Keine Corona-Einbußen für Trafiken: Ein Rundblick. Trafiken sind von der Corona-Krisen finanziell nur gering betroffen, so jedenfalls das Ergebnis einer Nachfrage bei Trafikanten im Bezirk Mattersburg. Zigarettenverkäufe tendenziell gestiegen.

Von Christian Artner, Harald Leitner und Helga Ostermayer. Erstellt am 23. April 2020 (04:30)

Trafiken waren von verordneten Schließungen nicht betroffen. Die finanziellen Einbußen hielten sich deshalb – trotz Ausgangsbeschränkungen – in Grenzen. Die BVZ hörte sich bei einigen Trafikanten im Bezirk um, wie sie mit der Situation umgehen.

Franz Xaver Groiß (Zemendorf)

Franz Xaver Groiß betreibt in Zemendorf nicht nur eine Trafik, sondern im selben Geschäftslokal auch einen „Nah & Frisch“-Markt, weshalb es bei ihm auf seinen 120 Quadratmetern im Unterschied zu vielen anderen Trafiken mehr Bewegungsspielraum gibt. Spezielle Zugangsbeschränkungen gibt es bei Groiß deshalb nicht, es sei genügend Platz für acht bis zehn Leute. „So viele sind aber ohnehin nicht gleichzeitig hier.“ Er merke natürlich schon, dass das Geschäft trotz der Kombination von Trafik und Nahversorger weniger geworden ist. „Wie viel es genau ist, kann ich noch nicht sagen. Das sehe ich erst nach der Auswertung.“

Der Zigarettenverkauf sei zwar beim Automaten gestiegen – „ich schätze um zirka zwanzig Prozent“ – gleichzeitig ist er aber im Geschäft selber zurückgegangen. Für seine insgesamt drei Mitarbeiter hat die ganze Situation jedoch keine Konsequenzen: „Es gab bei mir weder Kündigungen, noch gibt es Kurzarbeit.“ Lediglich mit den obligatorischen Schutzmaßnahmen wie Masken und Plexiglaswände muss man auch hier umzugehen lernen.

Edith Strodl (Forchtenstein)

„Wir haben aufgrund der Grenzschließungen kaum Umsatzeinbußen, da niemand mehr nach Ungarn fahren kann, um Zigaretten zu kaufen. Trotzdem merkt man, dass die Leute nicht so viel außer Haus gehen und deshalb auch nicht so viel zu uns kommen.“

Silvia Bencsits (Neudörfl)

Gemeinsam mit ihrem Mann Karl Bencsits betreibt Silvia Bencsits die Trafik in der Hauptstraße 36 in Neudörfl. Von Umsatzeinbußen kann sie nicht berichten. „Wir haben auch weiterhin ganz normal geöffnet.“ Der Zigarettenverkauf sei „ein bisschen gestiegen, da der ungarische Markt weggefallen ist“. Auch bei ihnen wird jetzt, anstatt nur einzelne Packungen zu kaufen, gleich eine Stange auf Vorrat nach Hause gebracht. Trotz der Beschränkungen – „es darf immer nur ein Kunde einzeln das Geschäft betreten und natürlich gibt es auch bei uns die Bitte, das Geschäft nur mit Schutzmaske zu betreten“ – möchte anscheinend kaum jemand später mit dem Gedanken leben müssen, einen Lotto-Sechser mit seinen Zahlen verpasst zu haben. „Das Lottospielen ist annähernd gleich geblieben, es werden aber meistens gleich mehrere Runden gespielt.“

Johann Lampl (Schattendorf)

Der Schattendorfet Trafikant Johann Lampl führt gemeinsam mit Dagmar Weiss die Trafik in der Schattendorfer Hauptstraße. Er erzählt: „Wir haben zwar jetzt teilweise Umsatzeinbußen, weil die Ungarn nicht mehr zum Lotto spielen kommen, aber diese Einbußen kompensieren sich durch die Einkäufe der Leute aus dem Ort, die jetzt zu Hause sind. Der Zigarettenumsatz hat bei uns im Moment sogar etwas zugelegt.“ Er fährt fort: „Offen haben wir von Montag bis Samstag am Vormittag, am Mittwoch halten wir auch von 16 bis 18 Uhr für die Pendler offen. Gearbeitet wird bei uns ganz nach Vorschrift mit Maske und auch mit dem nötigen Abstand zum Kunden. Die Öffnung der kleineren Geschäfte hat uns nicht unbedingt mehr Umsatz gebracht, aber das schöne Wetter bringt uns durchaus mehr Kundschaft, haben wir bemerkt.“

Reinhard Dörfler (Mattersburg)

„Ich habe keine finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise, eher im Gegenteil. Dass die Leute jetzt nicht mehr nach Ungarn fahren können, um sich dort ihre Zigaretten zu kaufen, merke ich aber auch nicht großartig. Die Kunden hamstern vermehrt Stangen und nicht einzelne Schachteln, um den täglichen Gang in die Trafik zu vermeiden, was ich natürlich sehr begrüße.“, berichtet Reinhard Dörfler. Die Öffnungszeiten hat er etwas angepasst. So war er meistens immer Montag bis Freitag von 5 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr im Geschäft. Aktuell hat er von Montag bis Freitag von 5 bis 12 Uhr und Samstag von 6:30 bis 12 Uhr geöffnet.

„Da ich mit meiner Zuckerkrankheit auch Risikopatient bin, achte ich sehr darauf, mir oft und gründlich die Hände zu waschen, immer einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und den Mindestabstand einzuhalten. Ich hoffe, diese Krise wird bald überwunden sein, aber jetzt geht es darum durchzuhalten“, so Dörfler.