Machtkampf in Venezuela erreicht neuen Höhepunkt

Erstellt am 30. April 2019 | 21:37
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Guaido bat seine Anhänger um Unterstützung
Guaido bat seine Anhänger um Unterstützung
Foto: APA/ag.
Zahlreiche Einwohner der venezolanischen Hauptstadt Caracas sind am Dienstag dem Aufruf der Opposition gefolgt und haben sich auf einer Autobahn am Rand des Luftwaffenstützpunktes La Carlota versammelt. Mehrere Soldaten der Nationalgarde schlossen sich ihnen an. Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte lieferten sich in der Hauptstadt Caracas schwere Auseinandersetzungen.

Vermummte Regierungsgegner griffen am Dienstag gepanzerte Militärfahrzeuge an. Ein Panzerwagen raste in die Menge, wie im kolumbianischen Fernsehsender RCN zu sehen war. Ob dabei Demonstranten verletzt wurden oder ums Leben kamen, war zunächst unklar. Nahe dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota schleuderten Demonstranten Steine auf Nationalgardisten auf Motorrädern. Die Sicherheitskräfte feuerten Tränengaskartuschen in die Menge.

Zuvor hatte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. Abtrünnige Soldaten befreiten zudem den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest.

"Wir machen die Opposition für jede Art der Gewalt und des Blutvergießens verantwortlich", sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino im Fernsehsender VTV. "Wir fordern sie auf, die gewalttätigen Aktionen einzustellen." In seiner vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede sagte Padrino, umringt von zahlreichen hochrangigen Militärs, von der Opposition begangene Gewaltakte seien zum Teil niedergeschlagen worden. Die Militärführung stehe loyal zur Verfassung.

Das russische Außenministerium beschuldigte die Opposition in Venezuela der Gewalttätigkeit. Russland unterstützt das Regime von Präsident Maduro und liefert Waffen in das südamerikanische Land. Moskau beschuldigt die USA, die Regierung Maduros untergraben zu wollen. Die radikale Opposition in Venezuela habe neuerlich zu gewaltsamen Methoden gegriffen anstatt nach einer friedlichen Lösung der politischen Differenzen zu suchen, hieß es in einer Stellungnahme des russischen Außenamts.

Auch US-Präsident Donald Trump verfolgt eigenen Worten zufolge die Entwicklungen. "Ich beobachte die Lage in Venezuela sehr genau", schrieb Trump am Dienstag auf Twitter. Die USA stünden an der Seite des venezolanischen Volkes, fügte er hinzu.

Sein nationaler Sicherheitsberater John Bolton erklärte wenig später, dass die USA einen friedlichen Machtübergang in dem Land wollten. Er betonte zugleich aber, dass weiterhin alle Optionen auf dem Tisch lägen.

Die USA halten die Opposition seit langer Zeit für die legitime Kraft in Venezuela und versuchen, Kräfte im mächtigen Militär zur Abkehr von Präsident Maduro bewegen. Washington erkennt Guaidó als legitimen politischen Führer Venezuelas an und hat gegen die Regierung Maduros erhebliche Sanktionen verhängt.

UNO-Generalsekreter Antonio Guterrres rief unterdessen die Konfliktparteien in Venezuela zu maximaler Zurückhaltung auf. Alle Beteiligten sollten Gewalt vermeiden und Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ruhe ergreifen.