Uneinigkeit über Investition: KUZ oder Burgsanierung. Das Land möchte in die Burg oder das KUZ investieren. Für Vizebürgermeister Alois Mondschein keine adäquate Lösung.

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 09. Juli 2020 (05:22)

Seit der Präsentation des neuen Regierungsprogramms steht fest, dass das Land Burgenland in den Kulturstandort Güssing investieren möchte. Nun sorgt eine Aussage von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil für Unmut bei der örtlichen Volkspartei.

In der Landtagssitzung in der vergangenen Woche stellte Landtagsabgeordneter Walter Temmel an den Landeshauptmann die Frage, wie der genaue Plan betreffend Burg und Kulturzentrum aussieht. Doskozil erklärte, dass dieses Vorhaben im Regierungsprogramm klar deponiert ist, man wolle in Güssing damit einen kulturpolitischen Meilenstein setzen. Ob in die Burg oder in das Kultzentrum investiert würde, stehe noch nicht fest, mit der Burg müssen noch die Eigentümerverhältnisse geklärt werden, außerdem stehe hier eine Summe von über 40 Millionen Euro im Raum. Das Kulturzentrum hingegen stünde auf einem schlechten Untergrund, auch hier seien die notwendigen Investitionen noch nicht absehbar. Der Landeshauptmann führte weiter aus, dass man die Bürger des gesamten Bezirks Güssing mit Informationen dazu versorgen und befragen wolle, in welche Kulturstätte investiert werden solle. Die Entscheidung dazu ist für Mitte 2021 vorgesehen, dann soll das Projekt auch in der Region vorgestellt werden.

Güssings Vizebürgermeister Alois Mondschein sieht darin ein Kommunikationsproblem zwischen dem Landeshauptmann und Bürgermeister Vinzenz Knor: „Knor gelingt es anscheinend nicht, dem Landeshauptmann die Situation in Güssing zu erklären. Nur so kann es dazu kommen, dass der Landeshauptmann Luftschlösser für Güssing baut.“

Burg als historisches Ausflugsziel festigen

Mondschein möchte die Burg als historisches Ausflugsziel positioniert wissen: „Dass die Burg als Veranstaltungszentrum ungeeignet ist, zeigt schon die angesprochene Investitionssumme von über 40 Millionen Euro.“ Seine Idee ist die Integration der Volks- und Musikschule nach entsprechenden Um- und Zubaumaßnahmen ins Kulturzentrum. Ebenso kann er sich ein neues Festival- und Veranstaltungszentrum auf der Festwiese vorstellen: „Das wäre die realistischere Lösung. Es soll für beide Veranstaltungsstätten finanzielle Unterstützung geben, so könnten wir uns mit dem Umbau des Kulturzentrums beispielsweise, die hohe Summe für einen Neubau der Volksschule ersparen.“

Über die Vorgehensweise der Landesregierung ist Mondschein verwundert: „Vinzenz Knor kann einem ja schon richtig leidtun, wenn er im Rahmen einer Fragestunde im Landtag von SPÖ Landeshauptmann Doskozil ausgerichtet bekommt, dass die Bevölkerung des Bezirks entscheiden soll, welche Projekte in seiner Gemeinde umgesetzt werden.“

Bürgermeister Vinzenz Knor selbst sieht in den Plänen der Landesregierung einen großen Mehrwert für den Bezirk Güssing: „Es soll ein überregionales Zentrum sein, da spricht nichts dagegen, dass der ganze Bezirk darüber abstimmt. Das KUZ oder die Burg wurden auch in der Vergangenheit oft für überregionale Veranstaltungen genutzt.“

Aus dem Büro des Landeshauptmanns heißt es dazu: „Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat im Regierungsprogramm ein klares Bekenntnis zu einer großen Investition in den Kulturstandort Güssing verankert – gleichzeitig wurde auch festgelegt, dass die Bevölkerung demokratisch eingebunden werden soll. Wir werden diese Befragung gründlich vorbereiten. Politisch ist klar: „Da geht es um eine der größten Landesinvestitionen in Güssing seit vielen Jahren und um eine Grundsatzentscheidung für Generationen, die gemeinsam mit der Bevölkerung der Region getroffen werden soll – Parteipolitik sollte da draußen bleiben.“