St. Pölten

Update am 22. Juni 2018, 12:07

von APA Red

Kika/Leiner: Einigung und Happy End. Der Verkauf der Möbelhäuser Kika und Leiner und der damit verbundenen Immobilien an die Signa-Gruppe des Immobilienentwicklers Rene Benko ist unter Dach und Fach.

Der Verkauf ist offenbar gelungen  |  APA

Nachdem der Verkauf von Kika/Leiner an die Signa Gruppe des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko nun offiziell fixiert ist, verfügt die Möbelkette auch demnächst wieder über eine Warenkreditversicherung. Die Verträge mit dem Warenkreditversicherer würden heute unterzeichnet und alle Lieferanten noch am Abend per Brief informiert, sagte Kika/Leiner-Chef Gunnar George am Freitagvormittag zur APA.

Den Namen des Warenkreditversicherers wollte George auf Nachfrage nicht nennen. Anfang Juni hatte der deutsche Versicherer Euler Hermes entschieden, etwaige Forderungsausfälle für Kika/Leiner-Lieferanten nicht mehr abzusichern. Ohne Warenkreditversicherung können Hersteller ihre Lieferungen nur auf eigenes Risiko oder gegen Vorkasse an den Händler liefern. Der Rückzug von Euler Hermes hatte Kika/Leiner neben der Krise der Konzernmutter Steinhoff zusätzlich unter Druck gebracht. Aufgrund der finanziell angespannten Lage verkaufte Steinhoff die heimische Möbelkette in einer Notaktion an Signa.

Auch die Ende Juni fälligen Urlaubsgelder für die rund 5.000 Mitarbeiter in Österreich können zeitgerecht ausgezahlt werden, bestätigte der Kika/Leiner-Chef. In den nächsten zwei bis drei Wochen müssen noch die Wettbewerbshüter dem Deal zustimmen. Es wird aber nicht mit Widerstand der Behörden gerechnet, da Signa bisher nicht im Möbelhandel tätig ist.

Nach dem grünen Licht der Wettbewerbshüter wollen die neuen Eigentümer mit der Kika/Leiner-Geschäftsführung ein "umfassendes Sanierungs- und Zukunftskonzept" erarbeiten. Es gehe darum, die Flächenproduktivität zu steigern. Zuletzt waren die Umsätze rückläufig.

Der normalerweise im Juni publizierte Jahresabschluss von Kika und Leiner wird sich aufgrund der Bilanzierungsschwierigkeiten der ehemaligen Mutter Steinhoff wahrscheinlich bis Ende des Jahres verzögern, erwartet der Kika/Leiner-Chef. Erst wenn Steinhoff eine Bilanz lege, könne Kika/Leiner dies auch tun.

Wir hatten Freitagfrüh berichtet:

Was am Donnerstag knapp vor Mitternacht erst von den Anwälten mitgeteilt wurde (siehe ganz unten), wird inzwischen auch von Sprechern bestätigt. Mehr Informationen soll es heute um 8.30 geben.

Wobei der Prozess einmal mehr gezeigt hat: eine Frist ist dehnbar. Offiziell war für dieses Geschäft der Dienstagabend als letzte Chance auf eine Einigung ausgerufen worden - geworden ist es dann der Donnerstagabend. Dass alle Beteiligten ruhig geblieben sind, hatte gute Gründe: Zuletzt ging es stundenlang nur mehr um die notarielle Beglaubigung, wofür der Text allen Anwesenden vorgelesen wurde, hieß es aus Verhandlungskreisen. Nur wegen einem zeitraubenden Formalakt hätte niemand den Deal platzen lassen wollen.

Ein Grund für die Länge der Verhandlungen lag im Ausland: Hedgefonds in London hätten gerne aus der Verwertung der Immobilien mehr Geld herausgeholt. In den Medien werden 450 bis 500 Mio. Euro als Kaufpreis dafür kolportiert. Die Hedgefonds hätten "relativ lange Widerstand geleistet", hieß es am Donnerstag zur APA. Deren Pläne hätten aber das Ende für die operativen Firmen Kika und Leiner und die Jobs der gut 5.000 Mitarbeiter bedeutet.

Signa habe diese aber überzeugen können, dass die Weiterentwicklung der Immobilien ohne die Mieter Kika und Leiner nicht so einfach gewesen wäre. Denn von den 46 Immobilien plus 22 Objekten in Osteuropa seien nicht alle in guten städtischen Lagen. Für einen Hedgefonds in London wäre aber eine Immobilie in Gleisdorf oder Mistelbach schwer zu Geld zu machen. Da stecke viel Arbeit und Know-how dahinter. "Das schaut in einem Excel-Sheet nett aus, aber das muss man erst in der Realität kalkulieren und einschätzen können."

So bleibt nun die Hoffnung der Kika- und Leiner-Mitarbeiter auf den Erhalt ihres Jobs. Signa hat allerdings noch keinen konkreten Plan bekanntgegeben, wie man mit dem neuen Tochterunternehmen weitermachen will. Es ist also unbekannt, wie das neue Konzept aussieht und ob es möglicherweise auch zu Standortschließungen führt. Österreich hat sich aber auf jeden Fall eine Großpleite, die 5.000 Jobs bedroht hätte, erspart.