Experte: Bis zu Status wird es Jahre dauern. Erst in einigen Jahren wird zum Konkurs der Commerzialbank Mattersburg eine genaue Übersicht über die Vermögenswerte und Schulden des insolventen Instituts vorliegen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 10. August 2020 (16:25)
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APA/ROBERT JAEGER

Zur Berichts- und Prüfungstagsatzung am 12. Oktober werde es jedenfalls noch keinen Status geben können, allenfalls "einen kurzen Zwischenbericht" über Aktiva und Passiva, sagte ein Insolvenzexperte am Montag zur APA.

Aus großen Causen wie Wienwert oder Alpine sei bekannt, dass sich der Status laufend ändern könne. Und in dem speziellen Fall würden zur Feststellung beweglicher oder unbeweglicher Vermögenswerte Sachverständige beauftragt - auch darüber wurde am Montag bei der Gläubigerausschuss-Sitzung am Landesgericht Eisenstadt beraten.

Üblicherweise könne in Insolvenzverfahren die gutachterliche Feststellung von Aktive und Passiva sechs, acht Monate dauern. In der Causa Commerzialbank Mattersburg könnte das mehrere Jahre in Anspruch nehmen, denn es seien regelrecht forensische Fachleute gefragt. Auch die Klärung der Frage, gegen wen allenfalls Anfechtungsansprüche geltend gemacht werden, den Vorstand, den SV Mattersburg, den Buchprüfer TPA, werde dauern. Von der Riegerbank-Pleite - Beginn vor 22 Jahren - wisse man, dass Causen "ewig" dauern können, "wenn kriminelle Energie dahintersteckt".

Die Anmeldefrist für Forderungen zu Mattersburg läuft noch bis 28. September. Jedoch hatten Fachleute schon erklärt, dass über die Zahlungen der Einlagensicherung hinaus wohl für keinen Gläubiger außer der Einlagensicherung selbst etwas bleibe. Diese ist bevorrangt, wird als erste aus der Masse bedient. Doch selbst sie wird nicht alle Außenstände abgegolten bekommen - aber alles, was sonst noch übrig bleibe, werde wohl der Einlagensicherung gehören, hieß es heute von dort.

In der Causa Commerzialbank hat der Masseverwalter bereits Schadenersatzansprüche wegen Verletzung von Prüf- und Aufsichtspflichten gegen die Abschlussprüfer der TPA auf außergerichtlichem Weg geltend gemacht. Der Gläubigerausschuss hat am Montag nun auch die Ermächtigung erteilt, eine Klage einzubringen, falls eine außergerichtliche Bereinigung nicht möglich sei, teilte die zur Masseverwalterin bestellte Kosch & Partner Rechtsanwälte GmbH mit.

Weitere Ansprüche würden derzeit geprüft. Die Aufarbeitung der teils sehr komplexen Fragen in dem Insolvenzverfahren sei "bereits in vollem Gange" und erfolge in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden. Seitens der Masseverwaltung würden auch zusätzlich geeignete Sachverständige mit der forensischen Aufarbeitung betraut. "Dieser Vorgang wird sicher noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen", wurde betont. Bevor die Ergebnisse vorlägen, könne keine Prognose abgegeben werden, welche Ansprüche gegen wen geltend gemacht werden müssten.

Bei Gemeinschaftsschäden komme das Monopol für die Geltendmachung der Masseverwalterin zu. Die einzelnen Gläubiger könnten nur über das Insolvenzverfahren daran teilnehmen. Diesen Umstand müsse man bei der Frage, ob man Ansprüche geltend machen wolle, unbedingt berücksichtigen.