Bio-Bauernhof Knor: Vom Beruf zur Berufung. Eine große Veränderung durchlief Familie Knor, als sie das Großstadtleben aufgab und stattdessen ein Leben am BIO-Bauernhof Knor wählte. „Es sind zwei verschiedene Welten“.

Von Anika Perner. Erstellt am 21. August 2019 (10:11)

Bereits in vierter Generation wird der Bio Bauernhof Knor in Güttenbach bereits betrieben. Seit Sommer 2018 hat diese Aufgabe der Mitte 30ig jährige Andreas Knor zusammen mit seiner Gattin und den zwei gemeinsamen Kindern übernommen. Vom gelernten Wirtschaftswissenschaftler mit Manager-Führungsposition zum Bio-Bauern. Diesen Weg als Quereinsteiger zu beschreiten war für die Familie zwar eine große Lebensumstellung, nichts desto trotz geht der gebürtige Güttenbacher gänzlich in seiner Rolle als Bio-Bauer auf.

Vom Handel zur Produktion

„Der Sprung vom Handel zum Produzenten war natürlich groß und eine komplette Umstellung“ erklärt Knor im Gespräch, „trotzdem wollten wir uns dem Stellen und etwas Neues beginnen“. Um dem Job bestmöglich auszuführen und einen Überblick über das Geschehen als Bio Bauer zu bekommen, trat Knor eine Landwirtschaftliche Ausbildung an. Neben Knor und seiner Gattin, helfen zusätzlich sowohl Knor’s Vater als auch seine Mutter und ein weiterer Mitarbeiter am Mittelgroßen Betrieb aus. „Wir sind sehr froh über die Unterstützung unserer Familie, ohne die wir das alleine nicht alles stemmen könnten“, erklärt Gattin Bianca, die Nebenbei noch als Flugbegleiterin arbeitet.

Da am Hof egal zu welcher Jahreszeit stets viel zu tun ist, müssen die Arbeiten gut koordiniert werden. „Morgens haben wir immer eine Besprechung um die anfallenden Aufgaben durchzugehen und zu besprechen“, erklärt Knor.

„In der Regel startet unser Tag immer damit, unsere 131 südburgenländischen Weidegänse mit den ersten Sonnenstrahlen aus dem Stall zu lassen. Dann wird sich erstmal um die seit klein auf, aufgezogenen Gänse gekümmert.“ Die Zeit mit seinen Kindern lässt sich der fleißige Bauer trotz viel Arbeit jedoch nicht nehmen. „Wir achten darauf, täglich miteinander zu frühstücken. Er lässt es sich auch nicht nehmen, die beiden Kinder mit dem Rad in den Kindergarten zu bringen“, erzählt die Neubäuerin.

„Da die Arbeiten die täglich anfallen immer unterschiedlich sind, sei es nun auf dem Acker, im Wald oder bei den Gänsen, wird es nie langweilig. Jeder Tag ist anders und das macht es auch so spannend“, erzählt Knor.

Seinen vorherigen Job mit Managerposition in Wien vermisst er nicht, auch wenn dieser eventuell mehr Sicherheit bieten würde. „Alles hat seine Vor und Nachteile. Aber ich mache das was ich tue sehr gerne und kann es trotz viel Arbeit genießen“, erzählt Andreas. Ernten was man sät und das Gefühl Gutes zu tun und der Natur etwas zurückzugeben sind sicherlich Punkte die für diesen neuen Job sprechen.

Angebaut, auf den Äckern rund um Güttenbach, werden unter anderem BIO Weizen, BIO Rollgerste, BIO Buchweizen, BIO Sojabohnen, BIO Sonnenblumen, BIO Kürbisse als auch verschiedene Kulturfrüchte und Zwischenfrüchte um den Boden wieder zu nähren.

Aber was macht BIO wirklich BIO? „Um sich auch wirklich als BIO Bauer betiteln zu können, müssen viele Kriterien erfüllt werden und viele rechtliche Auflagen berücksichtigt werden. Wir sind auch im Verein BIO - Austria vertreten und werden zusätzlich von der Prüfstelle der Firma Lacon geprüft. Natürlich verzichten wir auch auf jegliche chemischen Zusätze am Hof und achten auf das richtige Saatgut um uns von vornherein vor Problemen mit Schädlingen und Pilzen zu schützen. Aber auch, dass unsere Gänse genug Auslauf haben ist ein BIO Kriterium, welches wir sehr gerne erfüllen“, erklärt das sympathische Ehepaar.

Hausgemachte Produkte in "BIO-Qualität"

Am Hof selbst kann man auch einige der BIO Produkte direkt erwerben. Diesen Part übernimmt die Mutter des Quereinsteigers. Hier ist für jeden etwas dabei. Egal ob süße oder salzige Kürbiskerne zum Knabbern, Kürbiskernöl und Apfelessig für einen frischen Salat, oder den Kürbiskernsenfaufstrich fürs Abendbrot. Alle erhältlichen Produkte werden unter anderem auch an regionale Bauernläden und Gastronomen geliefert, um auch dort die Gäste mit BIO Qualitätsprodukten zu verwöhnen.

Zurück zum Ursprung. Ein Thema, welches für Familie Knor speziell zur heutigen schnelllebigen Zeit, eine große Rolle spielt. „Wir wollen zu dem zurückkehren was früher mal einen Bauernhof ausgemacht hat. Weder Monokultur noch Massenproduktionen. Nur so viel produzieren wie auch benötigt wird. Allem Zeit geben sich wieder zu erholen und zu regenerieren. Wir wollen recht klein bleiben und nach dem gehen was der Markt wirklich braucht“, schildert das Paar.

Maschinell ist die Familie bereits gut ausgestattet. Die drei vorherigen Generationen haben schon einiges an Gerätschaften angeschafft, die nun das Hofleben erleichtern. Von Traktoren mit automatischen Lenksystemen bis zu den Bodenbearbeitungsgeräten ist alles da, was man für eine schonende Acker und Forstwirtschaft braucht.

Auf die Frage hin, was sie sich für die Zukunft wünschen sagen die Zwei, „Diversität ist ein wichtiges Thema für uns. Demzufolge möchten wir eventuell auch in den Weinbau einsteigen. Weiters können wir uns ebenso gut vorstellen, noch mehr verschiedene Tiere auf den Hof zu holen, denn was wäre ein Bauernhof ohne viele Tiere?“, witzelt der Mittdreißiger.

Den Beruf zur Berufung machen, mit der Natur leben anstatt gegen sie und im kleinen Bereich etwas verändern sind lobenswerte Ziele die viel verändern können und auf die man stolz sein kann.