Gemeinde Draßburg: Gewinn durch die Banken-Pleite

Durch lange, zähe Verhandlungen mit dem Masseverwalter der Commerzialbank erspart sich Gemeinde Draßburg 500.000 Euro.

Erstellt am 14. Oktober 2021 | 03:06
440_0008_8203967_mat41hoaufschliessungsgruende.jpg
Gartenäcker. Bürgermeister Christoph Haider zeigt die Draßburger Baugründe.
Foto: Ostermayer

„Glück im Unglück“ lautet ein Sprichwort. Dieses, so kann man sagen, trifft auf die Gemeindefinanzen von Draßburg zu, denn der Ort ist, wie es scheint, der einzige im Bezirk, der aus dem Finanzskandal der Commerzialbank sogar einen Vorteil herausschlagen konnte.

Wie das kam? Bürgermeister Christoph Haider schildert: „Wir haben sieben Hektar Bauland bei den Gartenäckern erschlossen. Aus diesem Grund hat die Gemeinde gemeinsam mit der Commerzialbank vor etwa vier Jahren die Draßburger Baulanderschließungs GmbH gegründet. 51 Prozent davon hielt die Gemeinde, 49 Prozent die Commerzialbank. Intention dahinter war die Bereitstellung von Bauplätzen für Einfamilienhäuser, eingebettet in schöne, ruhige Naturlandschaft. Es gab auch schon zahlreiche Kauf-Voranmeldungen von interessierten Häuslbauern.“

Die erste Umsetzungs-Verzögerung erfolgte aufgrund von archäologischen Funden bei Grabungsarbeiten, wie etwa die Venus Nummer zwei (die BVZ berichtete) sowie Merkmale einer Wehrburg. Die zweite kam durch Corona und dann folgte im Sommer des Vorjahres der Bank-Crash. Bis zum Commerzialbank-Skandal sind für dieses Vorhaben Gelder in der Höhe von rund zwei Millionen Euro für Aufschließung, archäologische Grabungen oder Teilungspläne aufgewendet worden, diese wurden vom Masseverwalter der Bank Kosch und Partner fällig gestellt.

Nach langen, zähen Verhandlungen wurde zwischen der Gemeinde und dem Masseverwalter folgende Einigung erzielt: Die Gemeinde kann um 1,5 Millionen Euro die Anteile der Commerzialbank übernehmen. „Damit haben wir uns 500.000 Euro erspart. So gelang es uns, von einer Patt-Situation zu einem Top-Ergebnis für beide Seiten zu kommen. Dieses faire Verhandlungsergebnis ist nicht zuletzt durch das Verhandlungsgeschick von Rechtsanwalt Christian Dax von der Kanzlei Dax Wutzelhofer und Partner Rechtsanwälte GmbH zustande gekommen. Auch die Abteilung II der Burgenländischen Landesregierung stand diesem Regulierungsangebot positiv gegenüber. Die Finanzierung dieser 1,5 Millionen erfolgt über die Hypo Oberösterreich, die von den Konditionen her das beste Angebot legte“, so Haider.

Vorbild für die Gründung der Baulanderschließungs GmbH war die Gemeinde Hirm, die schon zwei Jahre vor der Draßburger Gründung eine ähnliche Gesellschaft ins Leben rief. Leider war für Hirm der Ausgang der Commerzialbank-Krise weniger günstig, denn dort mussten die Grundstücke versteigert werden. Die Hirmer Bürgermeisterin Inge Posch-Gruska gratulierte neidlos Bürgermeister Christoph Haider und dem gesamten Draßburger Gemeindeteam für das großartige Verhandlungsergebnis mit Kosch und Partner. Für die Draßburger Baugründe auf den Gartenäcker können sich nun Interessenten beim Gemeindeamt voranmelden. Mit dem Verkauf der Grundstücke ist im kommenden Frühjahr zu rechnen.