Neu: Heuriger akzeptiert nun auch Bitcoins. Am gestrigen Mittwoch durften die Gastronomen im Bezirk Mattersburg nach langer Durst- strecke endlich wieder öffnen. Zutritt ist nur für Getestete, Geimpfte oder Genesene erlaubt.

Von Viktoria Sieber, Helga Ostermayer, Tina Wohlfarth und Christian Artner. Erstellt am 20. Mai 2021 (04:00)
440_0008_8083832_mat20rv_eckhardt_diners.jpg
Judith und Josef Neusteurer freuen sich auf die Eröffnung am 19. Mai. Regionalstellen-Obfrau Melanie Eckhardt brachte die Test-Kits zur geplanten Eröffnung vorbei.
zVg, zVg

In der Kryptowährungsgemeinschaft sorgte die Nachricht, dass Tesla, der amerikanische Elektroautohersteller, Bitcoin nun doch nicht mehr als Zahlungsmöglichkeit für seine Autos annimmt, für einiges Rumoren. Das hält allerdings viele, darunter auch Unternehmen, nicht davon ab, weiterhin auf Bitcoin zu setzen. Zu jenen, welche die Massenadaption der bekanntesten Kryptowährung zumindest lokal vorantreiben wollen, zählt der Neudörfler Heurigenwirt Peter Wittmann. Seit gestern können bei ihm im Lokal Speisen und Getränke mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen wie Ethereum bezahlt werden.

440_0008_8083848_mat20rv_wirte_neubauer.jpg
Stefan Neubauer, Gastronom aus Bad Sauerbrunn: „Wir sind überglücklich, wieder für unsere Gäste da sein zu können.“
BVZ

„Meiner Meinung nach wird das die Zukunft sein“, erklärt Wittmann seine Entscheidung. „Man muss den Menschen zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten der Zahlung, abgesehen vom Bargeld und der Bankkomatkarte, gibt.“

Wir freuen uns , dass wir wieder aufsperren können, aber es bleibt eine Ungewissheit. Die Frage wird sein, ob sie uns im Herbst wieder zusperren, ist Gastronom Peter Wittmann noch nicht uneingeschräkt euphorisch.

Momentan stehen allerdings – neben anderen Gründen – noch vergleichsweise hohe Gebühren, die bei jeder Bitcoin-Transaktion fällig werden, einer Geschäftswelt entgegen, in der ganz selbstverständlich auch kleinere Beträge, wie etwa die Rechnung für das Schnitzel, mit dem virtuellen Geld gezahlt werden. Das möchte Wittmann dadurch abfedern, dass er einen Rechnungsrabatt von 15 Prozent auf alle Kryptozahlungen im Lokal gewährt. Auch für Liefer- und Abholservice, welche beide während des Lockdowns angeboten wurden und auch nach der Wiedereröffnung weiterhin angeboten werden, gilt dasselbe. Eine tatsächliche Transaktion mit Bitcoin konnte Wittmann zwar noch nicht verbuchen, trotzdem ist er zuversichtlich, dass das Angebot von dem einen oder anderen auch genutzt werden wird.

Wir freuen uns , dass wir wieder aufsperren können, aber es bleibt eine Ungewissheit. Die Frage wird sein, ob sie uns im Herbst wieder zusperren, ist Gastronom Peter Wittmann noch nicht uneingeschräkt euphorisch. 

440_0008_8084358_mat20vs_berdynaj.jpg
Gjyle Berdynaj vom Badrestaurant „Julie‘s“ in Sigleß freut sich wieder für ihre Gäste da sein zu können.
BVZ

Bedenken, ob die Zahlung mit Bitcoins auch praxistauglich ist, zerstreut Wittmann sogleich. Zwar bedarf es für jede Überweisung eine Empfängeradresse, die aus über dreißig verschiedenen Zeichen besteht, wobei auch nur ein einziger Fehler bei der Eingabe das Geld unwiederbringlichen verloren gehen lässt – was nach dem einen oder anderen Gläschen Wein durchaus passieren könnte. Das Problem stelle sich aber gar nicht erst, sagt Wittmann, denn manuell eingeben muss man die Adresse nicht. „Das geschieht mittels einem QR-Code, der gescannt wird, wodurch es sehr nutzer- und gastfreundlich ist.“

Über einen längeren Zeitraum betrachtet, ist sich Wittmann sicher, führe also an Bitcoin und Co. auch in der Gastronomie kein Weg vorbei, wolle man am Zahn der Zeit bleiben. Das Hier und Jetzt wird allerdings weiterhin von der Corona-Pandemie bestimmt. Denn ob überhaupt noch jemand zum Heurigen geht, um dann theoretisch mit Kryptos zu bezahlene, das müsse sich erst weisen. „Es wird bestimmt eine Herausforderung sein, die Leute wieder in die Gastronomie zu bringen“, sagt Wittmann. Das läge einerseits an den Zugangsbestimmungen, die vorsehen, dass man getestet, genesen oder geimpft sein muss, andererseits auch daran, dass es sich die Menschen mittlerweile auch Zuhause recht bequem gemacht hätten.

