das davon auch einen Nutzen hat.“ Ähnlich sieht es auch Musical Güssing-Intendantin Marianne Resetarits: „Musical Güssing ist durch die Musicalproduktionen und das Faschingskabarett eng mit dem Kulturzentrum verbunden. Die Burg Güssing ist die älteste Burg des Landes, Wahrzeichen der Region, kulturelle Spielstätte, Hochzeitsburg und ein Anziehungspunkt für Touristen. Wenn es nun mithilfe des Landes gelingt, in die Burg zu investieren, sehe ich es als Jahrhundertchance für die Kultur, die Wirtschaft, den Tourismus und damit für die Region. Ich bin überzeugt, dass es mit einem behindertengerechten Zugang und einer guten Parkplatzlogistik unser neues Kulturzentrum wird.“ Für die Obfrau der Burgspiele, Hilde Koller, ist die Entscheidung nicht einfach: „Grundsätzlich ist für uns die Burg immer eine Herzensangelegenheit, deshalb wäre hier eine Investition wünschenswert. Andererseits muss man sich fragen, was dann mit dem Kulturzentrum geschieht. Die Frage entweder KUZ oder Burg ist sehr schwierig zu beantworten.“

Petition: Fast 1.000 Unterschriften

Die Stadt-ÖVP hat bereits mehrmals ihren Unmut gegen die Abstimmung „KUZ oder Burg“ bekundet. Vor Kurzem hat sie deshalb eine Petition gestartet, mithilfe dieser beide Standorte erhalten und ausgebaut werden sollen. „Die Frage nach Burg oder Kulturzentrum in Güssing ist etwa so sinnvoll wie die Frage: ‚Wollt ihr die linke Hand oder die rechte Hand behalten?` Güssing braucht beides. Auf der Burg müssen Veranstaltungen möglich sein, vor allem in der Freiluft und auch eine touristische Nutzung ist wichtig. Außerdem ist ein gut erreichbares und ausgestattetes Kultur- und Veranstaltungszentrum mitten in der Stadt unverzichtbar“, erklärt Vizebürgermeister Alois Mondschein. „Das Verhalten der Brenner-Knor-SPÖ in dieser Frage spricht Bände. Man tritt nicht für die Interessen der Güssinger Bevölkerung ein.“