ÖFB setzt Ethikkomitee zur Prüfung der Inseratenvorwürfe ein

Aktualisiert am 08. Dezember 2022 | 18:57
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Milletich ist weiter mit Gegenwind konfrontiert
Milletich ist weiter mit Gegenwind konfrontiert
Foto: APA/ROBERT JAEGER
Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) kommt weiter nicht zur Ruhe. Die Vorwürfe gegen Präsident Gerhard Milletich, seine Position als Verbandschef für den Gewinn von Anzeigenkunden für sein Verlagshaus genutzt zu haben, wird nun das Ethikkomitee der Fußball-Bundesliga prüfen. Dieses Ergebnis einer mehr als viereinhalbstündigen, außerordentlichen Präsidiumssitzung in Wien gab der ÖFB am Donnerstagnachmittag bekannt.

"Ich bin sehr froh, dass sich eine unabhängige Kommission dieser Causa annehmen wird", wurde Milletich in einer Verbandsaussendung zitiert. "Ich habe immer alles transparent dargelegt und werde auch gegenüber dem Ethikkomitee der Bundesliga so auftreten." Vorsitzender des siebenköpfigen Gremiums ist der pensionierte Richter Wolfgang Pöschl, der zuletzt unter anderem dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Ibiza-Affäre sowie dem ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss als Verfahrensrichter vorgestanden ist.

Einziger Tagesordnungspunkt der Präsidiumssitzung in einem Hotel im Wiener Prater waren die Vorwürfe gegen Milletich, von denen im Oktober zuerst das Nachrichtenmagazin "News" und die Tageszeitung "Kurier" berichtet hatten. Auch andere Präsidiumsmitglieder dürften recherchiert haben. "Es sind neue Sachverhalte dargelegt worden", sagte Wolfgang Bartosch, der Präsident des steirischen Landesverbandes, nach der Sitzung der APA - Austria Presse Agentur. Sie kamen, wie angekündigt, von Oberösterreichs Verbandschef Gerhard Götschhofer. Dieser ist wie Tirols Josef Geisler und Salzburgs Herbert Hübel ein bekennender Milletich-Gegner.

Bartosch sprach von "unterschiedlichen Interpretationen", die es nach wie vor gebe. Der Vorschlag, das eigene Ethikkomitee mit der Prüfung der Angelegenheit zu betrauen, sei schließlich von den Vertretern der Bundesliga - sie stellt deren vier im ÖFB-Präsidium - gekommen. Er wurde laut APA-Informationen mit einer Gegenstimme angenommen. Der ÖFB schrieb in seiner kurzen Stellungnahme von einem Beschluss "mit überwiegender Mehrheit". Das Ergebnis der Untersuchung werde dem Präsidium übermittelt. Ergebnisse sollen laut Bartosch im Jänner vorliegen. "Sie werden relativ rasch arbeiten."

Das Präsidium tritt aber bereits am 16. Dezember erneut zusammen. Es stehen wichtige Weichenstellungen an. Neben Akademien und Talenteförderung geht es vor allem um die Zukunft des größten Infrastrukturprojektes in der Geschichte des ÖFB. In Wien-Aspern sollen unter anderem ein Trainingszentrum und eine neue Geschäftsstelle entstehen. Laut Bartosch sei eine Beschlussfassung nächste Woche möglich - auch wenn die Vorwürfe gegen Milletich noch nicht restlos aufgeklärt sind. "Die große Harmonie ist noch nicht eingekehrt, aber es ist zumindest so, dass wir am 16. eine Präsidiumssitzung abhalten können und handlungsfähig sind", schilderte der steirische Jurist die Situation im Präsidium.

Eine Entscheidung zu einem möglichen Bau dürfte wohl noch in diesem Jahr getroffen werden müssen, zumal mit Jahresende Preisgarantien verfallen. Auch die bestehenden Förderzusagen von Bund und Stadt Wien, die sich ursprünglich mit je einem Drittel der Kosten beteiligen wollten, müssten wohl neu verhandelt werden. Milletich ist im Gegensatz zu Götschhofer, Geisler oder Hübel ein klarer Befürworter des noch vom früheren ÖFB-Präsidenten Leo Windtner initiierten Projektes.

Mit dem "Kurier" liefert sich Milletich inzwischen eine rechtliche Auseinandersetzung. Über deren Status informierte der Anwalt des ÖFB-Chefs das Präsidium. "Es ist formal noch keine Klage eingereicht, sondern ein Antrag auf Gegendarstellung", berichtete Bartosch. Dass Milletich keine medienrechtlichen Schritte eingeleitet habe, stimme jedoch nicht. "Er wird das auch weiterhin verfolgen, es sind alle Schritte eingeleitet." Man müsse aber auch Fristenläufe etc. berücksichtigen.

Mit der Einsetzung eines neutralen Gremiums zur Prüfung der Affäre kam der ÖFB zumindest einem Wunsch von Sportminister Werner Kogler (Grüne) nach. Der Vizekanzler hatte im November in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" empfohlen, "eine objektive Kommission zur Klärung der Vorwürfe" einzusetzen. Der Mailverkehr solle offengelegt werden, so der Wunsch des Grünen-Chefs. Kogler: "Als Fördergeber erwarte ich mir, dass der ÖFB etwas schafft, damit die Mitglieder wieder Vertrauen fassen können."