440_0008_8084299_mat20ca_waldherr.jpg
Annemarie Waldherr, Café Weinstöckl, Neudörfl erhofft sich für die Wiederöffnung viele Gäste begrüßen zu können.
BVZ

„Viele haben den Keller renoviert oder trinken vielleicht auch lieber ein Bier gemeinsam mit Freunden im Garten.“ Wittmann will deshalb zunächst noch abwarten, bevor allzu große Euphorie entstehen darf. „Wir freuen uns natürlich, dass wir wieder aufsperren können, aber es bleibt trotzdem eine große Ungewissheit. Die Frage wird sein, ob sie uns im Herbst wieder zusperren. Diese Gefahr schwebt natürlich weiterhin über unseren Köpfen.“ Ein weiterer Lockdown wäre für die gesamte Branche nur schwer zu stemmen, sagt Wittmann, der auch meint, dass der große Kahlschlag innerhalb der Gastronomie erst noch bevorsteht. „Viele Lokale haben Stundungen beim Finanzamt oder der Krankenkassa. Das Problem ist, wenn man ein ganzes Jahr lang Zahlungen stundet, wie soll man die dann plötzlich alle auf einmal zahlen können?“ Das betreffe ihn persönlich zwar nicht, „aber doch viele, die ich kenne.“

Die immer noch vorhandene Ungewissheit sei auch in der Belegschaft zu spüren, oder genauer: bei potentiellen Arbeitskräften. Wittmann würde zwar gerne zwei weitere Kellner oder Kellnerinnen einstellen. „Derzeit hat man aber keine Chance, qualifiziertes Personal zu finden. Wir suchen schon länger, fast verzweifelt, zusätzliches Personal, aber es meldet sich niemand.“

Bitcoin wird zwar nicht die Lösung dieser Probleme sein. Letztendlich würden aber vielleicht gerade jene durchhalten, die, so wie Wittmann, den Mut haben, etwas Neues zu wagen.

Erleichterung und Vorfreude in der Gastro

Auch in Bad Sauberbrunn gibt es pünktlich zur Wiedereröffnung einiges Neues: Frisch gestrichen, durchgeputzt und mit neuen Ideen für die Speisekarte fieberten Lisa und Stefan Neubauer voller Tatendrang dem 19. Mai entgegen: „Natürlich sind die derzeitigen Maßnahmen eine kleine Herausforderung. Wir sind dennoch überglücklich und sehr froh wieder für unsere Gäste da sein zu können, ganz egal welche Voraussetzungen es gibt.“ Auch alle Mitarbeiter konnten behalten werden. Diese befinden sich in Kurzarbeit und werden schrittweise wieder arbeiten können.

440_0008_8084084_mat20hohanspeterreichl1sp.jpg
Cafè-Restaurant Reichl, Schattendorf. Wirt Hans-Peter Reichl freut sich schon auf seine Gäste.
BVZ

Erleichterung auch beim Café-Restaurant Reichl in Schattendorf: „Mein Team und ich freuen uns schon sehr darauf, wieder Gäste bei uns begrüßen zu dürfen, die sich auf teils neue Speisen auf unserer Speisekarte freuen können. Unser Personal war in Kurzarbeit und alle werden am Mittwoch wieder da sein, um den Betrieb aufnehmen zu können“, so der Chef des Hauses, Hans-Peter Reichl. „Wir sind schon sehr gut gebucht, auch viele größere Gruppen haben bereits angefragt, ob sie bei uns essen und feiern können, aber da wissen wir noch nicht, wie wir das handhaben können“, fährt er fort. Ab Mittwoch werden die Gäste beim Eingang von einem Mitarbeiter begrüßt und kontrolliert, ob sie geimpft, genesen oder getestet sind. Das gilt auch für den Gartenbetrieb, für den – mit dem nötigen Abstand – mehr Platz geschaffen wurde. „Mit der Regelung, dass nur vier Personen an einem Tisch Platz nehmen dürfen, sind wir nicht glücklich, denn die Gruppen, die zusammensitzen und essen wollen, sind zumeist größer. Aber auch dafür werden wir eine passende Lösung finden“, gibt sich Hans-Peter Reichl optimistisch.

Optimistisch ist auch Anneliese Waldherr, die Inhaberin des Cafés Weinstöckl am Kirchenplatz in Neudörfl. Sie erwartet sich für die Wiedereröffnung einiges: „Wir haben doch viele Stammgäste, die sich schon sehnlichst die Öffnung unseres Cafés wünschen.“

Das Präventionskonzept, denkt sie, sei zwar im Großen und Ganzen gut, lediglich eine elektronische Lösung, etwa bei den Gästelisten, anstatt der handschriftlich auszufüllenden Papiere, wäre eventuell besser gewesen. Ob die Kontrollen in der Praxis umsetzbar sein werden, ist sich Waldherr noch nicht sicher. „Aber es muss funktionieren.“

Was sie sich auch gewünscht hätte, wäre eine Regelung, die das Konsumieren von Speisen und Getränken auch im Stehen ermöglicht. „Bei uns ist es meistens ein Kommen und Gehen. Sehr viele unserer Gäste wollen einfach nur an unseren Stehtischen stehen oder bei unserem Fass vor der Lokal. Das ist aber leider nicht erlaubt.“

Auch das Sigleßer Badrestaurant „Julie’s“ atmet auf: „Wir freuen uns, dass viele Kunden schon reservieren. „Wir haben unser Team verstärkt. Außerdem wurden die Tische so verstellt, dass man den nötigen Abstand hält“, so Gjyle Berdynaj.

440_0008_8084388_mat20ca_wittmann2.jpg
Im Heurigenrestaurant Wittmann in Neudörfl kann neuerdings auch mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen gezahlt werden.
zVg, zVg