Getötete 17-Jährige: Offenbar keine Gewalt-Vorgeschichte

Erstellt am 01. Juni 2022 | 12:09
Lesezeit: 3 Min
Befragungen haben laut Polizei bisher keinen Hinweis dazu ergeben.
Befragungen haben laut Polizei bisher keinen Hinweis dazu ergeben.
Foto: APA/ZOOM.TIROL
Im Fall einer 17-jährigen Tirolerin, die am Montag von ihrem 18-jährigen Freund mit einem Messer getötet worden sein soll, gibt es weiter keine Anzeichen auf eine Vorgeschichte in Sachen Gewalt. LKA-Leiterin Katja Tersch sagte der APA am Mittwoch, dass Befragungen von Zeugen keinen Hinweis ergeben hätten. Der Polizei war zuvor ebenfalls nichts bekannt. Der Freund hatte anschließend Selbstmord begangen, indem er von einer Brücke sprang.

Ein Mord an einer Frau durch den (Ex-)Partner sei "lediglich die Spitze des Eisbergs", meist lägen bereits zuvor "gewaltförmige Beziehungsmuster" vor, sagte die Tiroler Frauenhausleiterin Gabriele Plattner der APA. Beim betreffenden Fall wirke es aber eher wie eine heftige Entladung der Gewalt im Affekt, berichtete Tersch. Die LKA-Leiterin betonte, dass die Befragungen noch nicht abgeschlossen seien, es könnten sich daher durchaus noch Hinweise auf eine vorangegangene Gewaltgeschichte ergeben.

Fälle häuslicher Gewalt waren zuletzt in Tirol gestiegen. Tersch verwies im APA-Gespräch darauf, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen wegen Gewalt des Partners bei der Polizei oder bei Opferschutzeinrichtungen melden würden. Dies zeige auch die Kriminalstatistik eindrücklich. 1.556 Gewaltdelikte im privaten Raum wurden 2021 in Tirol zur Anzeige gebracht, ein Anstieg von 16,1 Prozent im Vorjahresvergleich, im Jahr 2020 wurde ebenfalls eine Zunahme von 16,3 Prozent verzeichnet.

Tirols oberste Kriminalbeamtin führte dies einerseits auf die erschwerten Umstände durch die Corona- und nun Wirtschaftskrise zurück, andererseits auch auf die verstärkte Thematisierung. Sie glaubte, dass sich dadurch mehr Frauen trauen würden, bei Gewalt in einer Beziehung Hilfe zu suchen. "Es ist wichtig, dass Opfer den Schritt wagen", appellierte sie an Betroffene.

Montagabend hatten Zeugen den Suizid des 18-Jährigen bei der 114 Meter hohen Hängebrücke Highline 179 bei Reutte im Tiroler Außerfern beobachtet. Kurz darauf wurde die Leiche der jungen Frau in einem Auto aufgefunden. Sie starb laut Obduktion an mehreren Messerstichen im Oberkörper. Im Auto wurde ein Klappmesser gefunden, es dürfte sich dabei um die Tatwaffe handeln. Die 17-Jährige wollte sich laut LKA von ihrem Freund trennen.

(S E R V I C E - In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555 (kostenlos und rund um die Uhr), www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at; der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: www.interventionsstelle-wien.at und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722

Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at)