7-Tage-Inzidenz: Krems sprengt 400er-Marke

Über eine Woche nach dem Wachauer Volksfest gaben die Behörden bekannt, dass 94 Corona-Positive das Event im Stadtpark besucht haben. Für Epidemiologen Gerald Gartlehner war es "nicht vertretbar", die Großveranstaltung durchzuführen.

Erstellt am 13. September 2021 | 15:26
Abstrich für einen Corona-Test
Symbolbild
Foto: APA/dpa

Die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Positiven in der Stadt Krems steigt weiter rasant an. Die neusten Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bescheinigen der Statutarstadt einen rekordverdächtigen Wert von 402,6. Krems ist damit österreichweit gesehen einsamer Spitzenreiter. Braunau (301,4) und Scheibbs (300,7) folgen auf den weiteren Plätzen. 

Von "2 Fixen" auf "94 Mögliche"

Am Montagnachmittag gab das Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig nun erstmals bekannt, wie viele Personen positiv getestet wurden, die am Wachauer Volksfest waren. Konkret hätten 94 Personen im Zuge des Contact-Tracings angegeben, die Großveranstaltung im Kremser Stadtpark, die am Sonntag vor über einer Woche zu Ende gegangen ist, besucht zu haben.

Das bedeute allerdings nicht, dass sich die Leute dort infiziert hätten, betonte ein Sprecher der SPÖ-Politikerin. Zuvor war von lediglich zwei Fällen, die definitiv auf das Volksfest zurückzuführen seien, die Rede gewesen. 

Experte Gartlehner übt Kritik

Mittlerweile kommt auch von Expertenseite Kritik, dass die Stadt Krems das Event mit über 100.000 Besuchern genehmigt hat. Gerald Gartlehner, Epidemiologe und Professor an der Donau-Universität Krems teilte der NÖN auf Anfrage mit, dass er es "schon im Vorhinein für nicht vertretbar hielt", das Volksfest durchzuführen und meint: "Dass die Inzidenzen in Krems jetzt hoch sind, sollte für niemanden eine Überraschung sein." 

Das sagt Bürgermeister Resch

Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ) betont auf Nachfrage, ob er es bereue, die Veranstaltung nicht untersagt zu haben, dass es einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss zugunsten des Volksfestes gegeben habe und bei der Behörde genau abgeklärt worden sei, "was möglich ist". Zur Info: Der Gemeinderat hatte eine finanzielle Unterstützung von rund 60.000 Euro zugunsten des umfangreichen Sicherheitskonzeptes des Volksfestes abgesegnet. Zudem habe es zum Zeitpunkt, an dem die Entscheidung gefallen ist, "nur marginal Hinweise auf die hohe Infektiosität der Delta-Variante" gegeben. 

Zur Behauptung des "einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses" legt Gemeinderat Nikolaus Lackner (KLS) Wert auf die Feststellung, dass er und sein Fraktionskollege Wolfgang Mahrer in der betreffenden (nicht öffentlichen) Sitzung sich zu dem Antrag, das Volksfest mit rund 60.000 Euro aus der Stadtkasse zu fördern, ihrer Stimme enthalten haben. 

Mehr zu dem Thema ab Mittwoch in der Print-Ausgabe und im ePaper der Kremser NÖN!