England, Belgien und zurück nach Grieselstein. Melitta Petr wagte früh den Sprung ins Ausland. Nun zog die Covid-19-Krise die gebürtige Grieselsteinerin wieder zurück in die Heimat. Jedoch nicht für immer.

Von David Marousek. Erstellt am 05. Juli 2020 (05:23)
Ihr Job führte sie schon an zahlreiche Orte. Hier sieht man im Hintergrund das Wasserschloss im englischen Leeds. Einst ein Zufluchtsort für zahlreiche adelige Staatsmänner. Unter anderem auch für König Heinrich VIII.
BVZ

Die Auswirkungen der Covid-19-Krise erlebte Melitta Petr hautnah. Mit dem letzten Flugzeug wollte die Grieselsteinerin von England den Heimflug über Amsterdam antreten. „Ich war 18 Stunden lang unterwegs. Aber am nächsten Tag ging gar nichts mehr auf den Flughäfen“, erklärte sie. Bei der Ankunft wurde es kurios: „Wir mussten alle einzeln aus dem Flugzeug aussteigen, aber im Shuttlebus zum Gate waren wir alle eng nebeneinander.“ Anschließend ging es erst einmal zwei Wochen in Heimquarantäne. Zurück kam sie vor allem, um auf ihre Mutter zu schauen, die direkt neben ihr wohnt. „Ich bin mit 18 ausgewandert, jetzt habe ich mit Corona erst einmal Schluss gemacht und will etwas bei ihr bleiben“, erklärte Petr.

BVZ

Seit 18. März ist die Grieselsteinerin wieder in ihrem Heimathaus angekommen. Im Jennersdorfer Restaurant Raffel lernte sie damals als Servicekraft. Direkt nach der abgeschlossenen Lehre ging es in Richtung Schweiz. In weiterer Folge ging es für 24 Jahre nach Belgien und in den letzten Jahren wohnte Melitta Petr in England. Die Sprachen um sich zu verständigen, für Belgien unter anderem Flämisch und Französisch, hat sie sich alle angelernt. „Ich denke mittlerweile auf Englisch, zähle aber auf Flämisch“, lacht die Heimkehrerin. Die Grieselsteinerin machte außerdem eine Ausbildung im sozialen Bereich, war Kontrolleurin bei den ÖBB und holte sich die Pub-Lizenz, eröffnete es jedoch nie. Am Ende blieb sie bei ihrem Traumjob als Reiseführerin hängen.

Als Reiseführerin fast ständig ausgebucht

In den letzten zehn Jahren gab Melitta Petr in ihrem Beruf als Reiseleiterin zahlreiche Führungen in England. Darunter auch viele altehrwürdige Herrenhäuser. „Ich bin im nächsten Jahr bereits jetzt schon zehn Wochen ausgebucht“, erklärt die Rückkehrerin. Oft hätte sie nur ein bis zwei Tage Urlaub im Monat, was jedoch kein Problem sei: „Ich liebe meinen Job, sonst hätte ich es nicht so gemacht.“ Die Hauptsaison gehe von April bis Oktober, dort sei die Zeit am stressigsten.

Während der Coronakrise absolvierte die Grieselsteinerin den Diplomlehrgang zur Studienreiseleiterin in Wien.
David Marousek

Für Reiseleiter sei die Menschenkenntniss eine der wichtigsten Voraussetzungen im Beruf. „Man ist wie ein Seelsorger als Reiseleiter für die Menschen“, fasst Petr zusammen. In England war sie zuletzt selbstständig und organisierte zahlreiche Touren. Eigentlich kam sie schon 2006 zurück nach Österreich und baute ihr Haus um. Von heute auf morgen packte sie jedoch ihre Koffer und flog in Richtung Cornwall. „England war damals Zufall, ich wollte etwas verändern“, erklärte die Reiseführerin.

Auch in Österreich könnte sie sich vorstellen Führungen abzuhalten. „Man könnte hier locker einige Touren aufbauen. Es wäre eine weitere Möglichkeit, das Burgenland zu verkaufen. Wir haben hier so schöne Sachen, ich hab da selber erst wieder so vieles neu entdeckt“, schwärmt sie von ihrer Heimat.

Gedanken an die Pension werden momentan noch keine verschwendet. „Solange ich etwas gerne mache, werde ich es auch tun“, erklärte die mittlerweile 59-jährige.

Für den Tourismus sieht sie nach der Krise wieder Hoffnung: „Es wird sicher wieder kommen, aber in einem geringeren Maße.“ Für das kommende Jahr ist ein längerer Aufenthalt in England auf jeden Fall schon wieder eingeplant.