Wiener Zöllner stoppen Reisebus voll mit Fälschungen. Bei der Kontrolle eines Fernreisebusses staunten die Beamten der Zollaufsicht nicht schlecht: Der Laderaum des Fahrzeuges war bis obenhin mit gefälschter Designerware vollgestopft. 570 gefälschte Luxus- und Designerwaren im Originalwert von knapp einer Million Euro wurden beschlagnahmt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. Dezember 2019 (12:20)

Diese Fahrzeugkontrolle wird dem Team der Operativen Zollaufsicht Wien noch länger in Erinnerung bleiben: der gesamte Gepäckladeraum eines zur Kontrolle ausgewählten Fernreisebusses war bis oben hin mit gefälschter Designerware vollgestopft – auch die Innenräume und Sitzreihen waren nicht nur mit Reisenden, sondern auch mit illegal eingeführten Mitbringseln besetzt. So sollten neben rund 400 Kilogramm Lebensmitteln auch 570 gefälschte Luxusartikel im Wert von nahezu 1.000.000 Euro durch Österreich nach München transportiert werden.  

Stopp in der Simmerhinger Haide

Mitte November hatten die Zöllner den Reisebus aus der Türkei auf der A4 Höhe Simmeringer Haide zur Prüfung ausgewählt und zur intensiven Überprüfung in die Kontrollhalle des Zollamts Wien geleitet. Tausende Verkehrsmittel befördern täglich Personen und Waren nach, durch und innerhalb von Österreich sowie der gesamten Europäischen Union. Aufgabe der Operativen Zollaufsicht sind vorrangig mobile Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen zur Aufdeckung illegaler Warenbewegungen. Die entsprechend geschulten Zöllner erarbeiten auch Risikoanalysen aufgrund ihrer Erfahrungswerte sowie auf Basis nationaler und internationaler Trends.

Das Risikoprofil erwies sich in diesem Fall mehr als treffsicher. Aufgegriffen wurden

  • 1.000 Stück Zigaretten, 
  • 142 kg Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und Fleischprodukte, 
  • 266 kg Honig (teils auch in Waben),
  • 120 kg Nüsse sowie
  • Souvenirartikel für einen namhaften österreichischen Tourismusort und diverse Elektronikwaren.

Die Lebensmittel wurden aufgrund geltender Einfuhrbeschränkungen zur Vermeidung der Einschleppung von Tierseuchen sowie ihrer Verderblichkeit umgehend vernichtet. Wegen dieser zollrechtlichen Verstöße wurden von den diensthabenden Zöllnern vor Ort Strafen in der Höhe von insgesamt rund 4.000 Euro verhängt.

570 Stück gefälschter Designertextilien

Zusätzlich stellte sich der Aufgriff von 570 Stück gefälschter Designertextilien und Luxusartikeln als absolutes Highlight der Kontrolle dar. Der gesamte Gepäckraum des Busses war mit Waren im Originalwert von nahezu einer Million Euro beladen.

Hier wurden ausschließlich Fälschungen von Artikeln des gehobenen Luxussegments transportiert, beispielsweise

  • 91 nachgemachte Winterjacken der italienischen Luxusdesignerbrand Moncler,
  • 14 Uhrenplagiate der Luxusmarke Rolex,
  • 11 Handtaschen-Fälschungen von Gucci über Hermes und Louis Vuitton,
  • 104 gefälschte Jeans von Dsquared2, Armani und Versace
  • 93 Pullover von D&G, LV Supreme oder Gucci

sowie weitere Textilien, die vorgeben, aus Luxusdesignhäusern zu stammen.

Beamte der Zollwache vor der gefälschten Ware.
Bundesministerium für Finanzen

Gegen die beiden 47-Jährigen sowie gegen den 58-Jährigen Fahrer aus der Türkei wurden Finanzstrafverfahren wegen Schmuggels eröffnet. Darüber hinaus wurde einer der Fahrer an die Polizei übergeben, da er zur Fahndung ausgeschrieben war.

Die noch andauernden Ermittlungen der Zollfahndung werden das gebührende Strafmaß für die Schmuggler ergeben. Grundsätzlich ist Schmuggel mit einer Geldstrafe bis zum Zweifachen des auf die Waren entfallenden Abgabenbetrages zu ahnden. Neben einer Geldstrafe stehen – je nach strafbestimmendem Wertbetrag – Freiheitsstrafen zwischen zwei und vier Jahren im Raum. Bei den Rechteinhabern der Luxusmarken liegt nunmehr die Entscheidung, ob sie die aufgegriffenen Waren für den Verfall und damit der Vernichtung durch den Zoll freigeben oder selbst Verfahren gegen die Täter eröffnen.

Tipp: Kaufen Sie bei seriösen Händlern!

Im Bereich von Bekleidung und Schuhen betragen die Umsatzeinbußen aufgrund von Fälschungen allein in Österreich 587 Millionen Euro pro Jahr, wie das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) empirisch erfasst hat.

„Für Unternehmen ist geistiges Eigentum ein zentraler Wertschöpfungsfaktor und treibende Kraft für ihren Erfolg auf wettbewerbsorientierten Märkten“, erklärt Gerhard Marosi, Produktpiraterieexperte im Bundesministerium für Finanzen und rät weiter. „Doch auch die Kunden, die gerade in der Vorweihnachtszeit vielleicht auch Geschenke für Ihre Lieben kaufen, sollten auf die Herkunft der von Ihnen gekauften Produkte achten und beim Kauf auf seriöse Quellen vertrauen! Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch Produktfälschungen nämlich getäuscht und sind mitunter auch Gefahren für ihre Gesundheit und ihre Sicherheit ausgesetzt, wenn etwa billigst produzierte Bekleidungsplagiate gefährliche, in der EU verbotene Chemikalien enthalten.“