Karfreitag: Mödlinger Stadtchef gibt Bediensteten frei

Aktualisiert am 03. März 2019 | 13:19
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Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP
Foto: Bernhard Garaus
Mödlings Bürgermeister Hintner kann die "unsäglichen Diskussionen rund um diese Feiertags-Geschichte nicht mehr hören" und fällt eine Entscheidung.

"Diese Heuchelei ist mir zuwider, wir brauchen dazu kein Gesetz", macht Mödlings Stadtchef Hans Stefan Hintner, ÖVP, am Freitagmittag Nägel mit Köpfen: Demnach haben alle  Gemeindebediensteten mit den entsprechenden Glaubensbekenntnissen (Altkatholischen Kirche, Evangelische Kirche und Evangelisch-methodistische Kirche) weiterhin am Karfreitag frei. "Ich denke, alle Unternehmen könnten unserem Beispiel folgen, dann würden wir uns viele Diskussionen ersparen." 

Bundespartei warnt vor Diskriminierung

Hintner Kritik an der Regelung der Regierung führte am Samstag zu einem parteiinternen Hick-Hack in der Volkspartei. Die Bundespartei kommentierte die Ankündigung Hintners, den protestantischen Gemeindebediensteten am Karfreitag freizugeben, mit dem Hinweis, dass das gleichheitswidrig wäre.

Es sei gut und erfreulich, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern zusätzliche freie Tage oder kürzere Dienste gewähren wie zum Beispiel zu Weihnachten, Silvester oder am Karfreitag. Durch die Entscheidung des Europäische Gerichtshof müssten solche Regelungen jedoch für alle Mitarbeiter gelten und dürfen nicht auf eine Religionsgruppe beschränkt sein, sagten Klubobmann August Wöginger und Generalsekretär Karl Nehammer in einer Aussendung am Samstag.

SPNÖ-Chef Schnabl für sachliche Diskussion

Für SPÖ-Landesparteichef Franz Schnabl sei es "positiv, dass auch in der ÖVP vernünftige Stimmen bereits faire Lösungen anbieten", hieß es zu Hintners Ankündigung, dass in der Stadtgemeinde beschäftigte Protestanten am Karfreitag frei haben, ohne einen Urlaubstag zu verlieren.

Schnabl sprach sich für eine sachliche Diskussion aus: "Es soll in Ruhe, parteiübergreifend und ohne parteiideologische Scheuklappen die beste Lösung für die Arbeitnehmer beschlossen werden." Es dürften dabei nicht nur die Interessen von Wirtschaft und Industrie im Vordergrund stehen, auch die Beschäftigten müssten davon profitieren können.

Sonderurlaub für SP-Drechsler nur erster Schritt

„Der Sonderurlaub für evangelische und altkatholische Gemeindebedienstete ist ein erster richtiger Schritt, aber auch einer zu wenig“, kommentiert SPÖ Stadtparteiobfrau Silvia Drechsler die Entscheidung des Bürgermeisters, jenen Mitarbeitern Sonderurlaub  zu gewähren, die evangelischen und altkatholischen Glaubens sind.

„Der zweite Schritt muss nun wie in Eisenstadt ein freier Tag für alle sein. In diesem Sinne werden wir einen dementsprechenden Antrag im kommenden Gemeinderat einbringen“, kündigt die SPÖ Vorsitzende an.