Ex-Skirennläuferin mit Ei von "schlechtem Wurm" befreit. Eine in ganz Österreich tätige Hellseherin sitzt seit vergangenem Juli in U-Haft.

und APA / BVZ.at. Erstellt am 23. Oktober 2020 (13:01)
Die frühere Spitzensportlerin übergab der Frau 2.500 Euro
APA (dpa)

Die 50-Jährige hatte einer erfolgreichen Ex-Skirennläuferin vorgemacht, "negative Strahlen" wären an ihren Problemen schuld, und sie mit ausgesprochen fragwürdigen Methoden behandelt. So wurde der Ex-Ski-Star mit einem Hühnerei vorgeblich von einem "schlechten Wurm" befreit. Es soll zahlreiche weitere Opfer geben. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg ermittelt wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs.

Zunächst hatte die "Kronen Zeitung" am vergangenen Wochenende rudimentär über den Fall berichtet. Wie nun daran anknüpfende Recherchen der APA ergaben, war die ehemalige Sportlerin bereits Mitte Mai am Hauptplatz einer größeren Stadt - zum Schutz der Identität der Betroffenen kann diese aus medienrechtlichen Gründen nicht genannt werden - von der Verdächtigen angesprochen worden.

Die - offensichtlich am Skisport nicht interessierte - 50-Jährige erklärte der ihr völlig unbekannten Frau, sie würde ihr ansehen, dass ihr Problemen zu schaffen machen. Sie könne ihr womöglich helfen und diese lösen.

Daraufhin begab sich die Ex-Sportlerin mit der Verdächtigen in ein Kaffeehaus, wo ihr jene im Zug eines längeren Gesprächs weismachte, sie stünde unter dem Einfluss "negativer Strahlen", welche die frühere Partnerin ihres Lebensgefährten aussende. Außerdem habe sich im Magenbereich der Ex-Skirennläuferin ein "schlechter Wurm" eingenistet.

Um Abhilfe zu schaffen, verlangte die Hellseherin Geld. Den Ermittlungen zufolge ging die frühere Spitzensportlerin sogleich zu einem Bankomaten und übergab der Frau 2.500 Euro.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie der Hellseherin auch schon anvertraut, dass sie eine Münzsammlung besaß. Denn die 50-Jährige nachte ihr nun vor, die Goldmünzen wären "verstrahlt" und müssten gereinigt werden. Für denselben Abend wurde daher ein weiteres Treffen ausgemacht, wobei die Ex-Sportlerin zum Abschied ein Hühnerei in die Hand gedrückt bekam. Dieses musste sie in ein Nachthemd wickeln und sich auf den Bauch legen, um so den "schlechten Wurm" loszuwerden.

Zum Termin in den Abendstunden nahm die frühere Sportlerin wie vereinbart neben dem Ei, mit dem sie wie empfohlen verfahren war, auch ihre Philharmoniker-Münzen im Wert von über 25.000 Euro mit. Um die Ex-Sportlerin zu beeindrucken, strich die Verdächtige über das - im Vorfeld offensichtlich präparierte - Ei, worauf dieses zersprungen und ein etwa fünf Zentimeter langer Wurm zum Vorschein gekommen sein soll.

Im Anschluss nahm die 50-Jährige 17 Philharmoniker-Münzen zwecks Reinigung an sich und entfernte sich. Danach hörte und sah die ehemalige Skirennläuferin die Hellseherin wochenlang nicht mehr. Mitte Juni erstattete die Ex-Sportlerin nach Rücksprache mit einem Vertrauten bei der Polizei Anzeige.

Die Verdächtige wird von den Wiener Rechtsanwälten Werner Tomanek und Philipp Wolm prominent vertreten. "Die Betroffene hat die Goldmünzen freiwillig herausgegeben. Sie wurde nicht dazu gezwungen", betonte Tomanek am Freitag im Gespräch mit der APA. Seine Mandantin habe die Sammlung inzwischen zurückerstattet, "aber sie hat nicht das Gefühl, etwas Unrechtes gemacht zu haben". Die Hellseherin habe der Sportlerin helfen wollen. "Große Religionsgemeinschaften leben von einem ähnlichen Geschäftsmodell. Und das seit Jahrhunderten gut", bemerkte Tomanek abschließend.