Hochwasserschutz Jennersdorf: Wie man Herr der Wassermassen wird

Für 2022 und 2023 sind mehrere Hochwasserschutzmaßnahmen geplant. Doch wie werden solche Regulierungen eigentlich entschieden und berechnet? Gerald Mikovits erklärt im Gespräch.

Erstellt am 25. November 2021 | 05:59

Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, dass die Stadtgemeinde 700.000 Euro im kommenden Budget einplanen möchte, um den Wassermassen im Ostteil der Stadt ein Ende zu setzen. Bis jetzt standen bei Starkregen immer wieder Teile Jennersdorfs inklusive Wohnungskeller unter Wasser, vor allem in der Hans-Ponstingl-Gasse und rund um das Gymnasium und die Mittelschule.
Mit bei der Gemeinderatssitzung war auch der Güssinger Gerald Mikovits, der mit seinem technischen Büro für die Planung, Simulation und Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen zuständig ist.

Jahrhundertregen als Grad der Messung

„Man nimmt ein 100-jähriges Regenereignis her bei den Simulationen. Der Schutz wird für so etwas oft dimensioniert“, so Mikovits. Konkret sieht man sich aktuell den Ostbereich der Stadt an. Darüber wird dann via Software ein Geländemodell des Land Burgenlandes drüber gelegt. „Das wird per Befliegung alle paar Jahre neu erstellt. Die letzte Befliegung war 2016. Ich nehme an, nach Fertigstellung der S7 wird es wieder eine geben“, so Mikovits.

Anschließend werden noch die eigens erhobenen Daten wie beispielsweise bei Brücken, welche aus der Luft wie feste Objekte ohne Durchfluss aussehen, hinzugefügt. Dann beginnt auch schon die Simulation des Regens über einen gewissen Zeitraum. „Da sieht man dann den Abfluss und die Fließwege. Pfeile zeigen in der Simulation an, in welche Richtung das Wasser fließt und wie stark“, erklärt der Wasser-Experte. Anschließend werden die Hochwasserschutzmaßnahmen in das Geländemodell eingezeichnet und erneut die Simulation, welche mehrere Stunden dauert, gestartet.

„So sehen wir dann die Maßnahmen und ihre Auswirkungen“, führt Mikovits an. Dabei versucht man immer die großen Wasserstaupunkte von den Siedlungsgebieten wegzubringen.

Schlussendlich kam man dann auf mehrere Schutzmaßnahmen. Ein zirka 2,5 Meter hoher Damm in der Nähe der Waldgasse, sowie ein Rückhaltebecken mit mehreren tausend Kubikmeter Fassungsvermögen. Insgesamt zwei Querdämme in der Nähe des Biotops als Rückhaltebecken und noch ein kleines Retentionsbecken bei der Mittelschule. Die Arbeiten sind dann größtenteils Baggerarbeiten mit Erde, Beton und Kanal. „Im Siedlungsgebiet wird es dann auch eine verbesserte Straßenentwässerung geben“, erklärte Mikovits.

Die Maßnahmen sind größtenteils für 2022 und 2023, je nach Fortschritt der Förderungen und Bewilligungen geplant.