Thiem will mit Sieg über Nadal ins Halbfinale. Für Dominic Thiem geht es am Mittwoch erstmals in der Night Session der diesjährigen Australian Open um viel. Der Weltranglisten-Fünfte aus Lichtenwörth möchte erstmals abseits seines Lieblingsturniers, den French Open, das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichen. Wie schon bei den US Open 2018 steht ihm wieder einmal eine der lebenden Tennis-Legenden gegenüber: der Spanier Rafael Nadal.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 28. Januar 2020 (13:31)
Thiem verlor bisherige Major-Duelle gegen Nadal
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Viermal in Folge ist es Thiem in Roland Garros gelungen, das Semifinale beim größten Sandplatz-Turnier der Welt zu erreichen. Doch spätestens seit dem Viertelfinale in New York vor 16 Monaten weiß man, dass man mit dem früher als Sandplatz-Spezialisten gebrandeten Thiem auch auf schnelleren Belägen rechnen muss. Im vergangenen März holte Thiem dann in Indian Wells seinen ersten Masters-1000-Titel nicht wie von vielen erwartet zunächst auf Sand, sondern Hardcourt.

Gegen Nadal ist es das sechste Duell im Rahmen eines Majors, bei denen der Superstar aus Mallorca vielleicht noch schwieriger zu schlagen ist, als auf der "normalen" ATP-Tour. Die bisherigen fünf hat Thiem alle verloren. Der 4:49-Stunden-Fight bis 2:04 Uhr morgens Ortszeit in New York ist nicht nur Thiem-Fans noch in bester Erinnerung, es war die mit Abstand knappste Niederlage des Niederösterreichers gegen Nadal auf Grand-Slam-Ebene. Sollte Thiem die Hürde meistern, hätte er sein fünftes Halbfinale auf Major-Niveau erreicht und würde diesbezüglich auch Thomas Muster (4) übertreffen. Mit bisher zwei Finali (French Open 2018, 2019) hat der 16-fache Turniersieger Thiem Muster (44 ATP-Titel) diesbezüglich schon überholt.

Am wichtigsten ist aus Thiem-Sicht, dass er wieder körperlich topfit in dieses kräfteraubende Duell gehen kann. Vergangene Woche hatte ihm eine Erkältung doch Kraft geraubt. "Es geht viel besser. Es ist jetzt eigentlich weg. Ich habe einen Tag vor der ersten Runde Probleme bekommen, zum Glück aber kein Fieber. Jedoch war ein gewisser Energieabfall da", gestand Thiem im "Eurosport"-Interview.

Seit Dienstag sei die Verkühlung verschwunden. "Das ist natürlich angenehm, wenn ich mich jetzt wieder voll mit Energie fühle. Ich bin froh, dass ich mich durch die ersten Runden gekämpft habe und mir selber die Chance gegeben habe, in der entscheidenden Phase des Turniers topfit zu sein."

Boris Becker sieht gute Möglichkeiten für Thiem. "Da muss er einige Grundschläge und Rallyes machen", sagte Becker auf Eurosport. Das kräfteschonende Viertelfinale gegen Gael Monfils sah der Deutsche als Vorteil. "Ich sehe das als ganz große Chance für ihn."

Für Nadal geht es nicht nur darum, weiter die Chance auf seinen 20. Grand-Slam-Titel aufrechtzuerhalten. Besiegt er Thiem am Mittwoch, bleibt er sicher Nummer eins. Verliert er, kann ihn Djokovic im Falle des Turniersieges in Melbourne überholen. Thiem könnte hingegen zum vierten Mal (im 12. Versuch) eine aktuelle Nummer 1 der Welt schlagen. Seine bisherigen Siege gelangen ihm 2017 im Barcelona-Semifinale gegen Andy Murray, 2018 im Madrid-Viertelfinale gegen Nadal und 2019 im French-Open-Halbfinale gegen Djokovic.

Und was sagt Nadal selbst zur Begegnung mit Thiem? "Ein sehr hartes Match. Ich habe ihn gegen Gael gesehen, er hat ein sehr hohes Niveau gespielt", erklärte der Spanier. "Er ist ein Spieler, den ich sehr mag, die Art wie er arbeitet, wie er spielt und er immer sein Bestes gibt. Es wird interessant, ich muss mein Bestes zeigen, damit ich eine Chance habe." Er sehe sich aber auf dem richtigen Weg. "Ich spiele jeden Tag ein bisschen besser."

Der Sieger des Viertelfinal-Schlagers kennt zu diesem Zeitpunkt dann auch schon seinen Gegner, der bereits zuvor zwischen Alexander Zverev (GER-7) und dem Schweizer Stan Wawrinka (15) ermittelt wird. Beide Begegnungen sind ein bisschen Generationenduelle: Nadal und Wawrinka sind 33 bzw. 34 Jahre alt, Thiem ist 26, Zverev 22.

Auch "Oldie" Wawrinka darf keinesfalls unterschätzt werden. Er ist der einzige Spieler, der die Regentschaft der "big three" Roger Federer, Nadal und Djokovic (seit 2006!) unterbrochen hat, als er 2014 im Melbourne Park die Siegestrophäe geholt hat. Gegen Zverev hat er allerdings eine 0:2-Bilanz. Für den Fall der Fälle: Thiem hat gegen "Stan the man" eine 1:3-Bilanz, gegen Zverev führt Thiem mit 6:2.