Kampf gegen Krebs: Anschober kündigt neue Maßnahmen an. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat anlässlich des Weltkrebstages am Dienstag anstehende Maßnahmen für eine verbesserte Krebsvorsorge und -behandlung präsentiert. So soll jedes in Österreich an Krebs erkrankte Kind einen "Survivorship Passport", der wichtige Informationen bündelt, erhalten. Auch ein nationales Komitee für das Screening von Krebserkrankungen ist geplant.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 04. Februar 2020 (13:49)
Krebsfrüherkennung soll gestärkt werden, so Anschober
APA (Archiv)

"Rund 400.000 Personen leben in Österreich mit einer Krebsdiagnose. Wir wollen und werden uns diesem Thema offensiv stellen", kündigte der Gesundheitsminister in Wien an. Dafür sei es nötig, die Krebsfrüherkennung zu stärken und weiterzuentwickeln.

Deshalb sei bereits ein Auftrag an die Gesundheit Österreich GmbH ergangen, ein Konzept zur Einrichtung eines nationalen Komitees für Screening auf Krebserkrankungen zu erstellen, sagte Anschober. Dieses Komitee hätte künftig zur Aufgabe, dem Gesundheitsminister Empfehlungen für die Implementierung neuer Screening-Programme zu liefern, aber auch bestehende Programme auf Basis von Evaluierungen weiterzuentwickeln. Das Komitee soll sich aus rund zehn ehrenamtlichen Experten zusammensetzen.

Für an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche wird ein "Survivorship Passport" (SUPA) eingeführt. "Das Ziel ist, relevante Informationen darauf gebündelt zusammenzuführen", sagte der Gesundheitsminister. Konkret werden Diagnosen, Therapien und individuelle Nachsorge-Empfehlungen in dem Pass inkludiert. "Dadurch kann künftig der Arzt gewechselt werden, ohne ständig die gleiche Vorgeschichte erzählen zu müssen", zeigte sich Carina Schneider von der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe erfreut. Auch Ruth Ladenstein, Kinderkrebsforscherin am St. Anna Kinderspital, gewann SUPA nur Gutes ab. Schließlich sei "die Komplexität einer Krebserkrankung für Behandler derzeit oft nicht leicht zu erfassen".

Seit 2014 gibt es in Österreich ein organisiertes Brustkrebs-Früherkennungsprogramm. "Derzeit werden davon 50 Prozent der Frauen erfasst. Ziel wäre es, zumindest 70 Prozent zu erreichen", sagte Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. Er hofft, dass ein ähnlich organisiertes Früherkennungsprogramm für Dickdarmkrebs noch in dieser Regierungsperiode eingerichtet werde. Schließlich stehe Dickdarmkrebs an vierter Stelle der häufigsten Krebserkrankungen.

Im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs wünscht sich Sevelda, dass alle Viertklässler gegen HPV geimpft werden, außer deren Eltern würden dies aktiv ablehnen. Eine derartige Impfung wäre "extrem wirksam", da Gebärmutterhalskrebs nahezu ausschließlich durch HPV-Viren verursacht werde, erklärte der Krebshilfe-Präsident. Die Impfung gibt es seit ungefähr 15 Jahren, seit 2014 ist sie auch Bestandteil des kostenlosen Schulimpfprogrammes für Kinder zwischen dem neunten und zwölften Geburtstag. Es könne aber aufgrund von Umfragen davon ausgegangen werden, dass weniger als die Hälfte der Kinder auch dagegen geimpft sei, sagte Sevelda.

Die NEOS schlossen sich der Forderung nach einer HPV-Impfung mit "Opt-Out"-Funktion an. "Das wäre ein signifikanter Beitrag zur allgemeinen Gesundheit in Österreich", sagte Gerald Loacker, Gesundheitssprecher der NEOS, und kündigte einen entsprechenden Antrag im nächsten Plenum des Nationalrats an.

Schließlich kündigte der Gesundheitsminister noch die Verbesserung der psychischen Betreuung und Versorgung von Krebspatienten an. "Psychoonkologische Unterstützung ist wahnsinnig wichtig", erklärte Barbara Reichard, die kürzlich an Lungenkrebs erkrankte und bei der Pressekonferenz somit aus Erfahrung sprach. "Mit den Folgen einer Krebsdiagnose und einer Chemotherapie kommt man alleine kaum zurecht", betonte Reichard.