Reha-Kliniken werden Notspitäler. Nach der Anordnung der Schließung von Kur- und Reha-Zentren wegen der Coronavirus-Pandemie werden viele Einrichtungen derzeit umfunktioniert.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 28. März 2020 (14:14)
Noch kaum Ergebnisse gibt es in der Frage der 24-Stunden-Betreuung
APA (dpa)

Um die Krankenhäuser zu entlasten, entstehen einige "Notspitäler". Noch kaum Ergebnisse gibt es in der Frage, welche Häuser bei Ausfällen in der 24-Stunden-Betreuung als temporäre Pflegeheime einspringen könnten. Die Gespräche seien noch am Laufen, hieß es.

Schon weit fortgeschritten sind die Pläne bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), wie die "Wiener Zeitung" berichtete. Von den 15 stationären Reha-Einrichtungen werden aller Voraussicht nach neun zu Notspitälern umgerüstet, erklärte PVA-Sprecher Markus Stradner der APA. Das betrifft die Häuser in Bad Ischl, Bad Schallerbach, Gröbming, St. Radegund, Saalfelden, Großgmain, Laab im Walde, Hochegg und Bad Tatzmannsdorf.

Von den Spitälern sollen nur nicht-infizierte Patienten nach anderen Erkrankungen und Verletzungen übernommen werden, bei denen eine häusliche Betreuung noch nicht möglich ist. In den Salzburger Betrieben in Saalfelden und Großgmain seien bereits die ersten solchen Patienten aufgenommen wurden. Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) plant, ihre vier Reha-Einrichtungen vor allem für Patienten nach Unfällen bereit zu halten.

Bei einigen Häusern ist die PVA auch mit den Ländern in Gesprächen, um dort im Bedarfsfall eine 24-Stunden-Pflege zu ermöglichen. Wegen des fast zum Erliegen gekommenen Grenzverkehrs sind Bund und Länder ja mit dem Problem konfrontiert, Ersatzkapazitäten für einen kurzfristigen Mangel in diesem Bereich organisieren zu müssen. Es wird erwartet, dass in der Zeit um Ostern viele ausländische Betreuerinnen und Betreuer in ihre Heimatländer zurückkehren.

"Wir sind in Gesprächen mit den Sozialversicherungsträgern, und hier insbesondere mit der PVA, wie Ersatznutzungen von Kur- und Rehaeinrichtungen aussehen können. Ebenso führen die Länder derzeit bilaterale Gespräche", teilte das Sozialministerium auf Anfrage mit. Als Ersatzbetreuungseinrichtungen für Personen mit Pflege- oder Betreuungsbedarf seien aber auch andere Optionen angedacht, "eventuell Bildungshäuser, barrierefreie Hotels" und andere derzeit leerstehende Gebäude.

Im Burgenland hat sich die PVA bereits mit der Landesregierung geeinigt, einen abgetrennten Bereich des Rehabilitationszentrums Bad Tatzmannsdorf für die Altenpflege zur Verfügung zu stellen. Auch der vom Gesundheitsdienstleister VAMED betriebene Sonnberghof in Bad Sauerbrunn dient dem Land Burgenland als Unterbringungsmöglichkeit. Ab Dienstag soll das entsprechende Angebot an den beiden Standorte mit insgesamt 150 Betten schrittweise in Betrieb gehen.

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat in Oberösterreich drei Kur- und Reha-Einrichtungen sowie in Niederösterreich und in Salzburg jeweils eine, alle sind derzeit geschlossen. Es würden "intensive Gespräche" geführt, ob die Häuser in der Altenpflege oder für andere Nutzungen eingesetzt werden könnten, sagte eine Sprecherin. Die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) stünde ebenfalls bereit, ihre Gesundheitseinrichtungen teilweise für unterversorgte Personen mit Pflegebedarf anzubieten.

Ob es gelingen wird, die erwarteten Ausfälle in der 24-Stunden-Betreuung zu kompensieren, hängt neben zusätzlichen Einrichtungen auch stark von der Personalsituation ab. Für unterstützende Betreuungstätigkeiten will die Regierung bekanntlich Zivildiener heranziehen, zusätzlich wird mit dem AMS bzw. seinen Landesstellen daran gearbeitet, Personen mit entsprechender Vorbildung im Bereich Betreuung und Pflege zu gewinnen. Koordiniert wird der Personaleinsatz für mobile Dienste, stationäre Dienste sowie Ersatzbetreuungseinrichtungen seitens der Länder.