Missbrauchsprozess gegen Arzt im Burgenland vertagt

Aktualisiert am 17. Mai 2022 | 17:24
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46-Jähriger bekannte sich nicht schuldig und vermutete Halluzinationen
46-Jähriger bekannte sich nicht schuldig und vermutete Halluzinationen
Foto: APA/THEMENBILD
Der Prozess gegen einen 46-jährigen Arzt, der drei Frauen in der Aufwachphase nach einer Sedierung sexuell missbraucht haben soll, ist am Dienstag am Landesgericht Eisenstadt auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Chirurg und Allgemeinmediziner soll nach Magen- und Darmspiegelungen zu den Patientinnen in den Aufwachraum gegangen sein und sie berührt haben. Er bekannte sich nicht schuldig und erklärte die Vorwürfe mit "sexuellen Halluzinationen".

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt warf dem Angeklagten den sexuellen Missbrauch von wehrlosen Personen in drei Fällen von vergangenem Juli bis September vor. Er soll die Frauen auf der Brust und im Genitalbereich berührt haben. Der Arzt wies sämtliche Vorwürfe zurück: "Das ist nicht passiert." Nun sollen weitere Zeugen geladen und ein anästhesiologisches Gutachten eingeholt werden.

Der Angeklagte sprach vor Gericht von Träumen und "sexuellen Halluzinationen", die mögliche Nebenwirkungen der Medikamente seien, die zur Sedierung verwendet werden. Generell sei er nicht mit Patientinnen alleine in einem Raum, es sei immer eine Assistentin dabei. Während die Patientinnen im Aufwachzimmer seien, desinfiziere er das Bett im Behandlungsraum und richte die Medikamente für die nächste Untersuchung her. Sein Verteidiger betonte außerdem, eine Frau sei nach ihrer Anzeige untersucht worden, wobei keine Spuren von seinem Mandanten gefunden wurden.

Eine der betroffenen Frauen sagte am Dienstag vor Gericht aus: "Ich bin mir zu tausend Prozent sicher, dass das passiert ist." Sie sei gerade ins Aufwachzimmer gebracht worden und habe wieder einschlafen wollen, als der Arzt wieder in den Raum gekommen sei und sie berührt habe. Eine sexuelle Fantasie sei das nicht gewesen: "Das war für mich ein Machtübergriff, das Ausnutzen meiner Wehrlosigkeit", betonte sie. Die Übergriffe habe sie als gezielt wahrgenommen. "Ich habe mir gedacht, er macht das nicht zum ersten Mal."

Am Nachmittag wurden Mitarbeiterinnen des Arztes befragt, die - wie zuvor auch er selbst - erzählten, er habe sie dazu angewiesen, ihn nicht mit Patienten alleine zu lassen. Mit einer Assistentin würden die Patienten aber sehr wohl alleine im Aufwachraum gelassen - "warum?", wollte Richterin Doris Halper-Praunias wissen. Eine Erklärung dafür bekam sie aber nicht. "Ich habe das nie hinterfragt", sagte eine Mitarbeiterin.