Aufsehen um Küssel-Erinnerungen zu Strache. Der kürzlich aus der Haft entlassene Rechtsextreme Gottfried Küssel sorgt mit Aussagen über die Vergangenheit Vizekanzler Heinz-Christian Straches in rechtsradikalen Kreisen für Aufsehen. In einem rechtsextremen deutschen Magazin deutet Küssel an, belastendes Material über den FPÖ-Chef zu haben. Die Opposition fordert Strache auf, Küssel zu klagen und droht mit einer Nationalrats-Sondersitzung.

Von APA Red. Erstellt am 17. Mai 2019 (12:15)
APA (Archiv/AFP)
Opposition fordert Klage von Strache

Küssel war 2013 aufgrund seiner Umtriebe als Initiator der neonazistischen Homepage alpen-donau.info wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Ende Jänner wurde er entlassen und hat nun dem vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) als neonazistisch eingestuften deutschen Magazin "N.S. Heute" ein Interview gegeben. Darin beschreibt Küssel, wie er den damaligen Teenager Strache in den 1980er Jahren kennengelernt hat.

Damals habe Strache "für unsere damalige 'Ausländer-Halt-Bewegung' an Wahlkampfaktionen teilgenommen". Strache habe "nie unsere Blutgruppe gehabt, aber im stillen Kämmerlein hat er den großen Nationalsozialisten gespielt. Da gab es einige lustige Auftritte, über die will ich jetzt aber nicht reden, vielleicht brauchen wir das nochmal", wird Küssel zitiert. Nicht teilgenommen hat Strache Küssel zufolge übrigens an den "Wehrsportübungen" der später verbotenen Neonazi-Gruppe VAPO, wohl aber an ähnlichen Aktionen "akademischer Korporationen" (Burschenschaften). Fotos, die Strache bei solchen Wehrsportübungen zeigen, sind seit 2007 bekannt.

Strache selbst bzw. sein Sprecher wollten die Aussagen Küssels nicht kommentieren. NEOS-Abgeordnete Stephanie Krisper reagierte "alarmiert" auf die vom DÖW (http://go.apa.at/PjksTkxz) veröffentlichten Aussagen: "Wie kann es sein, dass einer der berüchtigtsten Neonazis der Republik Druck auf den Vizekanzler der Republik ausüben kann. Strache ist gefordert, hier für Klarheit zu sorgen, es geht schließlich um eines der höchsten Ämter in Österreich." Für die SPÖ forderte SJ-Chefin Julia Herr Strache auf, Küssel entweder wegen Rufschädigung zu klagen oder zurückzutreten: "Wenn ein Neonazi andeutet, belastende Informationen über den Vizekanzler zu haben, dann muss dieser sofort reagieren!"

JETZT-Abgeordneter Peter Pilz forderte Strache ebenfalls auf, Küssel zu klagen. Außerdem will er gemeinsam mit den anderen Oppositionsparteien eine Sondersitzung des Nationalrats beantragen: "Ich kenne keinen Fall in Europa, wo der Verdacht immer stärker wird, dass der Vizekanzler ganz offen vom führenden Neonazi des Landes unter Druck gesetzt werden kann. In Deutschland müsste er sofort gehen."