Eric Hafner musste Gedenkdienst in Rom abbrechen. Eric Hafner aus St. Martin an der Raab musste seinen Gedenkdienst in Rom aufgrund der Coronakrise abbrechen. Er arbeitet nun von zu Hause aus weiter.

Von Eva-Maria Leeb. Erstellt am 31. Mai 2020 (05:19)
Besuch in Auschwitz. Eric Hafner aus St. Martin an der Raab mit Historiker Marcello Pezetti, der Bürgermeisterin von Rom Virginia Raggi und Andra Bucci, einer Auschwitzüberlebenden.
Hafner

Der 20-jährige Eric Hafner aus St. Martin an der Raab wagte nach der Matura den Schritt ins Ausland. In Form eines Zivilersatzdienstes leistete er einen Gedenkdienst an der „Fondazione Museo della Shoah“. Als Italien vom österreichischen Außenministerium auf Sicherheitsstufe 6 gesetzt wurde, musste er seine Einsatzstadt umgehend verlassen, konnte aber mit dem letzten Zug noch über Venedig nach Österreich zurückkehren.

Arbeit geht nun von zu Hause aus weiter

Glücklicherweise gibt es für ihn die Möglichkeit, auch von zuhause aus für das Museum zu arbeiten. Im Moment beschäftigt er sich mit dem Projekt „Resistenza“, also Widerstand. Dabei recherchiert er zu jüdischen Partisanen und Partisanengruppen, die sich gegen die Nationalsozialisten und Faschisten auflehnten. Dieser Widerstand wurde von vielen auch als Teil des Klassenkampfes gesehen, da die Bewegung stark von Arbeitern getragen war und sich auch gegen die Industriellen richtete, von denen viele mit Mussolini und seinen Anhängern sympathisierten. Ihr Kampf war nicht nur für Italien, sondern für ein freies, unabhängiges Land, ohne Faschisten oder Nationalsozialisten. All jene die sie geduldet hätten, wären ohne Platz gewesen.

Für Juden stellte eine Beteiligung eine große Gefahr in mehrfacher Hinsicht dar, da sie zu einer ohnehin gefährdeten und gesuchten Zielgruppe der nationalsozialistischen Besatzer und der faschistischen Marionettenregierung zählten. „Es ist sehr bemerkenswert, dass sich die jüdische Bevölkerung trotz der Verfolgung sich gegen das Regime gewehrt hat. Damit haben sie sich einem doppelten Risiko unterzogen“, erklärt Hafner. Denn als Partisanen und Teil des Widerstands waren sie noch zusätzlich Teil einer Gruppe, deren Mitglieder von fast allen Kriegsparteien gesucht und häufig hingerichtet wurden. Aus seinen Recherche-Ergebnissen soll möglicherweise eine Ausstellung oder eine eigene Website entstehen. Mit seiner Arbeit kann der 20-Jährige nicht nur sich selbst weiterbilden, sondern auch einen sehr wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus und Faschismus in Italien leisten.

Begegnung mit einem Holocaust-Überlebenden

Zusätzlich zu diesem Forschungsprojekt lernte er, das Archiv für Recherchezwecke zu nutzen, Ausstellungen zu organisieren und konnte außerdem seine Sprachkenntnisse verbessern. Dazu konnte Hafner auch immer wieder spannende Kontakte knüpfen. So hatte er beim Besuch der österreichische Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka die Gelegenheit, ihn zu treffen. Durch seinen Gedenkdienst kam Hafner auch in Kontakt mit mehreren Holocaust-Überlebenden. Besonders beeindruckend war die Begegnung mit Andra Bucci, die als kleines Mädchen das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. „Die Arbeit an der ‚Fondazione Museo della Shoah‘ hat mein Leben sehr bereichert. Müsste ich mich noch einmal entscheiden, würde ich wieder einen Gedenkdienst an dieser Einsatzstelle leisten“, so Hafner.