Was passiert nun mit der Dorfschule?. Henndorfer und Elternteil Christof Spörk und Jennersdorf-Bürgermeister Reinhard Deutsch erklären ihre Sicht.

Von David Marousek. Erstellt am 17. September 2020 (05:33)
So könnte die sanierungsbedürftige Volksschule in Henndorf nach einem Umbau mit Zubau aussehen. Die Arbeiten würden rund ein Jahr dauern.
Frank/Halb

Die über 134 Jahre alte Volksschule auf dem markanten Hügel zwischen Königsdorf und Jennersdorf ist in die Jahre gekommen. Für den Weitererhalt wäre nun eine Sanierung notwendig. Innerhalb der Gemeinde ist man sich uneinig. Beide Gesprächsteilnehmer wussten noch nicht vom neuen Pflichtschulgesetzesentwurf.

BVZ: Was wären die Vorteile, die eine Sanierung mit Zubau bringen würde? Was wären die Nachteile?

Christof Spörk: Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit einem Zubau könnten wir aus dem Henndorfer Schulgebäude ein vierfach nutzbares, nachhaltiges Vorzeigeprojekt machen. Erstens, eine renovierte Dorfschule. Zweitens ein Dorfzentrum, wo Kurse für die Bevölkerung angeboten werden können. Drittens einen feinen Veranstaltungsraum für Kleinkunst, Kabarett und Musik bis rund 100 Gäste. Viertens einen Seminarraum, der zusätzlich zahlungskräftige Gäste in unsere Region bringt.

Der Nachteil? Der Zubau kostet 140.000 Euro extra. Ohne diesen Zubau würde die Sanierung des Altbestandes trotzdem 460.000 Euro kosten. Der kann dann aber auch nichts, außer Schule. Ist das vernünftiger? Ich bezweifle es. Damit dieses Pilotprojekt funktioniert, haben wir der Gemeinde angeboten, mit „HennSchui“ eine Dachmarke und einen Verein zu schaffen, der das alles umsetzt.

Reinhard Deutsch : Die Volksschule Henndorf hat für die Stadtgemeinde Jennersdorf einen historischen Wert. Die Schule ist mittlerweile mehr als 130 Jahre alt. Da jedoch viele Einrichtungen von Grund auf fehlen, die laut burgenländischer Schulbau- und Einrichtungsverordnung Voraussetzung für den Betrieb einer Schule sind, wäre durch den Um- und Zubau eine zweckmäßige Nutzung des Gebäudes möglich. In zahlreichen Gesprächen mit Architekten und Elternvertretern war man sich im Wesentlichen einig, dass die äußere Hülle in seiner jetzigen Form bestehen bleiben soll. Allerdings – und damit wären wir bei den Nachteilen – stehen die zu erwartenden Kosten in keiner Relation zum Nutzen des Gebäudes. Der Um- und Zubau wird von den Planern mit 600.000 Euro beziffert und die Einrichtung mit 100.000 Euro. Dazu kommt noch die Heizung mit rund 180.000 Euro. Dies soll eine Hackschnitzelanlage sein, mit der man auch das benachbarte Feuerwehrhaus versorgen kann. Ich weiß, dass diese Heizung etwas teurer wäre als eine Einzelanlage, aber ich habe den Planern diese Variante aus ökologischen Gründen vorgeschlagen und weil man damit Synergien nutzen und für die Heizanlage zusätzliche Fördermittel lukrieren könnte.

BVZ: Was passiert mit dem Gebäude, falls es in Henndorf zu wenige Schülerinnen und Schüler gibt und die Schule geschlossen wird?

Spörk: Dann wäre das Gebäude immer noch das Dorf-, Kultur-, und Seminarzentrum „HennSchui“. Es soll Jennersdorf nichts Schlimmeres passieren.

Dennoch halte ich die Schulkinderdiskussion für verfehlt. Die Politik tut so, als wüsste sie genau, wie viele Kinder in fünf Jahren in Henndorf schulberechtigt sind. Und blendet dabei aus, dass jetzt schon sieben von zwölf Kinder in Henndorf Eltern haben, die zumeist gerade erst zugereist sind. Zwei davon im letzten Jahr. Gerade für uns Zugereiste sind Kleinschulen und jahrgangsübergreifender Unterricht kein Problem, sondern ein Grund mehr, herzuziehen. Anders gesagt: Kleinschulen sind ein Standortvorteil für die Region, den wir hegen und pflegen sollten.

Deutsch : Beim ersten Zusammentreffen habe ich den Elternvertretern die Erhebung der Geburtenjahrgänge vorgelegt, wonach wir in vier Jahren und in den Folgejahren die Mindestanzahl von zehn Schülern bei weitem nicht mehr erreichen werden. Zudem kommen jetzt schon Rückmeldungen von Eltern, die ihr Kind in Jennersdorf zur Schule schicken wollen, weil diese in der Stadt schon den Kindergarten besuchen und Freundschaften geschlossen haben. Die Grundidee der Elternvertreter war, ein gemeindeübergreifendes Pilotprojekt zu starten, bei dem auch Schüler aus den umliegenden Gemeinden die Möglichkeit haben sollen, die Henndorfer Schule zu besuchen. Ein solches Konzept kann man für eine elternfinanzierte Privatschule andenken, nicht aber für diese Schule, für deren Erhaltung allein die Stadtgemeinde Jennersdorf zuständig ist. Die Nachbargemeinden sollten also einen Schulerhaltungsbeitrag leisten, dem diese nicht zustimmen werden, weil sie ihre eigenen Volksschulen erhalten müssen. Was also mit dem Gebäude im Falle einer Schulschließung geschehen soll, wird der Gemeinderat nach Gegenüberstellung aller Fakten bereits jetzt vor der Sanierung entscheiden müssen.

