Erstes Kinderhospiz mit Tieren in Wien eröffnet

Erstellt am 01. Juni 2022 | 14:53
Lesezeit: 4 Min
Ein Therapiepferd zu Besuch im Krankenzimmer
Ein Therapiepferd zu Besuch im Krankenzimmer
Foto: APA/HANS PUNZ
Mit Therapiepferden und anderen Tieren unterstützt das Team vom "Lichtblickhof" seit Jahren Kinder und ihre Familien, die durch Traumata, Erkrankung oder Behinderung belastet sind. Mit dem am Mittwoch eröffneten Kinderhospiz "Lichtblick-Haus" direkt neben diesem Therapiezentrum am Gelände der Wiener Klinik Penzing will das Team mit seinen Tieren nun unheilbar kranken Kindern zur Seite stehen und "Glücksmomente" schenken. Dazu kommt auch schon einmal ein Pferd ans Krankenbett.

Thomas ist fünf Jahre alt. 2019 wurde bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert. Seine mittlerweile neun- und zwölfjährigen Brüder Patrick und Gerald konnten nach dem Schock der Diagnose am "Lichtblickhof" Stabilität finden. Nachdem sich alles um den kleinen Bruder gedreht hat, standen sie endlich wieder im Mittelpunkt, erzählte die Mutter der drei Buben der APA. Für Thomas war der Kontakt mit Tieren aus immunologischen Gründen nach der Chemotherapie zunächst nicht möglich, mittlerweile habe aber auch er schon mit "Katzen, Schafen, Enten, Hund und Pferden" gespielt, sagt er fröhlich, "am liebsten füttere ich aber Babyschafe".

In Kürze wird die Familie für eine Woche in eine der drei neuen Wohnungen zur Kinderhospiz-Begleitung im "Lichtblick-Haus" einziehen, das am Mittwoch eröffnet wurde. Sie freue sich - vor allem auch weil Thomas Krankheit derzeit stabil ist - auf ein paar Tage zum Durchschnaufen, sagte die Mutter, die sich davon ein wenig Abwechslung und Entlastung erwartet, "ein Szenenwechsel, nachdem wir in der vergangenen Zeit viel zu Hause waren".

Seit fast 20 Jahren werden am "Lichtblickhof" ambulant etwa 350 Kinder pro Jahr begleitet. Dazu stehen den Kindern und Jugendlichen auf einem von der Stadt Wien zur Verfügung gestellten Areal am Gelände des früheren Otto-Wagner-Spitals auf den Steinhof-Gründen nicht nur 15 Therapeutinnen und Therapeuten mit 20 Therapiepferden zur Verfügung, sondern weitere tierische "Assistenten" wie eine Schafherde, Hunde, Kaninchen, Enten und Meerschweinchen. Der gemeinnützige Verein ist dabei gänzlich auf private und betriebliche Spenden und ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen.

Nachdem der Wohnbauträger Gesiba in unmittelbarer Nähe zum Therapie-Bauernhof Genossenschaftswohnungen errichtet hat, nutzte der Verein diese Gelegenheit und mietete drei Familienwohnungen mit je 85 Quadratmetern zur stationären Hospiz- und Palliativbegleitung an. Zudem sind im Haus Therapie- und Gemeinschaftsräume untergebracht, und vor dem Haus ein inklusiver Spielbereich.

Das "Lichtblickhof"-Team will dort den Familien als "Engel auf Zeit" zur Seite stehen. "Wenn Kinder und ihre Familien in schwierigen Lebensphasen sind oder Kinder nicht mehr lange zu leben haben, ermöglichen wir ihnen eine Auszeit von ihren Sorgen und Ängsten", erklärte Roswitha Zink, Gründerin und Geschäftsführerin des "Lichtblickhofs". Für die Kinder sei es beispielsweise schön, "dass sie mithelfen können, dass sie die Versorgenden sind, mit den Tieren arbeiten oder üben können. Gerade nach dieser ohnmächtigen Rolle, in der man durch Krankenhaus und eine schwere Erkrankung sehr schnell ist, kann man hier die Ärmel hochkrempeln, man kann im Gemüsebeet garteln, man kann im Stall ausmisten, man kann eine Runde auf dem Pferd ausreiten oder wie Pippi Langstrumpf mit seinem Pferd frühstücken".

Damit ein Therapiepferd - wenn es notwendig ist - auch einmal ein Kind am Frühstückstisch oder Krankenbett besuchen kann, sind die Wohnungen völlig barrierefrei gestaltet und den speziellen Bedürfnissen von Familien mit kranken und behinderten Kindern entsprechend ausgestattet. Es ist auch möglich, mit dem Krankenbett von den Wohnungen zu den Tieren zu fahren. "Die Familien verdienen es, dass sie trotz der schweren Krankheit oder Behinderung eines Familienmitglieds noch glückliche Momente und Freude gemeinsam erleben, abseits von Schmerzen und Spitalsaufenthalten", so die Therapeutin Verena Bittmann vom "Lichtblickhof".

"Diese Familien leisten Unfassbares, es ist unvorstellbar wie anstrengend diese Pflegephase für alle Beteiligten, auch für die Geschwisterkinder ist, und uns ist ganz wichtig, dass die ganze Familie hier Kraft bekommt", betonte Zink. Dafür können die Familien für die Dauer von wenigen Tagen bis mehreren Wochen im "Lichtblick-Haus" betreut und "unkonventionell und ideenreich unterstützt werden". Bei Bedarf werden sie auch durch Ärzte, Therapeuten und Pfleger rund um die Uhr entlastet. Die Kosten für den Aufenthalt, Therapie, Palliativ- und Hospizbegleitung werden dabei zum Großteil aus Spenden finanziert, die Familien selbst zahlen so viel, wie sie können.

(S E R V I C E - Internet: https://www.lichtblickhof.at/)