Impfkampagnen werden als zu einseitig wahrgenommen

Erstellt am 16. März 2022 | 11:48
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Zu einseitige Impfkampagnen
Zu einseitige Impfkampagnen
Foto: APA/SPÖ
Die Info-Kampagnen zur Corona-Impfung werden von der Bevölkerung zwar größtenteils akzeptiert, gleichzeitig aber auch als zu einseitig empfunden. Gleichzeitig sorgen sie nicht unbedingt für Begeisterung, zeigt eine Online-Befragung des IhaM Instituts für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität Linz. Vor allem verfehlen sie das Ziel, Ungeimpfte vom Nutzen eines Stichs zu überzeugen.

Für die Studie wurden im März 1.007 Österreicherinnen und Österreicher befragt, die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahre. Die Stichprobe beinhaltet jene, die sich an eine Impfkampagne erinnern und zumindest Teile davon beschreiben konnten.

Jeweils knapp zwei Drittel der Befragten bezeichneten die Info-Kampagnen zur Impfung als "gute Sache" und waren mit ihrer Verständlichkeit zufrieden. Allerdings sahen bzw. hörten nur 28 Prozent diese auch gerne. Von Begeisterung für Impfwerbung könne daher "nicht ganz unerwartet keine Rede sein, was naturgemäß auch daran liegt, dass hier ein Service mit komplexen Eigenschaften und kein 'klassisches' Werbeprodukt (mit schönen Bildern und Botschaften) 'verkauft' werden soll", so die Forscher.

Die größte Unzufriedenheit zeigte sich bei den in den Kampagnen vermittelten Fakten zu Impfwirkungen und Nebenwirkungen: Für 48 Prozent legten sie zu wenig Fakten dar, 45 Prozent kritisierten die fehlende Prüfbarkeit der Kampagneninhalte. Daraus lasse sich folgern, dass eine Notwendigkeit zur zweiseitigen Argumentation in den wahrgenommenen Kampagnen fehle - bekanntlich würde Darstellungen, wo sowohl Vor- als auch Nachteile aufgezählt werden, eine höhere Glaubwürdigkeit zugestanden. Das gelte vor allem bei Personen mit höherem Bildungsgrad.

Insgesamt 44 Prozent der Bevölkerung sind durch die Kampagnen auf die Covid-19-Impfung aufmerksam gemacht worden. Bei 28 Prozent wurde das Interesse daran geweckt, bei immerhin 27 Prozent haben sie den Wunsch ausgelöst, sich impfen zu lassen. 17 Prozent haben sich dann tatsächlich auf Grund der Informationswerbung impfen lassen - Einschränkung: einzig und allein die Kampagne hat dafür nicht den Ausschlag gegeben, bei solchen Entscheidungen spielen auch andere Gründe eine Rolle.

Als "Werbe-Testimonials" am besten geeignet sind laut der Befragung vor allem Medizinerinnen und Mediziner. Wichtig sind aber auch Erfahrungen geimpfter einfacher Bürger, noch vor Prominenten und weit vor Politikern.

Die Forscher sehen die Kommunikation zu Covid-19-Impfkampagnen als "Mammutaufgabe" - nicht zuletzt durch vielfältige "Störfaktoren" wie Fake News, Verschwörungstheorien. Für Geimpfte seien sie zumindest auch Bestätigung bzw. Bestärkung, während bei Ungeimpften das Risiko einer steigenden Ablehnung nicht ausgeschlossen werden könne.

Die Kampagnen könnten aber manche Dinge nicht leisten, meinte Christoph Teller, Professor am IHaM. "Die hohe Kunst durch Kommunikation Verhaltensänderungen von Individuen zum Wohl der Allgemeinheit herbeizuführen, stößt im Falle der Impfquotenerhöhung klar an Grenzen. Es ist vielfach ein 'preaching to the converted' und verfehlt die Wirkung das verbleibende Viertel vom Impfen zu überzeugen." Sie hielten das Thema aber im Gespräch, erhöhten die Aufmerksamkeit dafür und bekräftigten im Nachhinein die Entscheidung zur Impfung.