„Thiem-Mania“ überall spürbar. Niederösterreich ist nach dem Thiem-Erfolgslauf im Tennis-Fieber. Kinder strömen auf die Plätze, Trainer sind knapp.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 12. Juni 2019 (06:21)
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„Irgendwann wirst du dieses Turnier gewinnen“, tröstete Rafael Nadal seinen Finalkontrahenten Dominic Thiem nach seinem 12. Titel in Paris. Der quittierte das mit einem Lächeln.

„Noch zu gut“, war Rafael Nadal für Dominic Thiem, befindet Niederösterreichs Tennisverbands-Präsidentin Petra Schwarz. Als „Exhibition von einem anderen Stern“, bezeichnet Tennisexperte Alex Antonitsch das Treiben der beiden Paris-Finalisten.

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Tennis-Experte Alex Antonitsch sieht einen Trainerengpass.Kneisl

Nadal besiegte den Lichtenwörther Dominic Thiem letztlich in vier Sätzen, gewann zum 12. Mal die French Open. „Ich kenne übrigens keinen, der irgendwo zwölf Mal Klubmeister geworden ist“, schüttelt Antonitsch den Kopf.

Der Tennis-Euphorie im Land tut die Finalniederlage von Thiem jedenfalls keinen Abbruch. Kinder und Jugendliche strömen wieder auf die Tennisplätze. „Das muss man nutzen. Endlich haben wir wieder so ein Vorbild, dem alle nacheifern“, erkennt Schwarz die Zeichen der Zeit.

Für Antonitsch ist der Hype noch größer als zu Zeiten von Thomas Muster. Das habe mediale Gründe: „Früher gab’s nur Fernsehen. Jetzt werden über das Internet noch mehr Menschen erreicht. Die sozialen Medien gehen über! Es geht jetzt darum, die Kinder auch wirklich beim Tennis zu halten.“

Ausgebildete Trainer braucht das Land

Dafür braucht es entsprechende Angebote, die es laut Petra Schwarz, selbst einst Tennis-Profi (beste WTA-Platzierung 52. im Jahr 1995), in Niederösterreich gibt: „Jeder kann in unsere Klubs kommen und Tennis spielen.“ Antonitsch macht derzeit aber einen Mangel an gut ausgebildeten Trainern aus: „Das ist definitiv so.“

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NÖTV-Präsidentin Petra Schwarz will Angebot für Tennis-Kids verbessern.

In Niederösterreich gibt es einen Pool an geprüften Trainern, die nach Bedarf an Klubs vermittelt werden. Eine verpflichtende Ausbildung, wie beispielsweise im Fußball – da muss jeder Nachwuchstrainer entsprechend ausgebildet sein – gibt es im Tennis nicht. Noch nicht jedenfalls. „Wir wollen uns natürlich laufend verbessern“, weiß Schwarz, wo der Hebel anzusetzen ist. Der Tennis-Verband könne ohnehin nur Wegbereiter und Unterstützer sein.

„Wenn es dann irgendwann in eine professionellere Richtung geht, dann sind ohnehin hauptsächlich die Eltern gefragt“, weiß Schwarz. Wichtig sei, dass es mit Dominic Thiem „jemand von uns“ bis ganz noch oben geschafft hat. „Mit Fleiß und dem richtigen Umfeld ist das möglich“, macht Schwarz aufstrebenden Talenten Mut.