In Minihof-Liebau wird das Gasthaus Hirtenfelder durch die OSG umgebaut. Dort entstehen unter anderem neben Wohnungen auch ein Kultursaal für die Gemeinde. Wäre das im Falle einer Schließung eine Option?

Spörk : Alles ist eine Option! Lasst uns zusammenkommen und gemeinsam das Beste für Henndorf und Jennersdorf finden. Aber lasst uns dabei auch in Ruhe darüber nachdenken, wo wir Jennersdorf in zehn, zwanzig Jahren sehen wollen. Das Mutter Teresa-Haus haben, so erzählt man mir, auch nicht alle begrüßt und bejubelt. Und dennoch wurde aus einer gewagten Idee ein Projekt, ohne das Jennersdorf heute gar nicht zu denken ist.

Deutsch : Das sind ungleiche Voraussetzungen. In Minihof-Liebau ist bereits ein großer Saal vorhanden, in den nicht erst investiert werden muss und den die Gemeinde auch bisher schon nutzen konnte. Zudem wird es dort wieder im selben Gebäude einen Gastronomiebetrieb geben, der das Objekt und die ganze Umgebung aufwertet. Aufgrund meiner Erfahrungen mit der OSG stellt diese bei ihren Projekten eine strenge Kosten-Nutzen-Rechnung an und investiert für Jahrzehnte. Ich wage zu bezweifeln, dass das Projekt „HennSchui“ eine Kosten-Nutzen-Prüfung der OSG bestehen würde. Doch wenn sich der Gemeinderat mehrheitlich für die Umsetzung dieses Vorhabens ausspricht und wir das OK von der Bildungsdirektion und der Gemeindeaufsicht bekommen, wird mit der Detailplanung und Umsetzung begonnen. Als Bürgermeister ist man ja nicht Alleinherrscher, sondern dem Willen der Bürgerinnen und Bürger, der sich über das Abstimmungsverhalten der Gemeinderäte ausdrückt, verpflichtet.

Jennersdorf steht, stand jetzt, ohne Kulturzentrum für Kulturveranstaltungen da. Wie sieht hier eine Lösung aus?

Spörk : Man wird es mir verzeihen, dass mir als Kulturschaffenden das Herz blutet, wenn Jennersdorf die einzige Bezirkshauptstadt Österreichs ist, die kein Kulturzentrum hat. Und mit Verlaub, eine zukünftige Sporthalle ist kein Ort für echte Kultur. Man spielt ja auch nicht Volleyball in einem Kulturzentrum. Deswegen halte ich es für einen Glücksfall, wenn im Konzept „HennSchui“ Kulturarbeit so prominent vorkommt. Nicht nur für Henndorf. Sondern für ganz Jennersdorf. Und das zu sehr überschaubaren Kosten.

Deutsch : Im Herbst 2018 musste ich das Kulturzentrum aufgrund massiver Mängel und da es keine Bewilligung als Veranstaltungsstätte durch die Bezirkshauptmannschaft hatte schließen. Als Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat wurden drei Gutachten in Auftrag gegeben, die alle im Wesentlichen zum selben Ergebnis kamen. Wir hätten für 350 Sitzplätze 2,9 Millionen Euro investieren müssen. Obendrein fehlen an diesem Standort die erforderlichen Parkplätze. Als Alternative und bereits in Planung ist eine Multifunktionshalle, die den Bedürfnissen der Vereine entspricht. Dieser Bau soll hauptsächlich als Sporthalle genutzt und mit einer Tribüne für 600 Zuseher ausgestattet werden. Selbstverständlich soll auch eine Nutzung für Kulturveranstaltungen und kleinere Events möglich sein. Diese Halle wird zurzeit mit sechs Millionen Euro netto kalkuliert. Dazu kommt, dass man dieses Projekt über eine Tochtergesellschaft des Landes Burgenland abwickeln kann, die natürlich entsprechende Förderungen auf Bundes- und Landesebene lukrieren kann. Diese Fördermittel sind von den Baukosten in Abzug zu bringen.

Was soll ihrer Meinung nach, ungeachtet von Entscheidungen des Gemeinderates, mit der Volksschule Henndorf passieren?

Spörk : Wer genau hinschaut, erkennt in der Volksschule Henndorf ein eigentlich sehr schönes Gründerzeithaus. Genau in der Mitte des Ortsteils. Neben der Feuerwehr. An der Bundesstraße. Mit öffentlichem Parkplatz. Es sollte also etwas entstehen, was unserem Zusammenleben, der Lebensqualität und somit unserer Gemeinschaft dient. Und was das Gebäude betrifft: Ich sehe die Henndorfer Volksschule als kleinen hässlichen Frosch, der einmal wachgeküsst, ein begehrenswerter Prinz sein könnte, um den uns noch viele beneiden werden.

Deutsch : Meine persönliche Empfehlung wäre, unter Berücksichtigung der Fassade entsprechend attraktive Start-up-Wohnungen für junge Leute zu errichten. Dies wäre eine Möglichkeit, das Gebäude mit verhältnismäßig geringen Mitteln instand zu setzen und zugleich unserer Jugend einen leistbaren Einstieg in die Selbstständigkeit zu ermöglichen.