„Unbegründete Panik“: Keine Hamsterkäufe in Apotheken. Drei Apotheker aus dem Bezirk berichten über die aktuelle Situation. Die Nachfrage an Medikamenten steigt, bei den Apothekern gibt es spezielle Vorsichtsmaßnahmen.

Von Helga Ostermayer und Christian Artner. Erstellt am 27. März 2020 (03:03)
Symbolbild
APA

 Auf die heimischen Apotheker kommt nun ein Mehr an Arbeit zu – so auch bei den Anbietern im Bezirk Mattersburg. In Baumgarten werden nun nur mehr drei Kunden auf einmal in den Verkaufsraum reingelassen.

„Wir stellen unseren Kunden auch ihre Medikamente zu, die Ärzte faxen uns vorher die Rezepte, auch das klappt sehr gut, aber das haben wir auch schon vorher für die Kunden, die nicht mobil sind, so gehandhabt. Unser Team hat sich in zwei Gruppen aufgeteilt und wir machen Radldienst - falls sich wer infiziert, das das Geschäft weiterlaufen kann. Von einer Medikamentenknappheit ist nichts zu spüren“, wird von dort berichtet.

Auch bei der Sebastian-Apotheke in Rohrbach setzt man auf entsprechende Vorsichtsmaßnahmen: „Die Kunden, die nur ein Rezept abholen, werden bei der Tür bedient, ansonsten lassen wir auch nur drei Personen in den Verkaufsraum. Eine Medikamentenzustellung würde unsere Kapazitäten übersteigen, aber bei Menschen in Quarantäne würden wir natürlich auch liefern“, berichtet Chefin Sabine Buranits. Laut Buranits ist unter den Patienten eine „unbegründete“ Panik entstanden, zu keinen Medikamenten mehr zu kommen, deshalb tätigen sie auch bei den Medikamenten Hamsterkäufe.

„Ein Umdenken sollte erfolgen“

„Ich finde, es sollte auf so vielen Ebenen jetzt ein Umdenken erfolgen, es kann auf keinen Fall sein, dass man aus lauter Gier, weil die Produktion der Medikamente im Ausland billiger ist, diese in das Ausland verlagert. Wichtige Medikamente sollten unbedingt im Inland hergestellt werden, auch wenn das teurer ist“, so Buranits.

„Kunden füllen Hausapotheke“

Obwohl es kein Medikament gegen Covid-19 gibt, ist in den letzten Tagen trotzdem ein starker Kundenzulauf in Apotheken zu verzeichnen. „Unsere Kunden füllen jetzt zum Beispiel ihre Hausapotheke auf für den Fall, dass sie mit dem Virus infiziert werden und anschließend in Quarantäne müssten und nicht mehr vor die Tür können“, berichtet Pharmazeutin Carmen Tamandl, die mit ihrem Team, bestehend aus insgesamt fünf Mitarbeitern, in der Passagenapotheke in Neudörfl die Stellung hält.

„Aber auch immunsteigernde Nahrungsergänzungsmittel werden stärker nachgefragt, genauso wie Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel. Im Moment bekommt man von den letztgenannten Artikeln aber fast gar nichts mehr. Wir haben gerade für den Eigenbedarf Masken. Desinfektionsmittel machen wir hingegen selber.“ Lieferengpässe bei Gebinden, das sind Behältnisse wie etwa Glas- oder Kosmetikflaschen, erschweren allerdings die Ausgabe an die Kunden.

Lieferservice wird in Anspruch genommen

Der Lieferservice, den die Apotheke vor allem für Risikogruppen anbietet, werde pro Tag etwa fünf- bis zehnmal in Anspruch genommen. Die Lieferungen erfolgen kostenlos. Bürgermeister Dieter Posch hat, da er sich des Aufwandes bewusst wurde, von Seiten der Gemeinde angeboten, die Kosten der Auslieferungen zu übernehmen.