Hauptangeklagte im A4-Prozess: "Sind keine Mörder". Mit den Plädoyers der Verteidiger und den Schlussworten der Hauptangeklagten ist der dritte Verhandlungstag im Berufungsprozess um die 71 in einem Kühl-Lkw erstickten Flüchtlinge im südungarischen Szeged zu Ende gegangen. Die Hauptangeklagten gaben dabei den Tatbestand der Schlepperei zu, betonten jedoch mehrfach, sie wären "keine Mörder".

Von Redaktion, APA. Erstellt am 13. Juni 2019 (17:43)
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Dritter Verhandlungstag im Berufungsprozess

Der Verteidiger des Erstangeklagten, Istvan Doma, bat das Gericht um Freispruch seines Mandanten von der Mordanklage und um Strafmilderung, berichtete die Ungarische Nachrichtenagentur MTI. Der Afghane war wie die drei anderen Hauptangeklagten in erster Instanz am Gericht im südungarischen Kecskemet zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Weitere zehn Angeklagte erhielten als Mittäter Gefängnisstrafen zwischen drei und zwölf Jahren. Laut Doma würden abgehörte Telefongespräche seines Mandanten belegen, dass dieser den bulgarischen Chauffeur des Kühl-Lkw, den Viertangeklagten, mehrfach zum Anhalten und zur Kontrolle des Laderaumes aufgefordert hätte, was dieser nicht befolgte.

Auch die Verteidiger des Zweit-, Dritt- und Viertangeklagten ersuchten das Gericht, ihre Mandanten von der Mordanklage freizusprechen. Laut Meinung weiterer Verteidiger könnte nicht festgestellt werden, dass die Angeklagten die Straftat der Schlepperei als Mitglieder einer Verbrecherorganisation begangen hatten.

Staatsanwalt Istvan Vörös hatte in seinem Plädoyer letzte Woche für die vier Hauptangeklagten lebenslang ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung gefordert. Nur einem von ihnen - dem Zweitangeklagten - sollte die Möglichkeit nicht grundsätzlich verwehrt werden.