Neue Corona-Teststrategie wurde vorgestellt. Zwecks besserer Erfassung können niedergelassene Ärzte bereits ab Donnerstag in ihren Praxen Covid-19-Antigentests durchführen.

und APA / BVZ.at. Update am 21. Oktober 2020 (15:10)

Einen neuen Rekordwert bei den Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 hat es am Mittwoch in Österreich gegeben. 1.958 Neuinfizierte wurden in den vergangenen 24 Stunden ins Epidemiologische Melderegister (EMS) eingemeldet - um 434 Betroffene mehr als am Vortag. Aktuell hält man bei 15.867 bestätigten aktiven Fällen - ein Zuwachs um 737 gegenüber Dienstag. 

Weiter im Steigen begriffen ist auch die Anzahl der Erkrankten, die einer Spitalsbehandlung bedürfen. Um 71 Covid-19-Patienten mehr als tags zuvor waren am Mittwoch stationär in Krankenhäusern aufgenommen, mit 960 Patienten näherte man sich in dieser Hinsicht der symbolträchtigen 1.000er-Marke. Weiter stabil blieb die Lage auf den Intensivstationen, wo 147 Patienten betreut wurden - eine Zunahme um zwei Personen. Mit Abstand die meisten Intensivpatienten - nämlich 60 - gab es in Wien, 25 waren es in Niederösterreich, 19 in Oberösterreich und 17 in der Steiermark. 925 Menschen sind mittlerweile an den Folgen des Corona-Virus verstorben - um elf mehr als am Dienstag.

Fast zwei Millionen Testverfahren abgewickelt

Insgesamt 169.409 positive Testergebnisse wurden bundesweit bisher eingemeldet. 52.617 ursprünglich Infizierte galten als wieder genesen. 514 Neuinfektionen wurden aus der Bundeshauptstadt gemeldet, auf den Plätzen folgten Niederösterreich mit 341, Oberösterreich mit 328, Tirol mit 232, Salzburg mit 197 und die Steiermark mit 174. Die in absoluten Zahlen wenigsten neuen Fälle gab es im Burgenland mit 34. Aus Kärnten wurden 55 Neuinfektionen gemeldet, aus Vorarlberg 83.

Fast zwei Millionen Testverfahren - exakt waren es am Mittwochvormittag 1,993 Millionen - sind hierzulande seit Ausbruch der Pandemie abgewickelt worden. Davon entfielen mit 562.746 mehr als ein Viertel auf die Bundeshauptstadt. Bei über 330.000 Tests hielt man in Niederösterreich, mehr als 273.000 bzw. 252.000 Testverfahren wurden in Tirol bzw. Oberösterreich durchgeführt. In Salzburg und Vorarlberg, wo es aktuell sehr hohe Sieben-Tage-Inzidenzen gibt, wurde bisher insgesamt rund 107.000 bzw. 115.000 Mal getestet.

Abstrich beim Hausarzt nach telefonischer Terminvereinbarung

Niedergelassene Ärzte können ab Donnerstag in ihren Praxen Covid-19-Antigentests durchführen. Eine entsprechende Verordnung des Gesundheitsministeriums wurde am Mittwoch veröffentlicht. Patienten mit Symptomen können künftig nach telefonischer Terminvereinbarung den Abstrich beim Hausarzt abnehmen lassen, sofern dieser am freiwilligen Programm teilnimmt. Die Testkosten übernimmt die Sozialversicherung, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Liefert ein Antigentest ein positives Ergebnis, muss dieses mittels PCR-Test bestätigt werden - weil die Antigentests noch nicht sensitiv genug sind. An der Pressekonferenz nahmen auch zwei Ärzte teil, die sich beide optimistisch zeigten, dass genug Mediziner sich an den Testungen beteiligen werden. "Die Möglichkeit zu testen macht uns das Leben sehr viel leichter", konstatierte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin.

Wolfgang Mückstein, Leitung des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf, hat in den vergangenen drei Wochen in einem Probebetrieb in seiner Praxis bereits rund 100 Patienten getestet. "Die Vorteile liegen auf der Hand, das Ergebnis ist in 15 Minuten da und der Abstrich einfach durchzuführen", berichtete er. Tests gebe es genug. Die Lieferung dauert "ein paar Tage", sagte Mückstein, der sich sicher war, "dass genug Ärzte" mitmachen werden.

Die Soziologin Michaela Pfadenhauer von der Uni Wien ortete in der Gesellschaft unterdessen eine neue "Biedermeierhaltung", denn die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hätten nicht nur zu einem stärkeren Rückzug des Einzelnen ins Private geführt. "Das ist eine - je nach Auslegung - antipolitische oder apolitische Haltung, die weder für Solidarität noch für das Zusammenleben insgesamt gut ist, wenn eigentlich jeder nur noch daran denkt, wie er seinen Feierabend angenehm verbringt."

Land NÖ begrüßt Testmöglichkeit bei Hausärzten

Die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) hat am Mittwoch die Hoffnung geäußert, "dass möglichst viele Ärztinnen und Ärzte künftig im Rahmen ihrer Diagnosetätigkeit testen werden". Es würde eine hilfreiche Unterstützung des öffentlichen Gesundheitssystems im Kampf gegen die Corona-Pandemie bedeuten und das Ziel unterstützen, "der Bevölkerung ein breites Angebot von Testmöglichkeiten anzubieten".

Die neue Teststrategie sei "ein wichtiger Impuls zur weiteren Pandemiebekämpfung", hielt Königsberger-Ludwig in einer Aussendung fest. Sie verwies auf Gespräche, die in Niederösterreich bereits mit der Ärzteschaft und den Bezirksverwaltungsbehörden geführt worden seien, um auf die spezifischen Erfordernisse der neuen Testmöglichkeiten vorbereitet zu sein und die nötige Unterstützung seitens des Landes geben zu können.