Strom- und Gaspreis bei Wien Energie und EVN steigt

Aktualisiert am 03. August 2022 | 20:53
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Wien Energie, EVN und Burgenland Energie erhöhen Preise
Wien Energie, EVN und Burgenland Energie erhöhen Preise
Foto: APA/THEMENBILD
Die Energieallianz Austria (EAA) erhöht per 1.9. die Preise für Strom und Gas in Wien und Niederösterreich. Die Indexanpassung in den Standardtarifen der Wien Energie und der EVN als Teil der EAA wird aufgrund der Marktsituation von 1.1.2023 vorgezogen. Die "dramatischen Preisanstiege" erforderten das Vorziehen der Anpassung, so die EAA am Mittwoch. Wien Energie und EVN wollen die Steigerungen mit Aktionen abfedern. Indexanpassungen gibt es künftig zwei Mal jährlich.

Für einen Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch - je nach Haushaltsgröße - von 3.500 Kilowattstunden (kWh) beziehungsweise von 2.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von etwa 57 Euro beziehungsweise 36 Euro (jeweils inkl. USt.). Für Haushaltskunden mit einem jährlichen Gasverbrauch - je nach Haushaltsgröße - von 15.000 kWh beziehungsweise 8.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von etwa 108 Euro beziehungsweise 60 Euro (jeweils inkl. USt.).

Der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) sei binnen eines Jahres um 247 Prozent gestiegen und der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) um 323 Prozent, argumentiert die EAA. Basis der Preisanpassungen seien Lieferbedingungen, die dem steigenden Verlauf dieser Indizes folgen. Die vorgezogene indexgebundene Preisanpassung per 1. September 2022 gilt für Produkte der regionalen Energievertriebsgesellschaften der EAA in Wien und Niederösterreich, die im Preisblatt keine detaillierten Preisanpassungsklauseln haben: EVN Energievertrieb GmbH & Co KG und Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG.

Im Burgenland wird die indexgebundene Preisanpassung im Bereich Strom und Gas nicht vorgezogen. Neben Wien Energie und EVN ist auch die Burgenland Energie (BE) Teil der gemeinsamen Vertriebsschiene EAA. Für Kunden der BE Vertrieb GmbH & Co KG bleibt die bisherige Systematik der bestehenden Lieferbedingungen bestehen.

Die Preise werden künftig zweimal pro Jahr zum 1. April und zum 1. Oktober angepasst, so die EVN. Selbiges gilt auch für die Wien Energie. Die Burgenland Energie wird dabei noch folgen, sagten Kenner der APA. "Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass ein Jahr ein sehr langer Zeitraum sein kann. Durch eine zweite Anpassung im Jahr können wir rascher reagieren und auch allfällige Senkungen schneller an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben", so Zach.

Der Wiener Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) pochte auf eine "rasche bundesweit einheitliche Lösung zur Entlastung der Bevölkerung, denn bei den kriegsbedingten Energiepreisen sind wir nur Passagier". Eine österreichweite Regelung habe er auch beim kürzlichen Energiegipfel im Bundeskanzleramt verlangt. Es gebe derzeit "keine Energiemangellage, dafür aber eine massive Teuerungslage".

Die Arbeiterkammer Wien kritisierte die vorgezogene Erhöhung der Strom- und Gaspreise. Für die AK sei unverständlich, warum die Lieferbedingungen jetzt wieder geändert werden und damit die Preiserhöhungen um mehrere Monate früher kämen. "Wir fordern die Unternehmen dringend auf, von übereilten Preiserhöhungen Abstand zu nehmen", so AK-Präsidentin Renate Anderl laut Aussendung.

Kritik kam auch vom Parteivorsitzenden der Wiener Grünen, Peter Kraus: "Auf Bundesebene hören wir von der SPÖ fast täglich eine neue Forderung betreffend der Energiepreise. In Wien, wo man selbst eingreifen und einen Unterschied machen könnte, tut die SPÖ einfach nichts." Auch ÖVP-Energiesprecherin Tanja Graf kritisierte den Vorstoß: "Während die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner einen sozial gestaffelten Preisdeckel für Energie fordert, werden heute für das rot regierte Wien ab September erneut Energiepreiserhöhungen angekündigt. Und das in Zeiten, wo die Menschen bereits massiv unter den Teuerungen zu leiden haben."

Vom burgenländischen Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SPÖ) hieß es, die Burgenland Energie könne die Preiskapriolen abfedern. Somit blieben Haushalte im östlichsten Bundesland im Herbst von der aktuellen Preiserhöhung bei der Energieallianz verschont. Zudem erneuerte der Politiker seinen Ruf nach einem Energiepreis-Deckel im Bund.

In Niederösterreich wiederum herrschte die größte Aufregung. SPÖ, FPÖ und Grüne kritisierten die Preiserhöhungen. Landeshauptfrau-Stellvertreter und SPÖ-Niederösterreich-Landesparteichef Franz Schnabl forderte erneut eine sofortige Umstellung auf das Schweizer Modell. Das Merit-Order-Prinzip, wonach das jeweils letzte - in der Regel teuerste - (Gas-)Kraftwerk das Preisniveau bestimmt, müsse ausgesetzt werden. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) müsse als Vertreterin des Mehrheitseigentümers - die börsennotierte EVN gehört zu 51 Prozent dem Land - die "Preisexplosion" bei Strom und Gas stoppen. "Sollte sich die EVN gegen faire Preise sträuben, muss das Land das Unternehmen wieder übernehmen", verlangte Schnabl.

Die niederösterreichischen Freiheitlichen teilten in einer Aussendung mit, die ÖVP lasse die Landsleute bei den EVN-Preiserhöhungen im Stich. Der im Landtag beschlossene Zuschuss von elf Cent pro Kilowattstunde verpuffe, so FPÖ-Landesparteiobmann Udo Landbauer. Der NÖ Strompreisrabatt ist mit 80 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsverbrauchs gedeckelt. Die Freiheitlichen pochten weiters darauf, die Übergewinne der EVN "in vollem Umfang direkt an alle Kunden zurückzuzahlen".

Die Grüne Landessprecherin in Niederösterreich, Helga Krismer, nannte den Strompreisrabatt in ihrem Bundesland eine "reine PR-Show" von Mikl-Leitner. Der Zuschuss werde kaum Wirkung zeigen, so die Grüne, die sich "fassungslos" über Erhöhung zeigte. Sie forderte die Landesregierung in einer Aussendung auf, die "Strompreislawine" zu verhindern.

Die ÖVP Niederösterreich verwies in einer Aussendung auf den einstimmigen Landtagsbeschluss in der Vorwoche. Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner betonte: "Niederösterreich hat als einziges Bundesland rasch und spürbar Maßnahmen für einen Teuerungsausgleich auf den Weg gebracht." Wichtig sei, dass auf Bundesebene angekündigte weitere Entlastungsschritte "schnellstmöglich beschlossen werden".