Dirigent Bernard Haitink gestorben

Der niederländische Dirigent Bernard Haitink ist gestern, Donnerstag, in seinem Haus in London im Alter von 92 Jahren gestorben. Das melden zahlreiche internationale Medien unter Berufung auf Haitinks Management. Haitink war 27 Jahre lang Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters und einer der weltweit gefragtesten und renommiertesten Dirigenten.

Aktualisiert am 22. Oktober 2021 | 11:46
Bernard Haitink 2019 bei einem Konzert zum 90. Geburtstag
Bernard Haitink 2019 bei einem Konzert zum 90. Geburtstag
Foto: APA/AFP

Nach seinem Abschied aus Amsterdam 1988 leitete er 14 Jahre lang die Royal Opera in London. Er war musikalischer Leiter des Opernfestivals in Glyndebourne, Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden und des Chicago Symphony Orchestra. Er war Ehrenmitglied u.a. der Wiener Philharmoniker, die er seit 1972 mehr als 100 Mal dirigiert hatte, der Berliner Philharmoniker und des Chamber Orchestra of Europe. 2019 hatte er offiziell seine Karriere beendet.

Die Wiener Philharmoniker trauerten am Freitag um ihr Ehrenmitglied. "Im Rahmen unserer gemeinsamen Tournee 2019 dirigierte er die letzten offiziellen Konzerte seiner reichen Karriere. Wir sind sehr dankbar, das gemeinsam erlebt haben zu dürfen. Es waren tief bewegende und unvergessliche Momente", hielten Vorstand Daniel Froschauer und Geschäftsführer Michael Bladerer in einem der APA übermittelten Statement fest: "Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele, würdigte Haitink ebenfalls. Die Musikwelt verliere "eine der großen Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit. Groß in seiner musikalischen Aufrichtigkeit, groß in seinem musikalischen Ethos". Insbesondere mit seinen Bruckner- und Mahlerinterpretationen habe Haitink bei den Salzburger Festspielen Maßstäbe gesetzt - "ganz und gar unvergesslich und bewegend sein letztes Festspielkonzert mit Bruckners 7. Symphonie zum Abschluss der Festspiele 2019", so Hinterhäuser in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Die Musikwelt hat einen der ganz Großen verloren. Er wollte nie triumphieren, aber wahrscheinlich sind ihm gerade deshalb solche Triumphe mit seinen Interpretationen gelungen", ergänzte Festspiele-Präsidentin Helga Rabl-Stadler: "Die Festspiele sind dankbar, dass wir ihn in Salzburg haben durften. Durch sein Werk lebt er in uns fort."

Auch die Sächsische Staatskapelle Dresden, deren Chefdirigent Haitink von 2002 bis 2004 war, bekundete ihre Trauer. In dieser Zeit habe er dem Orchester "wichtige Impulse in einer schwierigen Phase" gegeben, erklärte der Orchesterverband. Der derzeitige Dresdner Chefdirigent Christian Thielemann meinte: "Seine langjährige Zusammenarbeit mit den weltbesten Klangkörpern, wie seine Operntätigkeit in Covent Garden, haben unauslöschliche Spuren hinterlassen. Ich habe ihn sehr verehrt und oft seine Konzerte gehört."

Die Mailänder Scala reagierte ebenfalls auf den Tod "einer der führenden Persönlichkeiten der Musikwelt". Obwohl Haitink zurückhaltend gewesen sei und nicht oft in den Medien aufgetreten sei, sei er vom Publikum auf der ganzen Welt verehrt worden. "Seine Konzerte waren die am meisten erwarteten Veranstaltungen bei großen internationalen Festivals", hielt das Opernhaus fest.