Stockerau

Erstellt am 14. Juni 2018, 15:57

von NÖN Redaktion

Von Stockerau an die ÖGB-Spitze. Mit 91,6 Prozent wurde Wolfgang Katzian beim Bundeskongress zum Gewerkschaftspräsidenten gewählt.

Wolfgang Katzian ist der neue Chef  |  APA

Er ist im Gewerkschaftsapparat groß geworden, seit Donnerstag ist er offiziell ÖGB-Präsident. Wolfgang Katzian (62) erhielt bei der Wahl beim 19. ÖGB-Präsidenten 91,6 Prozent der Delegiertenstimmen. Der gebürtige Stockerauer ist damit Nachfolger von Erich Foglar.

"Wir sind keine Hosenscheisser"

Mit dem jetzigen Wiener, der in einer Bank gelernt hat und in der Privatangestellten-Gewerkschaft seine Hausmacht hat, kommt ein scharfzüngigerer Mann ("wir sind keine Hosenscheisser") an die Spitze des 1,2 Millionen Mitglieder zählenden Vereins Gewerkschaftsbund. Gleichzeitig ist Katzian als Sozialpartner aufgewachsen, der mit einer Mischung aus öffentlichem Druck und Deals am Verhandlungstisch mit Wirtschaftsvertretern und ÖVP Fortschritte erreicht hat.

91,6 Prozent zeigen im ÖGB aber auch, dass es manche gegeben hat, die lieber einen anderen als Foglar-Nachfolger gesehen hätten.  Christgewerkschaftschef Norbert Schnedl erhält als wiedergewählter ÖGB-Vizepräsident 95,9Prozent, die neue Vizepräsidentin ÖGB-Frauenchefin Korinna Schumann 97,5 Prozent.

Kraftprobe um den 12-Stunden-Tag steht bevor

Katzian tritt sein Amt mitten in der größten Kraftprobe mit der Bundesregierung seit 15 Jahren an - damals wurde gegen die Pensionsreform der schwarz-blauen Koalition demonstriert und gestreikt. Jetzt steht der Widerstand gegen die Erlaubnis zum 12-Stunden-Arbeitstag und zur Sozialversicherungsreform im Mittelpunkt - und Kampfmaßnahmen stehen im Herbst im Raum.

ÖVP und FPÖ drücken nicht umsonst bei dem 12-Stunden-Tag gerade jetzt aufs Tempo bei den Verhandlungen. Den Arbeitnehmern wollen sie das mit einer Verankerung der Vier-Tage-Woche schmackhaft machen. Diese hat Katzian auch schon vor einem Jahrzehnt propagiert.