Konflikte um Biker im Wald. Mit der derzeitigen Situation bei der „Mountainbikestrecke Sauerbründl“ in Bad Sauerbrunn ist niemand so recht zufrieden. Mountainbiker und Jagdpächter kommen sich regelmäßig in die Quere.

Von Christian Artner. Erstellt am 24. September 2020 (05:45)
Die „Mountainbikestrecke Sauerbründl“ in der Region Rosalia ist im September nur bis 15 Uhr, im Oktober bis 16 Uhr benutzbar. Für berufstätige Moutainbiker de facto damit unbenutzbar. Interessen von Radfahrern, Jagdpächtern, Förstern und auch Tieren prallen aufeinander.
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K. Bogner ist seit 30 Jahren Mountainbiker. Radfahren war für ihn, wie er sagt, „der zündende Funke zu einem, auch in beruflicher Hinsicht, gesundheitsbewussten Dasein.“

Auch die „Mountainbikestrecke Sauerbründl“ in Bad Sauerbrunn und der Rosalia-Region hat für Bogner durchaus ihren Reiz – sofern sie denn auch richtig genutzt werden könnte. Das ist nämlich laut Bogner und anderen Mountainbikern derzeit nicht gegeben. Die Strecke durfte im September nämlich nur bis 15 Uhr befahren werden, im Oktober wird sie es nur unbedeutend länger sein: von 9 bis 16 Uhr. „De facto hat ein arbeitender Mensch mit normalen Arbeitszeiten keine Chance, dort mountainbiken zu gehen“, klagt Bogner. Vier Monate, von November bis Feber, ist sie außerdem gänzlich gesperrt.

„Für Berufstätige de facto unbenutzbar“

Von Seiten der Stiftung Esterhazy, die im Besitz des Waldgebietes ist, durch die die Strecke verläuft, heißt es: „Der Wald ist nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern auch Arbeitsplatz für Menschen und Lebensraum für Tiere. Forststraßen werden für die Bewirtschaftung des Waldes, zur Holzernte und für den Abtransport, teils mit schwerem Gerät, genutzt.“ Hinzu komme, dass die gesetzlich verankerten Abschusszahlen eingehalten werden müssen. „Daher kommt es zu saisonal unterschiedlichen Zeiten“, sagt Barbara Wagner-Gmeiner, Pressesprecherin der Stiftung Esterhazy.

Diese Zeiten wurden laut Bogner in den vergangenen Wochen zudem von den Jagdpächtern rigoros und streng kontrolliert – seinem Empfinden und dem anderer Mountainbiker zufolge allerdings sogar etwas zu streng. Von Beschimpfungen, Einschüchterungen und Pöbeleien ist die Rede, die Bogner mittels Zeugenaussagen belegen könne. „Mir ist außerdem vor einigen Monaten ein freilaufender Jagdhund nachgestellt, worauf mich der Halter auch verbal attackiert hat. Meine Frau und zwei Freundinnen sind letztens am Eintritt in den Wald unfreundlichst gehindert worden.“ Solche Vorfälle hätte es zwar immer wieder mal gegeben, durch die Corona-Pandemie hätte sich die Zahl der Waldradler aber binnen kürzester Zeit vervielfacht und damit offenbar auch auch das Konfliktpotenzial. „Der Trend ist eindeutig bemerkbar, viele schauen jetzt wieder vermehrt auf ihre Gesundheit“, sagt Bogner. „Teilen der Jägerschaft sind die Erholungssuchenden aber anscheinend ein Dorn im Auge.“

„Touristisch ein wichtiges Thema“

Wagner-Gmeiner, auf die vermeintlichen Vorfälle angesprochen, sagt, dass „uns aktuell kein Fall bekannt ist, in dem es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen ist. Wir möchten betonen, dass nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch unsere Jagdpartner stets freundlich und aufklärend auf alle Waldnutzer zugehen.“ Regelmäßig gäbe es dazu auch Schulungen und Informationsveranstaltungen.

Bogner möchte auch nicht alle Jagdpächter über einen Kamm scheren, es gäbe auch vorbildliche Vertreter der Jägerschaft, mit denen eine normale Unterhaltung möglich sei, „aber leider auch einige, die meinen, mit der erworbenen Pacht die guten Umgangsformen den ‚normalen‘ Waldbesuchern gegenüber ablegen zu können.“ Aber auch unter Mountainbikern könne nicht ausgeschlossen werden, dass es das eine oder andere schwarze Schaf gibt, das dem Renommee der Gruppe schadet, indem etwa abseits der Strecken gefahren wird, weil die freigegebenen Strecken als ungeeignet empfunden werden. Das gibt auch Bogner zu.

Was der Konflikt aber zeigt, ist, dass niemand so recht mit der aktuellen Situation zufrieden ist. Auch Bürgermeister Gerhard Hutter ist das Problem bekannt: „Grundsätzlich ist es verständlich, dass sich Jagdpächter ärgern, wenn ein Radfahrer außerhalb der festgesetzten Zeiten durch den Wald fährt. Radfahren ist aber touristisch für das Land Burgenland und natürlich auch für die Region Rosalia ein ganz wichtiges Thema. Deswegen sollten verstärkt Wege definiert werden, die Radfahrer und Mountainbiker auch sinnvoll befahren dürfen und auf denen zugleich Wanderer, Jäger und Tiere nicht gestört werden.“ Das gehe natürlich nicht von Heute auf Morgen, aber als Ziel nennt Hutter, dass bis 2021/22 in diese Richtung etwas geschehen soll.

Musterbeispiel „Trailwerk Wachau“

Auch Bogner sieht das ähnlich und führt als Musterbeispiel für ein gelungenes Miteinander den Verein „Trailwerk Wachau“ an, der Mountainbike-Trails plant, finanziert, umsetzt und pflegt, im ständigen Diskurs mit allen anderen involvierten Interessensgruppen. „Beispiele aus anderen, von Großgrundbesitzern verwalteten Gegenden zeigen, dass es die Möglichkeit gibt, die Lage für alle Waldbesucher zu verbessern.“

Trailwerk Wachau bekam vor einiger Zeit die Erlaubnis, eigene Strecken für Mountainbiker aufzubereiten. „Ich denke, das wäre auch bei uns eine Lösung. Mountainbiker würden sich auf die Nutzung der freigegebenen und für sie attraktiven Strecken beschränken. Damit wäre der Rest des Waldes frei für Wanderer und Jagdpächter und man hätte viel weniger Begegnung. Längerfristig wäre das ein Ziel von uns Mountainbikern“, sagt Bogner, denn, das habe sich in der Wachau gezeigt, auch Forstwirte und Jäger begrüßen die Konzentration der Radfahrer auf ein begrenztes Gebiet. Und ein kurzfristiges Anliegen? „Dass wieder ein vernünftiger Ton einkehrt und alle respektvoll miteinander umgehen.“