Wien , Stockerau

Erstellt am 13. Juni 2018, 16:15

von NÖN Redaktion

Katzian: „Die werden die Guck aufreißen“. Der gebürtige Stockerauer und künftige ÖGB-Präsident warnte die Regierung, eine Gewerkschaft „im Kampfmodus“ werde effektiv sein.

Wolfgang Katzian  |  Sebastian Philipp

Es war eine Art Bewerbungsrede, auch wenn niemand an der Wahl von Wolfgang Katzian zum neuen ÖGB-Präsidenten zum Abschluss des 19. Bundeskongresses am morgigen Donnerstag zweifelt. In seinem Referat warnte er Bundesregierung und Industrie: „Die werden die Guck aufreißen, wenn wir wirklich im Kampfmodus sind.“

Vor hunderten Gewerkschaftern im Wiener Austria Center versprach er Mittwochmittag, Kampfmaßnahmen würden „effektiv“ sein. Einen Zeitpunkt wollte der bisherige Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten und Drucker und gebürtige Stockerauer bewusst nicht nennen. „Wir werden kämpfen, wann wir es wollen. Wir werden kämpfen, wie wir es wollen, und dann, wenn es nicht erwartet wird“, donnerte Katzian (62) in den Saal.

„Rote Linien“ und einige Zehntausend Mitglieder mehr

Die „roten Linien“ seien  längst festgelegt: kein Hartz IV - ein niedriges Notstandsgeld wie in Deutschland, kein 12-Stunden-Tag, keine Einschränkung der Arbeitnehmermitbestimmumg, keine Abschaffung der Jugendvertrauensräte.

Deutliche Signale sandte er auch für eine Öffnung des Gewerkschaftsbundes aus. Es solle einen „Brückenschlag“ zur Wissenschaft geben. Mit der Ärztekammer und Nichtregierungsorganisationen (NGO) solle es bei gemeinsamen Anliegen ein gemeinsames Vorgehen geben, so der Aufruf Katzians an die Gewerkschaftsdelegierten. Zu den 1,2 Millionen ÖGB-Mitgliedern müssten ein paar Zehntausend dazukommen, lautet sein Ziel.

Protestaktion gegen die Sozialministerin

Für Sozial- und Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hatte es am Vormittag einen äußerst kühlen Empfang gegeben. Jungewerkschafter demonstrierten verstummt gegen die geplante Abschaffung der Jugendvertrauensräte. Gegen diese „linken“ Aktionen zogen FPÖ-Vertreter danach betont empört in Aussendungen zu Felde. Katzian solidarisierte sich freilich ausdrücklich mit der Aktion der Jungen.

Der Ministerin schlug auch wegen der Sozialversicherungsreform und Krankenkassenfusion beim ÖGB-Bundeskongress Proteststimmung entgegen. Oberösterreichs Gebietskrankenkassenobmann Albert Maringer sagte ihr unverblümt: „Enteignung. Entmündigung. Das kann es nicht sein, das werden wir uns nicht gefallen lassen.“ Stehende Ovationen der Delegierten zeigten, dass er ihnen im Konflikt mit der Ministerin aus dem Herzen gesprochen hatte.