Ein echter Budka. Alfred Budka ist leidenschaftlicher Maler. Auf seinen Bildern verarbeitet er vorrangig seine Erinnerungen auf Hoher See und Eindrücke, die sein Leben geprägt haben.

Von Christian Artner. Erstellt am 19. Mai 2019 (02:06)
Christian Artner
Alfred Budka vor der Leinwand seines neuesten Werks, einem Muttertagsblumenstrauß. Der Stock mit Tennisball dient dazu, beim Malen eine ruhige Hand zu haben.

Viel wurde in den letzten Jahrhunderten darüber gerätselt, wer das reale Vorbild eines der größten Meisterwerke und Frauenportraits der Kunstgeschichte, der Mona Lisa von Leonardo Da Vinci, gewesen ist. Abschließend geklärt, wenngleich es eine starke Tendenz gibt, ist die Frage nicht. Eine Acrylmalerei gab zur Jahreswende auch in Baumgarten Anlass für ein kleines Rätselraten.

„Lady in Red“ wurde das Bild von seinem Schöpfer, dem Baumgartner Alfred Budka, genannt, das auf schwarzem Hintergrund die Silhouette einer Frau in leicht lasziver Pose zeigt, gemalt mit wenigen Pinselstrichen in Weiß und Rot. Ulrike Budka, die Gattin von Alfred, stellte in den sozialen Medien unter der Abbildung des Werkes die Frage in den Raum, wer das wohl sei und an wen Alfred im Moment der Erschaffung gedacht haben könnte – sie selbst erkenne sich darin jedenfalls nicht, schreibt sie mit einem Augenzwinkern.

Beantwortet hat Budka die Frage weder schriftlich, noch auf insistierendes Nachfragen während eines Gesprächs in seinem Haus, das gleichzeitig auch sein Atelier, seine Künstlerwerkstatt, ist. Somit könnte auf zukünftige Generationen noch viel an Aufklärungs- und Nachforschungsarbeiten zukommen.

„Früher habe ich damit Taschengeld verdient“

Budka malt seit ungefähr sechzig Jahren und das mit professioneller Pinselführung. Nicht in einem durch, was angesichts der paar hundert Bilder, deren genaue Anzahl er nicht beziffern kann, aber durchaus vorstellbar gewesen wäre: „Mein erstes Bild, die ‚Offene See‘ habe ich mit dreizehn gemalt und damit ein Taschengeld verdient.“

Als eines Tages ein Kunsthändler in das Haus der Budkas in Wien kam und beim Vater von Alfred, der Kunstmaler war, vorsprach, blieb diesem auch das malerische Talent des Sohnes nicht gänzlich verborgen. Fünfundzwanzig Bilder bekam er in Auftrag, das Geld in Gedanken schon ausgegeben, war er nach dem achten Bild bereits total ausgelaugt. „Danach habe ich jahrelang, sicher zwanzig Jahre, keinen Pinsel mehr angerührt.“

Nach Abstechern in die berufliche Selbstständigkeit, wandte er sich verstärkt der Seefahrerei zu, zwölf Jahre lang kreuzte er durch die Weltmeere und entdeckte nach fast fünfzig Jahren wieder seine Liebe zur Malerei, jetzt im Burgenland.

Das Motiv der See und des Wassers begleitet Budka, der auch Obmann des Fischereivereins in Baumgarten ist, seitdem ständig: „Wenn mein Leben auf Leinwand zusammengefasst werden würde, würde Wasser eine zentrale Stelle einnehmen.“ Viele seiner Bilder zeigen Segelschiffe. Dabei experimentiert er auch mit echten Regattasegelstoffen, die er in das Bild montiert und so Collagen erschafft.

„Ich weiß gar nicht mehr wohin mit den Bildern“

Zum Brotberuf wollte der 70-Jährige die Malerei nie machen: „Es ist schön, ohne kommerziellen Druck malen zu dürfen. Ich male, weil es mir Spaß macht und nicht weil ich die Bilder verkaufen muss.“ Diese lobenswerte Einstellung führt allerdings mittlerweile zu einem räumlichen Notstand: „Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich all meine Bilder hingeben soll.“ So verschenkt er auch viele davon. Echte Budkas hängen etwa im Gasthaus Franschitz oder im Café Murzi und verstreut in vielen Häusern in Baumgarten.

Seine Frau, die wie er selbst sagt, zu seinen größten Kritikern zählt und die zugleich, wie er in seiner eigenen Fischersprache sagt, der Fang seines Lebens ist, muss, trotz der Schönheit in Rot, keineswegs eifersüchtig sein, hat Alfi sie nämlich auch auf Leinwand gebannt.

Das durch Gelb- und Rottöne dominierte Bild trägt den Namen „No Palmers“, in Anlehnung an das Dessous- und Unterwäschegeschäft, und hängt im Wohnzimmer der beiden, gleich über einem Konterfei von Che Guevara und nebst zweier bunter Hähne. Wie das Bild genau aussieht, soll für den Leser an dieser Stelle geheim bleiben, nur so viel verrät Budka: „Bei Palmers haben die Models meistens wenig an.“